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Segeberg Kommt das Werner-Rennen vor Gericht?
Lokales Segeberg Kommt das Werner-Rennen vor Gericht?
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21:31 25.07.2018
Das Rennen zwischen Werner-Zeichner Rötger „Brösel“ Feldmann (l.) und Holger „Holgi“ Henze steht im Mittelpunkt des Festivals. Quelle: Foto: Fuchs
Hasenmoor

Rechtsanwältin Andrea Brümmer aus Hamburg hat den Veranstaltern, der Firma ICS aus Wacken (Kreis Steinburg), nach ihren Angaben Frist bis gestern um Mitternacht gesetzt, die weiteren Vorbereitungen für das Großereignis mit bis zu 50000 Gästen zu stoppen und die Musik- und Motorsport- Veranstaltung abzusagen. Andernfalls werde sie heute beim Verwaltungsgericht in Schleswig eine entsprechende einstweilige Verfügung einreichen, teilte sie den LN auf Anfrage mit.

Brümmer zufolge fürchten die Anwohner, dass sich beim Werner- Rennen Zustände wie bei der Erstauflage im Jahr 1988 wiederholen könnten. Damals waren bis zu 200 000 Menschen auf den Hartenholmer Flugplatz gepilgert, was die Ausrichter vollkommen überfordert hatte. Es gab Verkehrschaos bis nach Hamburg, Müllberge wurden hinterlassen, Grundstücke verwüstet, Ziergärten als Toiletten missbraucht. „Es kann nicht sein, dass sich so eine Krawallveranstaltung noch einmal wiederholt“, stellt Brümmer klar. Mit einem „Rennen“ habe das ganze aus ihrer Sicht ohnehin nichts zu tun, es gehe eher um Alkohol und Randale. Vor allem hätten ihre Mandanten Bedenken wegen des Naturschutzes. Die Veranstaltungsfläche befinde sich in unmittelbarer Nähe eines Schutzgebietes. Durch die vielen Menschen, laute Musik und Motorendröhnen könnten Schwarz- und Rotwild verschreckt werden. Und bei der anhaltenden Trockenheit sei auch ein großes Feuer auf den Campingflächen nicht auszuschließen, führt die Juristin die Bedenken aus.

Hasenmoors Bürgermeister Klaus-Wilhelm Schümann (CDU), ausdrücklicher Befürworter des Werner-Rennens, zeigte sich enttäuscht, dass einige Einwohner beschlossen hätten, den juristischen Weg zu beschreiten. „Man hätte so etwas auch im Dialog lösen können“, sagt Schümann. Auf ein Gespräch, an dem die klagenden Anwohner und Vertreter des Veranstalters teilnehmen sollen, habe man sich inzwischen zwar verständigt. Ob dabei noch eine Einigung zustande komme, will der Bürgermeister nicht vorhersagen. Während sich der Großteil der Menschen in der 730-Einwohner-Gemeinde auf das Werner-Rennen freue, handele es sich jetzt um den „harten Kern“ der Kritiker, um die Menschen, die unmittelbar am Veranstaltungsgelände leben. „Die haben vor 30 Jahren Schlimmes erlebt und Angst, dass so etwas wieder passiert“, erklärt Schümann. Das wolle er keineswegs wegdiskutieren, das müsse man ernst nehmen. Er selbst vertraue jedoch dem Veranstalter. „Die haben eindrücklich bewiesen, dass sie die Sache im Griff haben und sich die Geschichte nicht wiederholen wird.“

Christine Loerke, Sprecherin der Veranstaltungsfirma ICS des Wacken-Open-Air-Machers Holger Hübner, gab sich gestern auf Anfrage überrascht. Von einer einstweiligen Verfügung sei nichts bekannt.

Ebenso habe sich die als Bürgervertreterin benannte Anwältin bisher nicht an den Veranstalter gewandt. „Wir hören allerdings, dass sich der Bürgermeister der Gemeinde Hasenmoor mit einer Gruppe von Bewohnern, die sich mit dem geplanten Festival auf dem Flugplatz Hartenholm unwohl fühlen, intensiv austauscht und berät“, räumt Loerke ein. Man arbeite jedoch sehr sorgfältig daran, die Bewohner intensiv über alle Belange zu informieren und auf Beschwerden zu reagieren. Die Planungen für die Veranstaltung vom Verkehr bis zum Umweltschutz liefen im Übrigen eng verzahnt mit sämtlichen zuständigen Behörden ab.

Größtes Motorsport-Event

Das Werner-Rennen auf dem Flugplatz Hartenholm vom 30. August bis zum 2. September soll das größte Motorsport-Festival in Europa werden. Bei verschiedenen Renndisziplinen sollen laut Veranstalter 1200 Teilnehmer starten. Daneben spielen mehr als 80 Bands auf verschiedenen Bühnen, unter anderem „Fury in the Slaughterhouse“, „BAP“ und „Torfrock“. Im Mittelpunkt steht das Rennen zwischen Werner-Erfinder Rötger Feldmann und Holger Henze.

Oliver Vogt

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