Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Segeberg Kreis bietet Flüchtlingen ein „koordiniertes Ankommen“
Lokales Segeberg Kreis bietet Flüchtlingen ein „koordiniertes Ankommen“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:15 14.07.2015
Mit lediglich ein paar Plastikbeuteln und Taschen kommen jeden Dienstag Asylsuchende aus Neumünster und Boostedt ins Kreishaus. Ein Stab von Mitarbeitern, Ehrenamtlichen und Sponsoren gehörte dieses Mal zu den Menschen, die sie in Segeberg willkommen heißen.

Bepackt mit Plastiktüten und blauen Säcken gehen Flüchtlinge durch die ihnen fremde Stadt, einige ziehen einen Rollkoffer hinter sich her, ein kleines Mädchen fährt auf einem Kinderroller. Mitarbeiter der Kreisverwaltung haben die Frauen, Männer und Kinder vom Bahnhof abgeholt und führen sie zum Kreishaus. Eigentlich werden noch Asylsuchende aus Somalia und Eritrea erwartet — sie sollen aus der Erstaufnahmeeinrichtung in Boostedt kommen. Doch sie werden erst eine Stunde später in Bad Segeberg sein.

Jeden Dienstag kommen Flüchtlinge aus den Erstaufnahmeeinrichtungen Boostedt und Neumünster ins Kreishaus, um von dort auf die Kommunen verteilt zu werden. Gestern waren es 30, darunter fünf Kinder und Jugendliche. Fast die Hälfte (14) gehören einer syrischen Großfamilie an und werden in Bornhöved untergebracht, da bereits zehn weitere Familienmitglieder in Trappenkamp, also ganz in der Nähe wohnen. Ward Alhabash, Flüchtlingshelfer aus Trappenkamp, nimmt sie in Empfang und übersetzt. Familie Alshouli — die Eltern Ismael und Maison sowie ihre Kinder Sara und Abd Almalak — sind seit zwei Monaten in Deutschland. Sie hoffen auf „ein gutes Leben und eine gute Wohnung“.

Um den aus Kriegs- und Krisengebieten geflüchteten Menschen ein gutes Ankommen und Weiterleiten zu gewährleisten und Hilfe bei ersten Formalitäten zu geben, hat das „Team Asyl“ ein verbessertes Willkommenskonzept erarbeitet. „Koordiniertes Ankommen“ heißt es und wurde gestern Medienvertretern vorgestellt. Die Verantwortlichen skizzierten den Ablauf vom ersten Schritt in Bad Segeberg bis hin zur Unterkunft. Nach der Begrüßung im Kreishaus werden die Flüchtlinge in kleine Gruppen aufgeteilt und von Ehrenamtlichen oder Dolmetschern begleitet. „Wir decken viele der Sprachen ab. Tigrinisch, eine Sprache, die in Eritrea gesprochen wird, kann aber niemand von uns“, sagt Karin Kühle (Fachdienst Soziale Sicherung). Deshalb habe man einen Mini- Sprachführer in dieser Sprache erstellen lassen.

In kleinen Gruppen gehen die Flüchtlinge dann zu Mitarbeitern der Ausländerbehörde, die sich die Ausweise der Aufenthaltsgestattung zeigen lassen, eine Kopie davon anfertigen und sich die Zuweisungsverfügung unterschreiben lassen. Anschließend teilen ehrenamtliche Helfer die gesponserten Willkommensbeutel aus, in dem sich ein Mini-Sprachführer, Informationsmaterial in der Landessprache und Lebensmittel befinden. „Die Menschen können dann auch einen ersten Happen essen“, sagt Karin Kühle, das sei auch eine Art, willkommen geheißen zu werden. Für Kleinkinder gibt es zudem ein Bilderbuch, und sie können sich Kuscheltiere aussuchen. Ganz wichtig sei auch der Vordruck für das Bundesamt, mit dem die Asylsuchenden die Adressenänderung mitteilen. Zum Abschluss werden die Flüchtlinge per Taxi zu den Ämtern gefahren, in deren Gemeinden sie untergebracht werden, oder aber direkt zur Unterkunft.

„Das gute Ankommen ist durch die Zusammenarbeit ganz vieler Menschen möglich. Wir arbeiten gut abgestimmt mit den Kommunen und Ehrenamtlern zusammen“, sagt Elke Andrasch, Fachdienstleiterin in der Kreisverwaltung. Sicherlich gebe es noch bürokratische Abläufe zu befolgen, doch seien die Wege durch das neue Konzept einfacher geworden.

Im ersten Halbjahr hat der Kreis 650 zugewiesene Personen untergebracht, im gesamten Vorjahr waren es 702. „Erfahrungsgemäß ist das erste Halbjahr immer schwächer“, so Rolf Meenen, Leiter der Ausländerbehörde. Die Zahl von 20000 Flüchtlingen für Schleswig-Holstein werde in diesem Jahr wohl erreicht. Die hohe Anzahl bereite Probleme bei der Unterbringung, Wohnungen im preisgünstigen Segment seien schwierig zu bekommen.

Wünschenswert sei auch ein längerer Aufenthalt in den Erstaufnahmeeinrichtungen, damit Asylsuchende schon erste Deutschkenntnisse erlernen könnten. „Die Kommunikation findet in vielen Bereichen mit Händen und Füßen statt, es zeigt, dass ,koordiniertes Ankommen‘ erforderlich ist“, so Rudolf Beeth, Vorsitzender des Kreissozialausschusses. Auch wenn sich die Unterbringungssituation im Kreis etwas verbessert haben werde, wenn die Gemeinschaftsunterkunft in Schackendorf saniert sei, bedürfe es einer kontinuierlichen Entwicklung dieses Konzepts, sind sich die Verantwortlichen einig.

Weit mehr Flüchtlinge

702 Asylsuchende hat der Kreis Segeberg im vergangenen Jahr untergebracht. Diese Zahl ist in den ersten sechs Monaten dieses Jahres fast schon erreicht: Zu den bisher 650 zugewiesenen Personen kommen elf Kontingentflüchtlinge, 27 Asyl-Folgeantragsteller, zwei hier geborene Babys und eine Person im sogenannten Resettlement-Status (die Umsiedlung eines besonders gefährdeten Flüchtlings in ein sicheres Drittland).
485 Personen von den 650 sind männlich und 165 weiblich, 114 Personen waren unter 18 Jahre alt. sd

Silvie Domann

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Hoffnung auf eine Finanzspritze für den Ausbau der Kronsheider Straße in Wahlstedt ist geplatzt. Das Land hat den Förderantrag der Stadt abgelehnt.

14.07.2015

Die LN verlosen fünf Mal zwei Freikarten für den Freitagabend mit Brass Band, Sopranistin und Tenor. Bis zum 26. Juli neun Auftritte in Kleinkummerfeld.

14.07.2015

Die Gemeindevertretung denkt über eine Bürgerbeteiligung an der Stromproduktion nach.

14.07.2015
Anzeige