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Segeberg Kirche zwischen Kasse und Kuchentresen
Lokales Segeberg Kirche zwischen Kasse und Kuchentresen
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20:30 20.03.2017
Gottesdienst woanders: Pastor Steffen Paar geht dahin, wo, Menschen sich begegnen. Das kann auch der Edeka-Markt in Sülfeld sein. Quelle: Fotos: Heike Hiltrop

Ein sportlicher Herr in dunkler Jacke steht zwischen zahlreichen Stühlen vor den Kassen in einem Supermarkt mit dem großen, blauen E auf gelbem Grund. Es ist Pastor Steffen Paar und Sonntagvormittag kurz vor zehn Uhr. In einer Stunde soll hier zwischen Kasse und Kuchentresen, dort wo sonst Kleingeld klimpert und Kaffeetassen klappern, Gottes Wort verkündet werden. Mitten im Edeka-Markt von Claudia Wittorf. Gottesdienst woanders, das ist die Idee dahinter. Das Motto ist dem angepasst: „Gut verpackt – halb gewonnen“. Paar geht ungewöhnliche Wege. „Gott ist da, wo Menschen sich begegnen, also auch hier.“

Über 150 Menschen besuchten den Gottesdienst im Edeka-Markt von Sülfeld.

Er wolle neugierig machen, auf Gott, auf Kirche, sagt Südfelds evangelischer Pastor und legt ein weißes Tuch auf das Ende eines Laufbands. Mithilfe kleiner Schnapspackungen wird die schräge Fläche ausgeglichen, damit eine dicke Kerze und ein Metallkreuz nicht wackeln. Eine Art Minialtar.

„Ich brauchte gar nicht lange zu überlegen, um dem zuzustimmen“, sagt Markt-Chefin Wittorf und ist gespannt auf das, was kommt. „Ich steh’ auf so etwas.“ In der Kirche sei sie zwar nicht, weder getauft noch konfirmiert, räumt sie ein. Aber der Pastor und seine ungewöhnlichen Ideen, die Zeit, die er sich für die Menschen nimmt, das komme auch bei ihr gut an. Der Soundcheck an der mobilen Orgel läuft derweil einwandfrei. Das ungewohnte Terrain: für Pastor Paar kein Grund für Lampenfieber: „Ich bin eben ne’ Rampensau“, sagt er. Aber die Ungewissheit, wie viele Menschen kommen, sorge bei ihm doch für das kribbelige Gefühl.

„An einem normalen Sonntag wären wohl so 40 bis 70 Leute in die Kirche gekommen“, überschlägt Ulrich Bärwald vom Kirchengemeinderat. „Aber ,normale Sonntage’ gibt es nur noch sehr wenige seit Pastor Paar da ist.“ Dieses Mal werden es weit über 150 Besucher, aus Sülfeld und Itzstedt, aus Neuengörs, Wakendorf und anderswo. „Bei manchen ist es bestimmt die Neugier. Sogar R.SH hat im Rad den Gottesdienst angekündigt.“ Steffen Paar streift seien Talar über. Einige Gäste, die sich beim Bäcker niedergelassen haben, beobachten das Geschehen: „Sonst gehen wir nur Weihnachten in die Kirche, aber das hier ist mal was anderes“, sagt Angelina Hoppe.

Der Chor stimmt Cat Stevens „Morning Has Broken“ an. Ein Song, mit dem auch eine Versicherung für wirbt. Kerngedanke des Gottesdienstes ist „Verpackung“. Hält sie, was sie verspricht? Welche Verpackung wählen Menschen für sich, wo ist mehr Transparenz gefragt – Kulisse und Gottesdienst werden zum Gesamtereignis, das aus einem ganz normalen Märzsonntag etwas Besonderes macht. Die nächsten „Woanders“ sind auch schon geplant: bei der Feuerwehr und auf dem Sportplatz.

Heike Hiltrop

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