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Segeberg Krankenstation mit Aussicht für die Fledermäuse
Lokales Segeberg Krankenstation mit Aussicht für die Fledermäuse
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22:23 17.12.2015
Krankenzimmer mit Ausblick: Bautischler Dieter Buthmann errichtet auf dem Dach des Noctalis eine Voliere für Fledermäuse. Quelle: Fotos: Materne (2), Noctalis

Im Noctalis können sich die Tierpfleger schon ausrechnen, wann die ersten erschöpften oder verletzten Fledermäuse bei ihnen abgegeben werden. Im Frühjahr, wenn die Jungtiere flügge werden. „Dann rufen hier täglich Leute an, weil sie eine Fledermaus gefunden haben“, sagt Noctalis-Geschäftsführer Florian Gloza-Rausch. Viele bringen die Tiere auch vorbei oder legen sie in einer Kiste vor der Eingangstür ab, erzählt er. Dabei hat das Fledermauszentrum auf dem Kalkberg gar keine adäquate Unterbringungsmöglichkeit für die kleinen „Patienten“. Bisher.

Auf dem Dach des Noctalis entsteht derzeit eine Auffangstation für Fledermäuse.

Große Teile der Holzkonstruktion stehen bereits. Die Balken ragen über die Dachkante des blauen Kubus hinaus. Oben ist Bautischler Dieter Buthmann zugange und stabilisiert das Gerüst mit Querstreben.

Knapp 2,5 Meter schmal und neun Meter lang ist das Konstrukt am Dachrand, parallel zur Dachterrasse. Die ersten 3,5 Meter werden später überdacht, erklärt Forschungsleiter Gloza-Rausch. Es ist die eigentliche Krankenstation. Hier soll sich der Tierpfleger um die kranken Fledermäuse kümmern können, hier finden die nächtlichen Jäger Schutz. Der größere Teil des Baus soll nur noch mit einem Drahtzaun verkleidet werden, damit die Tiere hier ihre Flugübungen vollführen können. „Das wird kein Schuppen“, betont Gloza-Rausch. Eher ein Hühnerstall. Der Blick auf den Berg soll möglichst nicht beeinträchtigt werden.

Eine Flugmöglichkeit für die Pflege-Fledermäuse sei wichtig, begründet Gloza-Rausch den Volierenbau. Häufig seien Tiere von Katzen an der Flughaut verletzt worden. „Das muss unter Flugmöglichkeit heilen.“ Auch wolle man verhindern, dass sich die Muskulatur der Tiere bei längerer Pflege zurückbilde. 6500 Euro investiert das Noctalis im Rahmen einer vom Land geförderten Öffentlichkeitskampagne für die Fledermäuse in den Volierenbau. Bis zu 30 Tiere könnten dann zeitgleich in der Auffangstation betreut werden. „Das streben wir aber nicht an“, betont Gloza-Rausch. In der Vergangenheit sei die Pflege kranker und verletzter Tiere durch das Ehrenamt übernommen worden — etwa vom Nabu. „Und das soll auch so bleiben.“ Jedoch sei die Anzahl der gemeldeten und gebrachten Tiere in den vergangenen Jahren stark gestiegen — ein Effekt der Öffentlichkeitsarbeit, glaubt Gloza-Rausch.

Oft sei es den Noctalis-Mitarbeitern aber nicht möglich gewesen, Tiere weiterzuvermitteln. Die Kapazitäten waren erschöpft. „Dann haben die Pfleger oder ich die Tiere mit nach Hause genommen“, erklärt er. „Wenn wir jetzt aber Tiere pflegen, dann richtig.“ Da dafür im Noctalis kein Platz sei, sei die Idee aufgekommen, die bisher kaum genutzte Dachterrasse für ein solches Projekt zu „reaktivieren“. Im Zuge des Volierenbaus wurde der Terrassenboden neu mit Holz ausgelegt. Auch sollen Info-Tafeln aufgestellt werden zur Erläuterung der Auffangstation, so Gloza-Rausch.

Im Frühjahr soll die Station fertig sein. Sie ist mit einem Geländer und einem ein Meter breiten Zwischenraum von der Terrasse getrennt, damit die Tiere möglichst nicht gestört werden. Die Auffangstation solle aber keine Aufforderung sein, alle Fledermäuse ins Noctalis zu bringen, betont Gloza-Rausch. Eine längere Pflege sei nicht immer nötig, manchmal reiche schon etwas Wasser und ein paar Mehlwürmer, damit es einem Tier besser geht. Dies könne oft schon bei einem Telefongespräch geklärt werden.

Hinter den Kulissen
Die Begegnung mit dem Tier ist etwas Besonderes. Jeden ersten Sonntag im Monat können einige Besucher den Tierpfleger im Noctalis begleiten. Infos unter ☎ 0 4551/80
8221.

Nadine Materne

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