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Segeberg Flaths Krippen: Dem Erbe ein Gesicht geben
Lokales Segeberg Flaths Krippen: Dem Erbe ein Gesicht geben
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10:59 29.11.2018
Otto Flath hat mehrere Krippen aus vielen Teilen gefertigt. Zwei davon werden jetzt gezeigt. Quelle: Irene Burow
Bad Segeberg

Selten gezeigte Werke von Otto Flath: Am Freitag, 30. November, werden in der Kunsthalle in Bad Segeberg gefertigte Krippen des Holzbildhauers gezeigt. „Er hat mehrere solcher Werke aus vielen Teilen geschaffen“, sagt Torsten Bohlmann, Vorsitzender des Otto-Flath-Beirats. Zwei davon werden jetzt der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Es wird eine Krippe bestehend aus elf Teilen präsentiert sowie eine eher kompakte Krippe aus Privatbesitz und die große hölzerne Skulptur von Franz von Assisi, der der „Vater“ der Krippen-Kultur sein soll. „Wir hoffen, dass es ein schöner Rahmen wird“, sagt Bohlmann.

Was soll aus dem Flath-Erbe werden? Besucher sind an dem Abend eingeladen und aufgefordert, Anregungen einzubringen. Unterstützer wünschen sich schon lange, dass der Ort für die Kunstszene attraktiver wird, die Kunsthalle-Flath in Segeberg und darüber hinaus mehr an Bedeutung gewinnt. Sie wollen Otto Flath (1906-1987) in die Moderne tragen. „Es wird so wenig gezeigt von ihm“, sagt Susanne Will-Flatau vom Förderverein. 45 Altäre, 3500 Skulpturen sowie Zehntausende Aquarelle und Zeichnungen gehören zu seinem Vermächtnis. Das Besondere: Ein Großteil seiner Werke ist gebündelt in Bad Segeberg verblieben. „Normalerweise sind Kunstwerke bekannter Persönlichkeiten überall auf der Welt verstreut. Für Flath ist das ein Alleinstellungsmerkmal – Kuratoren schauen neidisch auf unsere Stadt“, sagt sie.

Filigrane und pompöse Werke

Seine Arbeiten sind klein bis riesig, aber immer detailreich – von kleinen, verzierten Spiegeln aus Elfenbein bis hin zu pompösen, hölzernen Altären. Zu seinen aufwendigsten Werken zählt „Die Musik“. Es sollte knapp zwei Jahre dauern, von 1956 bis 1958, bis er die Köpfe von sieben bekannten Komponisten in eine fünf Tonnen schwere Platane geschnitzt hatte. Ein historisches Foto in der Kunsthalle erinnert an die Ankunft des gewaltigen Stammes aus Lensahn (Kreis Ostholstein). Zu erkennen ist das Antlitz von Bach, Mozart und Liszt, von Beethoven, Wagner, Schubert und Weber. Umrahmt werden sie von Instrumenten wie Bandoneon und Geige sowie von Sängerinnen und jemandem, der Orgel spielt. Entsprechend der Formen von Baumstämmen mochte Flath säulenartige Darstellungen, hat gern die menschliche Entwicklung oder das Leben über Generationen dargestellt. Verewigt hat er aber auch Personen aus seinem Umfeld, seine Familie und Förderer.

Verhaftet auf die christliche Kultur

„Er war verhaftet auf die christliche Kultur“, sagt Susanne Will-Flatau. „Es war seine größte Antriebsfeder. Er wollte den Menschen Trost zukommen lassen.“ Der gelernte Elfenbeinschnitzer ließ sich aber auch von Philosophie, Sagenwelt und Mythologie inspirieren. „Es ist wenig gezeigt worden von ihm“, betont die Künstlerin. „Es gibt noch so viel, man kann es nie alles zusammen zeigen.“ Doch nur einen Teil aus dem Archiv hervorzuholen und zu beleben, würde Bad Segeberg gut zu Gesicht stehen. „Es ist unglaublich, wie er Körper darstellen konnte.“ Einige Stücke sind im norddeutschen Raum verbreitet, rund 200 in der Kunsthalle zugänglich. Viele aber bleiben verborgen.

Nach dem Manifest in die Kunsthalle

Wer am Freitag, 30. November, nach dem Pomp um das Segeberger Manifest lauschig zur Ruhe kommen möchte, ist von 19 Uhr an herzlich zur Krippenschau mit Glühwein und Musik in die Kunsthalle in der Bismarckallee eingeladen. Über deren Ursprung und die Entwicklung der Krippen-Kultur weltweit wird Dieter Kolschöwsky einen Bildervortrag halten. Doris Kolschöwsky wird mit dem VHS-Akkordeon-Ensemble unter der Leitung von Elisabeth Busse Weihnachtslieder spielen. Besucher können gern mitsingen.

Die Veranstaltung der Flath-Stiftung am Freitag soll, angeregt durch Ehrenamtliche wie Doris Kolschöwsky und Dieter Blau, Lust auf mehr machen. Es sei wichtig, das Erbe neu und unverstellt zu betrachten, meint Will-Flatau. Für Anregungen sind die Förderer und Unterstützer dankbar, gern auch von Jüngeren. Ein Bezug zur Gegenwart, sagen sie, sei nicht schwer herzustellen. Flucht und Vertreibung gehörte zu Flaths Leben. Das könne man bequem in die Moderne führen.

Irene Burow

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