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Segeberg Kreis-SPD zerrissen: Delegierte wählen „Notlösung“
Lokales Segeberg Kreis-SPD zerrissen: Delegierte wählen „Notlösung“
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20:02 29.09.2018
Katrin Fedrowitz hatte eigentlich nicht vor, Kreisvorsitzende der SPD zu werden. Sie sprang ein, als Stefan Weber und Udo Fröhlich ihre Kandidaturen zurückgezogen hatten. Quelle: Petra Dreu
Trappenkamp

Was ist nur los in der Politik? Aus Berlin gibt es immer wieder neue Possen zu vermelden. Das ist weit weg? Mitnichten, denn was der Kreisparteitag der Sozialdemokraten am Sonnabend in Trappenkamp zu bieten hatte, kann es durchaus mit den jüngsten Querelen in den Regierungsparteien aufnehmen. Vor allem die Wahl eines neuen Kreisvorsitzenden hatte es in sich. Die offenbarte die Zerrissenheit der Segeberger Sozialdemokraten.

Kurz und knapp hielt der da noch amtierende Kreisvorsitzende Stefan Weber seinen mündlichen Rechenschaftsbericht. Doch wer sich die Mühe machte, diesen durchzulesen, fand es dort schwarz auf weiß: „Wir haben es nicht geschafft, zu einem effektiv arbeitenden Team zusammenzuwachsen.“ Eigentlich eine Bankrotterklärung, über die man diskutieren müsste. Nicht so bei den Genossen des Kreises Segeberg. Es gab keine Nachfragen und erst recht keine Diskussionen. Stattdessen kandidierte Weber erneut für den Kreisvorsitz.

Bilder vom Kreisparteitag der SPD Segeberg

Dass er mit Udo Fröhlich einen Herausforderer haben würde, war bereits im Vorfeld des Kreisparteitages bekannt. Dass Bad Segebergs Ex-Bürgermeister gerne Klartext redet und kein Blatt vor den Mund nimmt, ebenfalls. Absichtserklärungen wie „die SPD muss sich erneuern“ könne er schon lange nicht mehr hören – wie viele anderen Sozialdemokraten auch.

Auch Stefan Weber warb um einen „Erneuerungsprozess, der sich gewaschen hat“. Sein Ziel: Bis 2019 sollten sich die Sozialdemokraten neu aufstellen. Wie vor wenigen Tagen Angela Merkel um Stimmen für die Wahl des CDU-Fraktionsvorsitzenden Kauder bat, tat es ihr bei der Segeberger SPD Beisitzer Herbert Drywa nach: „Es ist nicht alles optimal gelaufen, die Wahlen haben uns ausgebremst. Aber ich appelliere an euch, Stefan das Vertrauern auszusprechen.“

Dem Appell folgten dann zu wenige Sozialdemokraten. Als die Stimmen ausgezählt waren, stockte einigen Sozialdemokraten der Atem. Weber und Fröhlich hatten beide 42 Stimmen auf sich vereinen können. Laut Satzung wäre ein zweiter Wahlgang erforderlich geworden. Doch Peter Behr aus Norderstedt forderte zunächst eine Sitzungsunterbrechung und die Öffnung der Kandidatenliste für weitere Bewerber.

Nach 15 Minuten, in denen vor der Tür des Bürgersaals heiß diskutiert wurde, zog zuerst Stefan Weber seine Kandidatur zurück. Daraufhin zogen die Norderstedter Genossen Katrin Fedrowitz als Kandidatin aus dem Hut, die seit acht Jahren den Ortsverein Norderstedt führt und kurzzeitig Landtagsabgeordnete war.

Um die Verwirrung komplett zu machen, zog auch Udo Fröhlich seine Kandidatur um das Amt des Kreisvorsitzenden zurück. Ohne eine schallende Ohrfeige zu verteilen, tat er das jedoch nicht: „Katrin Fedrowitz war drei Jahre stellvertretende Kreisvorsitzende. Wie der Kreisvorstand heute aufgestellt ist, das hat sie mitverursacht.“ Den Grund für seinen plötzlichen Rückzug benannte Fröhlich ebenfalls: „Der Apparat will mich nicht, das ist mir in der Sitzungsunterbrechung klar geworden. Hier fehlt die politische Auseinandersetzung. Wenn ich gewählt worden wäre, hätte ich mich wie ein Frosch auf der Milch gefühlt, der so lange strampeln muss, bis er endlich Butter unter den Füßen hat.“

Seine eigene Meinung über den Verlauf des Kreisparteitages hatte Alexander Wagner, der bislang ebenfalls als stellvertretender Kreisvorsitzender mitgearbeitet hat. Er bezeichnete das gesamte Abstimmungsdebakel als „Machenschaft“ und „Inszenierung“, was wiederum Edda Lessing, Fraktionschefin im Kreistag, verärgerte: „Hier von Machenschaft zu reden, ist eine Unterstellung, die ich entschieden zurückweise.“

Petra Dreu

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