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Klinikclowns: Gratismedizin für Patienten

Neumünster Klinikclowns: Gratismedizin für Patienten

Dr. med Wurst gehört zu den Kieler Klinikcläunen, die auch im Friedrich- Ebert-Krankenhaus Neumünster spielen.

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Für Jale und ihre Mutter Ramona Breiholz aus Alveslohe hat Dr. med Wurst einen Ballonhasen geknotet. Nun untersucht er ihn.

Quelle: Fotos: Domann

Neumünster. Stachelbeerbeine, rote Clownsnase und ein weißer Kittel — das sind die Kennzeichen von Dr. med Wurst. Er öffnet vorsichtig die Tür zu einem Krankenzimmer auf der Kinder- und Jugendstation des Friedrich-Ebert-Krankenhaus Neumünster und schiebt seinen Kopf hinein. Erste Verwunderung, dann huscht ein Lächeln über das Gesicht der jungen Patienten. „Ich heiße Dr. med Wurst, du darfst mich aber Würstchen nennen“, stellt er sich der kranken Wienke aus Bornhöved vor. Dr. Wurst ist ein Klinikclown. Er begrüßt auch die Stofftiere der Neunjährigen, Giraffi, Robbi und Hasi. Dann beginnt er, die Tiere abzuhören. Beim Stoffhasen scheint das Herz in die Hose gerutscht zu sein. „Ich glaube er hat Angst, ich rufe ihn mal an“, sagt der Clown und fragt Wienke nach der Telefonnummer. Sie denkt sich schnell eine Nummer aus, und schon beginnt Dr. med Wurst zu wählen.

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Für Jale und ihre Mutter Ramona Breiholz aus Alveslohe hat Dr. med Wurst einen Ballonhasen geknotet. Nun untersucht er ihn.

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Wienkes Mutter, Ivonne Schütt-Köhn, ist begeistert: „Uns ist die Kinderstation empfohlen worden. Wienke ist zum zweiten Mal hier, auch damals kam der Clown vorbei.“ Sie erzählt, dass die Clowns eine gute Einrichtung seien und den Krankenhausalltag für die Kinder schöner machten. „Außerdem hat sich Wienke auf den Besuch des Clowns gefreut, und Lachen ist gesund“, sagt sie. Die Stimmung ist gelöst, die Krankheit des Kindes für einen Moment vergessen. Sie darf sich eine Ballonfigur wünschen und lässt sich einen Frosch aus zwei „Buftallons“, — der Clown kann Luftballons nicht aussprechen —, basteln.

„Wir sind normalerweise zu zweit, dann können die Kinder mehr beobachten“, sagt Dr. med Wurst alias Harald Roos. Über 20 Jahre arbeitet der 51-Jährige als Clown. Seit zehn Jahren gibt es die Kieler „Klinikcläune“, er ist von Anfang an dabei. „Unser Name kommt von einem kleinen Patienten. Er hat zwei von uns gesehen und sich für den Plural Cläune entschieden.“ Seit fünf Jahren treten die Klinikcläune auch auf der Kinderstation in Neumünster auf. „Eine Schwester hat damals den Kontakt hergestellt und auch gleich Spendengelder gesammelt“, erläutert Maren von Dollen, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit und Clownsbeauftragte. Zwischenzeitlich habe das Projekt in Neumünster wegen mangelnder Spenden vor dem Aus gestanden, doch mittlerweile gehörten die Clowns fest zum Klinikalltag. „Wir bekommen große und kleine Geldspenden, denn viele möchten ein Lachen verschenken“, sagt Maren von Dollen.

Weiter geht es zum nächsten Patientenzimmer, unterwegs laufen dem Clown zwei Jugendliche über den Weg. Sie wollen an die frische Luft, eine rauchen. „Das ganze Zeugs mit gesundheitsschädlich kennt ihr ja, aber wisst ihr auch, dass Rauchen die Zigarette verkürzt?“ Verblüfft schauen die beiden und grinsen. Ein Mädchen soll entlassen werden, es bettelt bei der Mutter, noch kurz den Clown sehen zu djürfen. Die Mutter erlaubt es, und die Kleine strahlt. Ein Zimmer weiter sitzt Jale mit ihrer Mutter Ramona Breiholz (Alveslohe) auf dem Bett. Schüchtern und ein wenig ängstlich reagiert die Dreieinhalbjährige auf den Clown. Sie nickt oder schüttelt nur mit dem den Kopf. Doch dann beginnt er zu zaubern. Eine Schaumstoffbanane hält Dr. med Wurst in der Hand. Zupft er daran, hält er eine weitere in der Hand. Ungläubig schaut die Kleine auf die vielen Bananen. Zum Schluss gibt es noch eine Spaßuntersuchung. Mit dem Stethoskop horcht der Clown Mama, Findus im Buch, die Stofftiere, Schrank, Stuhl und Koffer ab. Gebannt schaut Jale zu, dann beginnt sie zu lächeln.

„Die Idee der Klinikclowns geht auf den amerikanischen Arzt und Autor Patch Adams zurück. Er entwickelte die Idee Ende der 60er Jahre“, erzählt Harald Roos. Vom Klinikalltag ablenken, für einen Augenblick nicht an die Krankheit zu denken, das tue Kindern und Eltern gut. Die Kleinen litten an Schmerzen, und die Großen seien deswegen besorgt. Das wiederum färbe auf die Stimmung der Kinder ab.

„Sind wir Clowns da, sind Kinder und Eltern fröhlich. Das Gesicht der Eltern hellt sich auf, das spüren auch die Kinder. Für einen Moment sind beide unbeschwert“, bemerkt Roos. Und Maren von Dollen ergänzt, dass die Klinikcläune positive Erinnerungen an den Krankenhausaufenthalt schaffen würden.

2006 war die Premiere — Zwei Kieler halfen bei dem Projekt tatkräftig mit
Die „Klinikcläune“ — so nennen sich die Klinikclowns, die seit Dezember 2003 in der Uniklinik Kiel und seit 2008 auch in Neumünster jede Woche bei den jungen Patienten hereinschauen. Entscheidende Hilfe bei diesem Projekt haben zwei Kieler geleistet: Geschäftsmann Marten Freund und Professor Stephani, der damalige Leiter der Kinderkliniken an der Universitätsklinik. Sie unterstützten den Berufsclown Harald Roos großzügig und tatkräftig bei der Umsetzung seiner gehegten Idee. Am 6. Dezember 2003 feierten die Kieler Klinikclowns auf der Kinder-Krebs-Station des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein Premiere. Bereits im Januar 2004 wurden die Herzstation, die 2. medizinische Station, die Ambulanz sowie die Neuropädiatrie und das Spielzimmer der Kinderklinik in das Besuchsprogramm integriert. 2005 folgte die chirurgische Station. Seit 2008 werden zusätzlich die Intensivstation der Kinderklinik in Neumünster sowie zwei Kinderstationen außerhalb der Kinderklinik (HNO und im Neurozentrum) besucht.
„Sind wir Clowns da, sind Kinder und Eltern fröhlich.“
Harald Roos, Klinikclown

Silvie Domann

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