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Segeberg Kreishaus platzt aus allen Nähten: Jugendamt zieht aus
Lokales Segeberg Kreishaus platzt aus allen Nähten: Jugendamt zieht aus
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15:40 22.10.2016
Immer mehr Aufgaben, immer mehr Kollegen, immer weniger Platz: Die Kreisverwaltung stöhnt und ächzt unter Platzmangel. Einige Abteilungen wurden bereits ausgegliedert. Demnächst eröffnet der Kreis eine neue „Filiale“ in Bad Segebergs Gewerbegebiet. Quelle: Fotos: Glombik/montage: Schulz

Über 800 Kollegen sind es, und es werden immer mehr. Es knirscht im „Glaspalast“ der Kreisverwaltung. Sie platzt aus allen Nähten. Mitarbeiter sitzen dicht an dicht an ihren Schreibtischen, stören sich gegenseitig. Vertrauliche Gespräche mit Ratsuchenden sind kaum noch möglich. „Wenn da vier Mitarbeiter gleichzeitig telefonieren, können die nicht ruhig arbeiten“, weiß Stefan Ebert, Leiter des kreiseigenen Gebäudemanagements ISE. Mehr Einwohner, mehr Aufgaben, mehr „Fälle“ – in den vergangenen Jahren gab es einen Einstellungsboom, gerade im Sektor Flüchtlinge sowie Jugend und Soziales. Und das Personal muss irgendwo ungestört arbeiten können.

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Im Bad Segeberger Gewerbegebiet Rosenstraße hat der Kreis das Ex-Strabag-Gelände erworben - Bürohaus dort bietet Platz für die Sozialarbeiter der Kreisjugendbehörde.

Der Kreis erwarb an der Rosenstraße 28 für über 1,51 Millionen Euro 11 000 Quadratmeter der Firma Strabag, einer Betonbaufirma, die hier früher Straßenaufbruch recycelte. Im Blick hat der Kreis aber nicht die Industriebrachfläche, sondern vor allem das gut erhaltene, frühere Strabag-Bürogebäude direkt an der Straße. Die Bebauungsplanänderung soll Ende 2016 perfekt sein, dann sollen hier Sozialarbeiter des Jugendamtes einziehen.

Die Ausgliederung von ganzen Abteilungen aus Haus A und B der Kreisverwaltung scheint ein Erfolgsmodell zu sein. In der Burgfeldstraße hat der Kreis ein leerstehendes Bürogebäude direkt gegenüber der städtischen Asylbewerberunterkunft Bienenhof gekauft. Schulamt und ISE sind eingezogen. Er höre „nichts Negatives, alle sind zufrieden“, erklärt der ebenfalls hierhin ausgegliederte Ebert.

Nun bereitet er eine noch größere Filiale der Kreisverwaltung vor. In der Rosenstraße stehen etwa 650 bis 700 Quadratmeter Büronutzfläche zur Verfügung, teilte Kreissprecher Gernot Schramm den LN mit. Es gebe dort Platz für etwa 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Was der Kreis mit dem übrigen Industriegelände vorhabe? Das werde „verwaltungsseitig erarbeitet und abschließend den kreispolitischen Gremien vorgestellt“.

Nach LN-Recherchen ist auch schon klar, wer ins Ex-Strabag-Bürohaus ziehen wird. Im Gespräch war anfangs die Ausländerbehörde, aber man will nicht eng kooperierende Abteilungen, die mit dem Thema Asyl zu tun haben, auseinanderreißen. Nun läuft es auf einen Umzug des Kreisjugendamtes hinaus. Amtsleiter Manfred Stankat bestätigte das gestern auf Nachfrage. Große Teile seiner Behörde, insbesondere die Sozialarbeiter, würden dort bessere räumliche Bedingungen vorfinden, ist Stankat überzeugt. Er sehe mit der Verlegung einen „großen Qualitätsgewinn für die Arbeit, mit Beratungsmöglichkeiten ganzer Familien“. Nur die Leitungskräfte seiner Behörde sollen in der Zentrale der Kreisverwaltung bleiben. Stankat: „Die große Zahl unserer Mitarbeiter arbeitet ohnehin in Außenstellen, nun haben wir auch eine für Bad Segeberg.“ Mit der Stadt wolle er noch über eine Verbesserung der Busverbindungen für Besucher des neuen Jugendamtes sprechen. Das dürfte aber kein Problem sein, ganz in der Nähe ist das Busdepot der Autokraft. Außen vor sei man nicht, eher „mittendrin“.

Noch ein Vorteil: Das neue „Kreishaus“ müsse auch nicht großartig umgebaut werden, so Ebert. Am Haupteingang werde eine behindertengerechte Rampe gebaut, außerdem habe der Maler zu tun. – Bleibt noch die kulinarische Versorgung der Mitarbeiter ohne Kantine. Ganz in der Nähe soll es einen Mittagstisch geben. Und gleich gegenüber wartet „Wurst-Peter“ mit seinem Imbiss auf neue Kundschaft . . .

Über 800 Mitarbeiter

Die Zahl der Kreis-Mitarbeiter steigt und steigt: Im Jahre 2012 arbeiteten noch 693 Mitarbeiter für den Kreis, dazu kamen 53 des Kreis-Gebäudemanagements (ISE). Insgesamt bot der Kreis fast 460 ganze Stellen. 2013 gab es einen großen Stellenzuwachs, gerade im Bereich Jugendhilfe. Ingesamt waren es nun 476, verteilt auf 782 Mitarbeiter.

In diesem Jahr gibt es laut Kreissprecher Gernot Schramm inzwischen 523 Stellen, dazu kommen 52 bei der ISE, insgesamt also 575 Stellen. Der Personalbericht für 2016 liege noch nicht vor.

Es dürften weit über 800 Mitarbeiter sein, die jetzt den Kreis als Arbeitgeber haben.

 Wolfgang Glombik

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