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Segeberg Kommt die Ostküstenleitung doch noch an die A 20?
Lokales Segeberg Kommt die Ostküstenleitung doch noch an die A 20?
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19:49 11.08.2018
Die 380-kV-Leitung soll in Schleswig-Holstein von Bad Schwartau bis nach Alveslohe laufen. Quelle: dpa
Henstedt-Ulzburg

„Wir sind jetzt wieder guten Mutes, dass das Stromtrassen-Projekt an die A 20 verlegt werden könnte“, sagt Bürgermeister Bauer. Bislang plante der Netzbetreiber Tennet, die sogenannte Ostküstenleitung, die den Windstrom von Bad Schwartau bis nach Alveslohe schneller durchleiten soll, entlang der bestehenden 110-kV-Stromleitung zu errichten. Das würde ein etwa vier Kilometer langes Teilstück als Erdverkabelung quer durch Henstedt-Ulzburg mit sich bringen und die Pinnauniederung im Ort erheblich beeinträchtigen, fürchten Anwohner und Politiker der Gemeinde, die bereits mit einer Klage gedroht haben.

 

Henstedt-Ulzburg schöpft nach Brief aus Umweltministerium Hoffnung.

Doch nun erreichte die Gemeinde die mögliche Wende aus Kiel. Staatssekretär Tobias Goldschmidt aus dem Umweltministerium teilte dem „sehr geehrten Bürgermeister Bauer“ mit, dass die vom Netzbetreiber Tennet eingereichten Planunterlagen zum Bau der Ostküstenleitung nicht ausreichend seien. Es fehle dabei eine „detailliertere und objektive Betrachtung der A-20-Korridorvariante“, die der Vorhabenträger Tennet nun bis Ende Oktober dieses Jahres „weiter vertiefend ausarbeiten“ solle.

Darüber werde er dann Bürgermeister Bauer persönlich unterrichten, kündigt der Staatssekretär an. Bei einer Verlegung an die A 20 würde die neue Stromtrasse die A 7 bei Bad Bramstedt und nicht mehr in Henstedt-Ulzburg kreuzen.

Schon der ehemalige Bürgermeister und damalige Landtagsabgeordnete Volker Dornquast hatte sich vor einem Jahr gewundert, dass Tennet die A-20-Trasse außen vor ließ. „Diese viel bessere Lösung ist bislang überhaupt nicht untersucht worden“, sagte Dornquast den LN. „Das ist ein Rechtsfehler.“

Vor allem aber hätte der Bau der Stromtrasse an der A-20 den großen Vorteil für Henstedt-Ulzburg, dass das geplante neue Umspannwerk für die 380-KV-Leitungen nicht mehr benötigt würde, glaubt der FDP-Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete Stephan Holowaty, der auch Vorsitzender des Umwelt- und Planungsausschusses der Gemeindevertretung ist. Das würde die letzte freie, 20 Hektar große Fläche für Henstedt-Ulzburg für die zukünftige Entwicklung verbauen. Jegliche Wachstumspläne in der Zukunft wären zunichte gemacht, warnt FDP-Politiker Holowaty. Das dürfe die Gemeinde nicht hinnehmen.

Ohnehin sei es paradox, dass ein Bürgerentscheid erst 2016 ein neues Wohngebiet an der Pinnauniederung verhindert habe. Doch nur aus diesem Grund könnten dort jetzt Erdkabel geplant werden, die Henstedt-Ulzburg durchschnitten und die Bürger erheblich mehr belasteten, als es ein neues Wohngebiet je getan hätte.

Bürgermeister Bauer kann sich in dieser Frage der Unterstützung aller Fraktionen im Gemeinderat sicher sein, deren Parteinamen auf zwei großen Plakaten am Ortsausgang Richtung Alveslohe stehen und fordern: „Stromtrasse an die A 20 – so viel Zeit muss sein.“ Wie „eine Wand“ stehe die Gemeinde im Widerstand gegen die Stromtrasse durch den Ort gemeinsam zusammen, freut sich Bauer über diese in anderen Fragen der Politik eher seltene Einmütigkeit in Henstedt-Ulzburg. Ihrer aller Hoffnung sei es nun, dass der planende Netzbetreiber Tennet und auch die Genehmigungsbehörde zu dem Schluss kommen, dass eine solche Strom-Autobahn dort am wenigsten stören würde, wo ohnehin bald die Autos kreuzungsfrei im hohen Tempo von Ost nach West fahren sollen.

Der Netzbetreiber Tennet sieht das noch anders. „Wir gehen davon aus, dass die bereits öffentlich bekannte Planung der Trassierung noch in diesem Jahr in die Offenlagen gehen wird“, teilt Sprecher Mathias Fischer auf LN-Nachfrage mit. „Sollte sich der Korridor der Ostküstenleitung allerdings verschieben, wird auch der Standort des Umspannwerks in Henstedt-Ulzburg neu betrachtet.“

Burkhard Fuchs

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