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Kreis investiert Millionen in die Kinderbetreuung

Bad Segeberg/Pronstorf Kreis investiert Millionen in die Kinderbetreuung

Der Stundensatz für Tagesmütter im Kreis Segeberg steigt ab 2018. Das ist im Kreistag beschlossen worden. Denn: Es fehlen Betreuungsplätze und die Zahl an Kindern wird steigen. Die Tagespflege gilt als wertvolle Alternative zum Kitaplatz – ist aber wirtschaftlich unattraktiv.

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Job aus Leidenschaft: Birgit Almenröder ist Tagesmutti in Pronstorf, gestern spielten bei ihr Lotta, Lennja und Lina-Lou.

Quelle: Fotos: Irene Burow

Bad Segeberg/Pronstorf. Tagesmütter bekommen derzeit einen Satz von 3,50 Euro pro Stunde und Kind, dieser soll auf 4 Euro angehoben werden. Vorausgesetzt, sie haben sich als anerkannte Tagespflegekraft qualifiziert. Wer ausgebildet ist zur Erzieherin, Sozialpädagogischen Assistentin oder Pädagogin bekommt 4,50 Euro vom Kreis. Und wer Kinder vor 7 Uhr und nach 18 Uhr betreut, bekommt 2 Euro zusätzlich zum Stundensatz. 1,2 Millionen Euro lässt sich der Kreis das jährlich zusätzlich kosten.

LN-Bild

/Pronstorf. Der Stundensatz für Tagesmütter im Kreis Segeberg steigt ab 2018. Das ist im Kreistag beschlossen worden. Denn: Es fehlen Betreuungsplätze und die Zahl an Kindern wird steigen. Die Tagespflege gilt als wertvolle Alternative zum Kitaplatz – ist aber wirtschaftlich unattraktiv.

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Es ist ein leichtes Aufatmen: Denn für die meisten ist es ein hartes Geschäft. „Man ist Erzieherin, Chefin, Verwaltungsbeamtin und Putzpersonal“, bringt es Birgit Almenröder aus Pronstorf auf den Punkt. Seit zehn Jahren ist sie Tagesmutter – aus Überzeugung. Sie habe schon viele Tagesmütter kommen und gehen sehen. „Am Anfang sind alle motiviert. Bis sie nach zwei bis drei Jahren feststellen, was das bedeutet“, erklärt die 45-Jährige. Es sei eine enorme Organisation; die Kinder haben alle unterschiedliche Betreuungszeiten – die Gruppen, bestehend aus maximal fünf Kindern, setzen sich jeden Tag anders zusammen.

Tagesmütter zahlen zudem als Selbstständige in der Regel selbst für Krankenversicherung und Altersvorsorge, und für die eigene Ausbildung. Unattraktiver ist der Job inzwischen durch gestiegene Miet- und Nebenkosten, Fahrt- und allgemeine Lebenshaltungskosten geworden. Seit fast fünf Jahren ist der Satz im Kreis nicht angepasst worden, und liegt landesweit im ganz unteren Bereich. „Meine eigenen drei Kinder haben weniger als manch ein Kind aus einer Hartz-IV-Familie“, sagt Birgit Almenröder.

Auch Stefanie Siegfried ist Tagesmutter und kann von dem Beruf nur leben, weil sie lange Öffnungszeiten anbietet – von 5 bis 18 Uhr. „Wenn man es schafft, das durchgehend zu besetzen, geht es“, sagt die 47-jährige Bad Segebergerin. Aber damit sei ihr Arbeitstag nicht vorbei: „Nachbereitung, Papierkram, Saubermachen, das passiert alles hinterher“, sagt sie. „Es ist nicht nur ein Eben-mal-auf-Kinder-aufpassen und Spazierengehen, wie viele immer glauben.“ Ihre Kollegin, mit der sie zusammenarbeitet, pflichtet ihr bei: „Es ist eine riesengroße Verantwortung“, sagt Saskia Berner. Sie hat im August angefangen, als Tagesmutter zu arbeiten. „Finanziell kommt das aufs Gleiche hinaus, als hätte ich eine halbe Stelle als Hauswirtschafterin.“ Sie ist mit geregelten Arbeitszeiten aber glücklicher. Zum Geldverdienen macht es keine von den dreien – für alle war die Hauptmotivation, bei den eigenen Kindern zu bleiben, aber trotzdem zu arbeiten.

Die Gründe für die Anhebung der Bezahlung liegen beim Kreis auf der Hand: Es gibt nicht genügend Betreuungsplätze, vor allem im Krippenbereich. Der Bedarf ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Zum Stichtag 1. September 2017 fehlten 550 Betreuungsplätze. Bis 2020 müssen die Kommunen mehr als 1300 Plätze schaffen. Das hat eine Bedarfsermittlung von Kreis, Gemeindetag und Städteverband ergeben. Daraus geht auch hervor, dass mit einem weiteren Anstieg der Geburtenraten und Zuzug zu rechnen ist. Der Kreis muss dringend handeln, denn seit 2013 gibt es einen Rechtsanspruch auf Betreuung. Ziel ist es, weitere Tagespflegekräfte zu gewinnen – auch, um Klagen zu verhindern. „Ich bin stolz darauf, dass wir das hinbekommen haben“, sagte Landrat Jan Peter Schröder im Kreistag. „Dass wir immer weniger Kinder haben und die Bevölkerung älter wird – das stimmt nicht. 1300 zusätzliche Krippen- und Kitaplätze brauchen wir. Das zeigt, das Leben hier ist attraktiv, die Menschen ziehen zu uns. Die Gemeinden haben einiges auf den Weg gebracht, wie in der Wohnbebauung.“ Der Kreis wolle das unterstützen.

166 Tagespflegekräfte gibt es kreisweit. 2016 waren es 155, 145 im Jahr 2015 und 168 in 2014. Obwohl die Zahl stabil geblieben ist, ist die Nachfrage gestiegen. Rund 36 Prozent aller Krippenkinder werden in die Betreuung gegeben, es sind jedoch noch mehr Eltern, die das wünschen (43 Prozent).

Testphase für Vertretungen

Gleichzeitig hat der Kreistag den Test eines Vertretungssystems für die Kindertagespflege beschlossen. Das erfolgt im Rahmen eines zweijährigen Modellprojekts für die Region West (Stadt Kaltenkirchen sowie Ämter Kaltenkirchen-Land und Kisdorf). Im „Vertretungsteam 4+1“ kooperieren bis zu fünf Tagesmütter in räumlicher Nähe. Jede hält einen Betreuungsplatz für den Vertretungsfall frei, um ein Kind bei Bedarf aufnehmen zu können. Für diesen Platz gibt es vom Jugendamt eine Pauschale. So soll Verlässlichkeit geschaffen werden.

 Irene Burow

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