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Kritik am geplanten Teilhabegesetz

Rickling Kritik am geplanten Teilhabegesetz

Mit neuen Rahmenbedingungen gelte Pflege vor Eingliederung, befürchtet Landesverein.

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Sinn für Humor: Mit dem Kopf durch die Wand für ein ungewöhnliches 20er-Jahre-Motiv – das ließen sich Reza Rahimi (l.) und Hussein Assali nicht entgehen. Sie waren von der Veranstaltung sehr angetan.

Rickling. Der Landesverein für Innere Mission ist für die Zukunft gut aufgestellt: Größere Bauvorhaben schreiten voran, mit einer Vielzahl von spezifische Angeboten hat man auf veränderte Situationen reagiert. Zudem genieße man ein gutes Ansehen, das man weiter ausbauen werde, betonten Direktor Andreas Kalkowski und Geschäftsführer Claus von See während der Vorstellung des Jahresberichts am Sonntag. Doch die seit April dieses Jahres vorliegenden Entwürfe der Bundesregierung zum Bundesteilhabegesetz (BthG) und zum Pflegestärkungsgesetz III (PSG III) werden auch beim Landesverein in Rickling mit Sorge betrachtet.

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Mit neuen Rahmenbedingungen gelte Pflege vor Eingliederung, befürchtet Landesverein.

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Landesverein in Zahlen

2600 Mitarbeiter sind beim Landesverein für Innere Mission beschäftigt.

25 Einrichtungen mit differenzierten Angeboten und etlichen Standorten gehören zum Landesverein.

4159 stationäre Plätze stehen zur Verfügung. 9500 ambulante Behandlungen gab es im Jahr allein im Bereich der psychiatrischen Versorgung.

Hierbei ist zum Beispiel geplant, dass Menschen mit Behinderung, die zu Hause leben, vorrangig Leistungen aus der Pflegeversicherung in Anspruch nehmen. Ob und in welchem Maße sie dann noch Eingliederungshilfen bekämen, das sei fraglich. Darum bestehe die Gefahr von Leistungseinschränkungen, Verschlechterungen und dass beispielsweise psychisch kranke Menschen von Teilhabeleistungen ausgeschlossen werden könnten. Es gebe die Sorge, wie auch in anderen Verbänden, dass künftig Pflege vor Eingliederung stehen könnte, kritisierte Pastor Kalkowski. „Da gibt es Vergleichsentwicklungen in anderen Ländern.“ Auch beim Landesverein hofft man also auf Nachbesserung.

Gute Nachrichten gibt es aus dem Bericht zu Neubaumaßnahmen: Der Bau am Projekt für Betreutes Wohnen in Trappenkamp mit einer angegliederten Tagespflege sei im Zeitplan. 40 Pflegeplätze in der Seniorenwohnanlage „Erlenhof“ wurden bereits in Betrieb genommen. Das Gebäude für die Institutsambulanz wurde um nahezu das Doppelte erweitert (im Quartal wurden hier 100 Menschen behandelt). Der Neubau, der das Haus 3 auf dem Gelände des Lindenhofs in Rickling demnächst ersetzen soll, ist so gut wie fertig, kann im Oktober bezogen werden. Das Obergeschoss des barrierefreien Baus bietet 22 Betten und schafft damit mehr als doppelt so viel Platz für die Behandlung von Menschen mit Migrationshintergrund als bisher (zehn Betten). Darüber hinaus sollen im Durchschnitt bis zu 15 weitere Patienten in anderen Abteilungen des Psychiatrischen Krankenhauses von muttersprachlichen Teams mitbehandelt werden. „Es macht einen großen Unterschied, wenn sie die Kultur, die Tradition der Menschen kennen“, so Pastor Kalkowski.

Die Präventionsangebote und die Hilfen für suchtkranke und -gefährdete Menschen hätten sich bewährt. Mit der Adaptionseinrichtung „Start“, eine medizinische Rehabilitation, die sich an einen Entzug anschließt, habe man in Norderstedt „ein sehr anspruchsvolles Projekt gestartet“, so Kalkowski. Das Interesse der Betriebe sei groß, die Zusammenarbeit gut.

Buntes, informatives Miteinander

Lautes, rhythmisches Trommeln mischt sich mit anderer Musik, mit Gelächter und Stimmengewirr: Knapp 10000 Besucher haben am Wochenende das große Jahresfest beim Landesvereins für Innere Mission auf dem Ricklinger Lindenhof mitgefeiert.

Vor über 140 Jahren von ein paar Bürgern und Pastoren in Schleswig-Holstein gegründet, ist der Landesverein eine feste Größe im Angebot für diejenigen, die seelische, therapeutische oder pflegerische Hilfe benötigen. Er ist einer der wichtigen Pfeiler für die Präventionsarbeit. Einmal im Jahr kommen Nachbarn, Mitarbeiter, Angehörige, Bewohner und viele Gäste zusammen. Es geht geht um die Begegnung, um das Miteinander, wenn die diakonische Einrichtung in Rickling zur gemeinsamen Sause einlädt. „Wir kommen seit Jahren , hier ist es so unkommerziell“, schwärmt Besucherin Hannelore Marens. „Ein bisschen gucken, ein bisschen kaufen. Zum Glück spielt das Wetter mit“, sagt Karl-Heinz Erdmann. Dabei dürfte es sich um Schleswig-Holsteins größte alkoholfreie Party handeln. Der Stimmung tut das nicht den geringsten Abbruch – im Gegenteil.

Die Gäste zeigen großes Interesse für das, was von Menschen mit psychischer, körperlicher oder geistiger Einschränkung angeboten wird und wie ihr Alltag aussieht. Man erfährt, wie viel Kreativität, handwerkliches Geschick oder anderes großes Potenzial in so manchem steckt, dem die Gesellschaft mitunter eher weniger zutraut. So wird das Motto „Einander begegnen“ mit Leben gefüllt und nicht nur zur bloßen Worthülse.

Es geht bei der Veranstaltung jedoch auch immer darum zu zeigen, welche Angebote der Landesverein für Innere Mission überhaupt anbietet, wie er sich entwickelt, und somit ist das Jahresfest einmal mehr auch eine gelungene Präsentationsplattform. Einzig die Parksituation im Dorf erfordert starke Nerven. Bis zum Horizont, statt auf dem Großparkplatz des Landesvereins, reihten sich die Wagen der Besucher an der Straße.

Hil Heike Hiltrop

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