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Segeberg Kita Christiansfelde: Drastische Erhöhung der Elternbeiträge
Lokales Segeberg Kita Christiansfelde: Drastische Erhöhung der Elternbeiträge
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12:26 22.02.2016
„Das wird zu sozialem Sprengstoff. Über die Gebühren entscheiden wir Kommunalpolitiker.“ Jens Lichte (SPD)

Hinter den Kulissen des städtischen Kindergarten Christiansfelde gibt es große Aufregung unter den Eltern. Denn es liegt ein Papier aus der Verwaltung vor, nach dem noch in diesem Jahr erhebliche Gebührenerhöhungen anstehen. Die Rede ist davon, dass im Elementarbereich der Drei- bis Sechsjährigen die Gebühren etwa um zehn Prozent steigen. Bei den Krippenkindern sollen die Gebühren gar um 30 bis 35 (!) Prozent steigen. Ähnliches gilt für die Hortkinder. Selbst Bürgermeister Dieter Schönfeld spricht von „explodierenden Kosten“ für die Eltern.

Vorsitzender im Kindergartenbeirat ist Jens Lichte (SPD). „Die Eltern sind entsetzt“, sagt er. Für viele sei das nicht mehr bezahlbar. Auch als Vorsitzender des städtischen Sozialausschusses könne er sich nicht dem Vorwurf entziehen, dass sich bald nur Eltern Krippenplätze leisten können, „die ganz viel Geld haben oder die über Hartz IV oder Sozialstaffel das Geld vom Staat bekommen.“ Die Mittelschicht könne sich das nicht mehr leisten. Der Kindergartenbeirat rufe dazu auf, die Gebühren maximal um fünf bis sechs Prozent zu erhöhen. Lichte: „Damit muss sich jetzt die Politik beschäftigen.“

Warum diese drastische Erhöhung? Die Verwaltung habe jetzt erstmals eine grundlegende Betriebskostenabrechnung von Kindergarten und Krippe gemacht. Die Kosten seien erheblich gestiegen und die Aufwendungen müssten nun laut Satzung um bis zu 40 Prozent von den Eltern geschultert werden . „Auch wir Politiker sind erschrocken“, sagt Lichte. Er nimmt hier ausdrücklich Bürgermeister Dieter Schönfeld (SPD) in Schutz. Dieser habe die Pflicht, den Kommunalpolitiker klar zu sagen, wie teuer die städtische Einrichtung Kindergarten sei. Er sei auch verpflichtet, darauf hinzuweisen, dass die Politik beschlossen habe, bis zu 40 Prozent der Kosten Gebührenbeteiligung den Eltern in Rechnung zu stellen.

Bislang habe die Stadt dafür Schulden gemacht. Für Lichte werde das jetzt zum „sozialen Sprengstoff“. Zumal Eltern kaum Möglichkeiten haben, in andere Einrichtungen auszuweichen, wo es vielleicht günstiger sein könnte. Kita und Krippenplätze sind knapp. Am Dienstag, 1. März, ab 18.30 Uhr im Bürgersaal geht es in öffentlicher Sitzung des Sozialausschusses um die Kitagebühren.

Auch Bürgermeister Dieter Schönfeld spricht von Emotionen. Es sei schon „erheblich“ was im zweiten Quartal 2016 auf die Eltern zukomme. Es ginge nur über den Weg, die Quote der Elternbeteiligung an den Kita-Kosten zu senken. Auf Landesebene werde über kostenlose Kindergartenbetreuung geredet, da müssen auch Kosten von Land und Bund getragen werden. Es gehe nicht an, dass auf kommunaler Ebene Kitas über erhöhte Grundsteuern finanziert werden. Da müsse das Land Schleswig-Holstein mit seinem Werbeslogan „Ein Land für Kinder“ mal ernst machen, fordert Schönfeld.

Im Übrigen habe die Stadt Bad Segeberg bereits seit Jahren die Kosten nicht erhöht, jetzt komme ein größerer Betrag zusammen, auch weil die Personalkosten kräftig gestiegen seien. Außerdem sei die Qualität der Betreuung gesteigert worden. Gerade im Krippenbereich gebe es einen sehr hohen Personalschlüssel. Auch bei den Hortkindern sei ein besserer Personalschlüssel vorgeschrieben als im Klassenzimmer der Schule. Schönfeld glaubt nicht, dass die kommunalen Kitas wettbewerbsfähig bleiben, wenn die Gewerkschaften in der nächsten Gehaltsrunde erheblich Forderungen starten. Dann werde sicher eine Privatisierungswelle folgen wie in den siebziger Jahren bei der Müllabfuhr.d angekommen und einigermaßen zur Ruhe gekommen seien. Depressionen, suizidale Gedanken, paranoide Schizophrenie können die Folge sein, so Karin Kühle vom Fachdienst Gesundheit des Kreises. Und es sei nicht einfach, den Flüchtlingen dann die richtige Hilfe zukommen zu lassen. Plätze bei Therapeuten oder gar in stationären Einrichtungen seien rar. Zumal wegen der Sprachbarriere eine Behandlung schwieriger wird und länger dauert. Deshalb veranstaltet der Kreis zusammen mit der Wohlfahrtsorganisation „Der Paritätische“ Schleswig-Holstein eine Fachtagung zum Aufbau eines „Regionalen Netzwerkes zur Versorgung von traumatisierten Flüchtlingen im Kreis Segeberg“. Am Mittwoch, 24. Februar, soll mit Impulsreferaten und Workshops über den Bedarf informiert und über Unterstützerstrukturen im Kreis diskutiert werden.

Wolfgang Glombik

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