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Segeberg Klaus Tannebergs letzter Flug
Lokales Segeberg Klaus Tannebergs letzter Flug
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12:38 19.02.2019
Landrat Anton Graf Schwerin v. Krosigk ließ es sich nicht nehmen, im Cockpit neben Klaus Tanneberg Platz zu nehmen. Quelle: hfr
Wahlstedt

Verantwortung hat Klaus Tanneberg aus Wahlstedt schon immer getragen: Als Pilot, Fluglehrer, Triebwerksmechaniker und Familienvater. Deshalb hatte er sich in den letzten Monaten auch gradlinig damit auseinandergesetzt, wann der beste Zeitpunkt für seinen letzten Flug sei. „Das will ich selber entscheiden, bevor es mir ein Arzt sagt“, so sein Credo. In wenigen Tagen würde sein medizinisches Tauglichkeitszeugnis auslaufen, das jährlich neu erworben werden muss. Also weihte er seine Familie und seine Flugkameraden vom Luftsportverein Kreis Segeberg ein, dass er davor noch einen schönen letzten Flug als allein verantwortlicher Pilot am Steuerknüppel unternehmen wolle. Bei schönem Wetter natürlich und mit einem Gast an Bord, der ihm am Herzen lag.

Letzter Flug bei schönstem Wetter

Am Freitag war es bei Frühlingstemperaturen und einem bauen Himmel über dem Flugplatz Wahlstedt soweit. Der Motorsegler stand mit dem nagelneuen Motor, der in den letzten Wochen noch eingebaut worden war, im strahlenden Sonnenlicht vor der Flugzeughalle, und der ehemalige Landrat Anton Graf Schwerin v. Krosigk ließ es sich nicht nehmen, im Cockpit neben Klaus Tanneberg Platz zu nehmen.

Routiniert hat Tanneberg, der in diesem Jahr 80 Jahre alt wird, vor dem Start den Motor, die Ruder und den gesamten Rumpf gecheckt. Eine Vertrautheit zwischen Mensch und Maschine, wie man sie selten findet. Als 6-Jähriger in Magdeburg lernte er Flugzeuge kennen, aus denen Bomben fielen. Getroffen wurde sein Elternhaus zwar nicht, aber seine Heimatstadt versank in den letzten Kriegsmonaten in Trümmern. Sein Vater wurde aus der Kriegsgefangenschaft nach Nordrhein-Westfalen entlassen und holte ihn und seine Mutter umgehend nach. So wuchs er in der Nähe von Herford auf und wurde von einem Pädagogen auf das Segelfliegen aufmerksam gemacht. Kleine Flugzeuge, aus Stanniolpapier gefaltet, faszinierten ihn. Aber die Familienkasse konnte kein Geld abzweigen. Also wartete Tanneberg, bis er nach Eintritt in die Lehre zum Blechschlosser über eigenes Geld verfügte. 2 Deutsche Mark kostete damals ein Segelflugstart – bei einem Lehrlingsgehalt von 86 DM. Gerechnet hat er dann in „Starts“ – vier Brause für 50 Pfennig oder ein Start? Zumeist blieb er lieber durstig, und stillte im Gegenzug sein Verlangen nach frischer Luft und Thermik auf dem Flugplatz. Der Privatpilotenschein, die Ausbildung zum Fluglehrer und seine eigenen Flugschüler folgten in den späten 50er Jahren. Seine Frau Lilo war übrigens eine seiner damaligen Schülerinnen und verzeiht es ihm bis heute, wenn er lieber auf den Flugplatz flitzt, als den Rasen zu mähen. Die Liebe zueinander und zum Segelfliegen verbindet die beiden.

Anfang der 60er Jahre wanderten Klaus und Lilo Tanneberg nach Kalifornien aus, denn die dortige Luftfahrtbranche expandierte und brauchte technisches Personal. Er erwarb profunde Kenntnisse der englischen Sprache, erwarb diverse Qualifikationen und wurde dann Triebwerksmechaniker bei United Airlines. Dem Segelfliegen blieb er auch in Amerika treu, gleichwohl nicht so intensiv. Seine beiden Kinder wurden in den USA geboren, aber Ende der 60er Jahre ging es zurück nach Deutschland, um in Hamburg für die Lufthansa-Technik zu arbeiten. Ein Haus in Wahlstedt wurde bezogen, aber wann immer es ging, suchte er Kontakt zu seinem ehemaligen Flugverein in Herford. Dann 1977, als der Luftsportverein Kreis Segeberg e. V. gegründet wurde, war er der erste Fluglehrer des neuen Vereins und führte über lange Jahre die theoretische und praktische Schulung durch.

12 000 Starts

Etwa 12 000 Starts hat er bis jetzt in seinen Flugbüchern verzeichnet, lange und ausgedehnte Flüge unternommen und mehr als 200 Flugschüler zu ihrem Privatpilotenschein gebracht. Darunter sind auch sein Sohn Ralf Tanneberg und sein Enkelsohn Jack Robin Busch. Darüber ist er besonders stolz.

Mit einem verschmitzten Lächeln schließt Tanneberg die Cockpithaube, um mit v. Krosigk zum Start zu rollen. Mit einem sonoren Brummen hebt der Motorsegler ab, macht einen Überflug und entschwindet dann im blauen Himmel, um noch mal in Richtung Ostsee und Lübeck zu entschwinden. Gut eine Stunde später schwebt das Flugzeug in Segelfliegermanier mit stehendem Motor zur Landung herein. Butterweich setzt der Flieger auf – perfekt und auf den Punkt genau.

Landrat Anton Graf Schwerin v. Krosigk ließ es sich nicht nehmen, im Cockpit neben Klaus Tanneberg Platz zu nehmen. Quelle: hfr

„Ja, ein wenig Wehmut ist dabei, aber es ist eine gute und lang überlegte Entscheidung“, so die Einschätzung von Tanneberg, als er wieder am Boden ist. Der erste Vorsitzende, Torsten Maass, lässt es sich nicht nehmen, um neben einem Blumenstrauß auch ein kühles Dienstabschlussbier auf einem silbernen Tablett zu servieren. Der Dank der Vereinskameraden ist groß, denn mit seiner ruhigen, ausgleichenden und bescheidenen Art hat Tanneberg den Segelflug in Wahlstedt über Jahrzehnte geprägt. Und der inzwischen über 90 jährige v. Krosigk fügt hinzu: „Segelfliegen ist nach wie vor das schönste Hobby“.

Ab dem 21. Februar wird Tanneberg dann nur noch als Gast mitfliegen. Dann muss er auf dem hinteren Platz im Segelflugzeug sitzen, aber da hat er auch sonst als Fluglehrer viele Jahrzehnte lang gesessen. Manche Dinge ändern sich doch nicht so richtig im Leben.

Karsten Wilkening

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