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Segeberg Kita Räuberhöhle bekommt einen eigenen Mensa-Raum
Lokales Segeberg Kita Räuberhöhle bekommt einen eigenen Mensa-Raum
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20:45 07.04.2017
Die „Räuberhöhle“ Seth: In den Gruppenräumen wird auch Mittag gegessen. Danach muss gründlich gefegt werden, damit die Kinder wieder spielen können.

Schüsseln mit dampfend heißem Essen stehen auf den niedrigen Tischen. Zwei- bis Sechsjährige sitzen drum herum und essen gesittet mit Messer und Gabel.

Gemeinde Seth stimmt Antrag zu – Gegner wollten Raum für andere Zwecke.

Sie schneiden die Bratwurst in kleine Stücke, zerkleinern Kartoffelecken in mundgerechte Happen und spießen das Gemüse mit der Gabel auf. Nur selten kleckern die Kleinen und Essen landet auf dem Fußboden. Bei Reis sehe das anders aus, dann müsse erst einmal gründlich und lange gefegt werden, sagt Antje Nöhr, Leiterin der DRK-Kindertagesstätte „Räuberhöhle“ in Seth.

Denn nach dem Mittagessen werden die Gruppenräume wieder zum Spielen genutzt. Mit einem extra Raum als Mensa könnte das Mittagessen anders gestaltet werden und sich die Situation entspannen.

Etwa 50 der rund 74 Mädchen und Jungen essen in der Kita zu Mittag, ein Großteil nimmt sogar drei Mahlzeiten in der Räuberhöhle ein. „Mahlzeiten sind wichtig. Die Kinder lernen bei uns den Umgang mit Messer und Gabel, entdecken Lebensmittel.“ Ästhetik, Geschmack und Haptik würden gefördert. „Tischmanieren sind ein Kulturgut, das wir vermitteln“, betont Antje Nöhr. Mit einer eigenen Mensa könnten pädagogische Themen im Bereich Mahlzeit erfüllt werden wie zum Beispiel das gemeinsame Essen in alters- oder genderhomogene Gruppen.

Ein paar Schritte den Flur entlang befindet sich die Lösung des Platzproblems: der Gemeinderaum in der Alten Schule. Den darf die Kita bereits bis 14 Uhr mitnutzen. Einige Sether Vereine und Einrichtungen benötigen den Raum durchschnittlich ein- bis zweimal im Jahr für ihre Treffen, so gibt es nur Tische und Stühle für Erwachsene. Gemeinsame Mahlzeiten für die Kinder sind so nicht möglich. Deshalb hat das DRK als Träger des Kindergartens im Februar einen Antrag an die Gemeinde gestellt, den Raum ständig nutzen zu dürfen. Dafür verzichtet die Kita auf die Nutzung des Obergeschosses im Jugendhaus, das auf dem Gelände des Kindergartens liegt. Denn auch der Raum sei keine Alternative für eine Mensa gewesen, sagt die Kita-Leiterin. Während die Eltern die Idee begeisternd aufgenommen haben, sind nicht alle Sether Bürger mit dem Tausch Gemeinderaum gegen Jugendhaus einverstanden. Simon Herda, Detlev Kircher und Elisabeth Menz haben Unterschriften gesammelt: Sie wollen das alles beim Alten bleibt.

Während der Gemeindevertretersitzung am Donnerstagabend stellte Herda den Antrag den Gemeindevertretern und etwa 20 Bürgern vor. Die Antragsteller begründen ihre Sichtweise unter anderem folgendermaßen: Das Jugendhaus sei für größere Veranstaltungen zu klein und nicht barrierefrei. Ein Umzug der Jugendaktivitäten ins Obergeschoss bedeute keine Teilhabe von körperlich behinderten Kindern. Außerdem sei der Gemeinderaum die einzige nicht zweckgebundene Räumlichkeit für Vereine, die kein Vereinsheim haben. Auch hätten die Vereine an der Gestaltung des Raumes mitgewirkt, sodass der eine eigene Geschichte habe.

Bürgermeisterin Maren Storjohann (CDU) betonte, dass Seth eine kinderfreundliche Gemeinde sei und noch weiteres Bauland ausweisen wolle. Eine gut funktionierende und zukunftsfähige Kita sei deshalb Voraussetzung. An- und Neubau seien nicht machbar, nur eine Erweiterung in den Räumen der Alten Schule sei möglich. Nur bis zu fünf Kinder und Jugendliche nutzten derzeit das Jugendhaus, auch die jährlichen Treffen der Vereine seien überschaubar. „Die Diskussion ist fast ein Luxusproblem“, sagte Maren Storjohann. Letztlich wurde der Antrag der Anwohner abgelehnt, der Antrag des DRK mit neun Ja-Stimmen, zwei Nein-Stimmen bei einer Enthaltung angenommen.

„Ich freue mich, der Gemeinderaum wird nun mit Leben gefüllt“, sagte Antje Nöhr. Denn neben der Mensa soll eine Elternecke und eine Bewegungsfläche eingerichtet werden. Auch Ausstellungen von Projekten könnten dann endlich gezeigt werden.

 Silvie Domann

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