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Segeberg Künstler-Aufstand: „Sollen unsere Bilder in die Turnhalle?“
Lokales Segeberg Künstler-Aufstand: „Sollen unsere Bilder in die Turnhalle?“
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20:46 27.09.2017
Susanne Will-Flatau, stellvertretende Vorsitzende des Förderkreises Flath, warnte vor einer Umwidmung der Flath-Villa zum Kindergarten. Quelle: Foto: Wgl
Bad Segeberg

Stadtvertreter Ralf Schaffer (BBS) hätte das Thema am liebsten gleich ganz von der Tagesordnung genommen. In dem Testament des 1987 gestorbenen Bildhauers Otto Flath stehe eindeutig, dass die der Stadt überlassenen Gebäude in der Bismarckstraße 5 nur als öffentliche Kulturstätte genutzt werden dürfen. Das stehe im Gegensatz zu dem Plan, dort eine Kita der Jüdischen Gemeinde einzurichten, sagte er. Doch sein Antrag scheiterte.

Auf den Zuschauerrängen zeigten sich Otto-Flath-Freunde und verschiedene Künstler erbost über die Kita-Pläne (die LN berichteten). Dr. Susanne Will-Flatau, stellvertretende Vorsitzende des Förderkreises Flath, fragte, ob es nicht ratsam sei, vorher die Stiftungsaufsicht zu informieren, ob ein derartiges Vorhaben überhaupt rechtmäßig sei. Ausschussvorsitzender Jens Lichte (SPD) hatte die Information, dass die Landesaufsicht nichts gegen eine derartige Nutzung durch den Kindergarten der Jüdischen Gemeinde habe. „Wir stehen hier aber ganz am Anfang der Beratungen“, beruhigte er die aufgebrachten Zuhörer.

„Unterstützen Sie die hiesige Kunstszene und ihre Kulturstätten oder wollen sie deren Abwicklung?“, fragte Torsten Simonsen vom Flath-Förderkreis. Nichts anderes sei die Einrichtung eines Kindergartens in den jetzigen Ausstellungsräumen der Villa.

Eine andere Zuhörerin fand den Umgang der Stadt „mit unserer Kultur und dem Flath-Erbe herabwürdigend“. „Das können Sie doch gar nicht verantworten“, rief sie den Ausschussmitgliedern zu. Und bekamt dafür Beifall aus dem Plenum. Lichte verwies dagegen auf hohe finanzielle Mittel, die in das Werk von Flath und vor allem in die Sanierung der denkmalgeschützten Villa geflossen seien. Doch die Besucherzahlen für die Flath-Kunstwerke seien nun einmal am Schwinden. Hier müssten sich Kosten und Nutzen in der Waage halten.

Eine Künstlerin verwies auf die hohe Qualität der Villa Flath für Ausstellungen. „Wie wollen Sie diese Räumlichkeiten ersetzen?“ Und wo sollen die bildenden Künstler mit ihren Werken hin: „Sollen wir in der Turnhalle ausstellen oder in der Sparkasse?“, rief sie empört. Inzwischen gab es die Information, dass es einen Antrag vom Flath-Förderkreis geben solle, die Villa selbst als Verein zu mieten.

Darüber waren die Politiker aber nicht informiert worden. Gisela Knütter: „Mit den Mieteinnahmen könnte das Vermögen der Stiftung wieder aufgefüllt werden.“

Doch da steht noch der Antrag der Jüdischen Gemeinde Bad Segeberg, die neben ihrem Kindergarten „Sidonie-Werner-Kinderhaus“ im Jean-Labowsky-Weg eine weitere Kindertageseinrichtung in der Bismarckallee 5 errichten möchten. Grundsätzlich stimmte der Ausschuss diesem Wunsch einstimmig zu, allerdings ohne den Zusatz Bismarckallee. Für dieses heiße Eisen mochten die Politiker denn doch keine Empfehlung geben. Die Künstler und Flath-Freunde verließen sichtlich zufrieden den Bürgersaal. Ihre erste Protestwelle hatte Resonanz gefunden.

Hilfe für MTV und Familien

Schon traditionell hat der Sozial- und Kulturausschuss trotz der prekären finanziellen Situation der Stadt bei der Förderung von Vereinen und Verbänden die Spendierhosen an. In diesem Jahr profitiert von der Empfehlung des Ausschusses möglicherweise auch das Bildungswerk des Kirchenkreises Plön-Segeberg. 4500 Euro Zuschuss sind für 2018 bei der Stadt für die Arbeit mit Familien und Kindern beantragt worden. Die Ausgaben 2016 – es wurden unter andrem 43 Eltern-Kind-Kurse durchgeführt – betrugen 265 656 Euro. Sie wurden durch Mittel des Kirchenkreises, durch Teilnahmegebühren, Landesmittel und Förderung des Kreises finanziert. Doch das reicht nicht. Einstimmig empfahl der städtische Ausschuss, hier mitzuhelfen.

Dem MTV wurde im Jahr 2017 zur Ermäßigung der Gruppennutzungsgebühr im Hallenbad ein Zuschuss in Höhe von 19 300 Euro gewährt. Für das kommende Jahr versucht der Verein über Sponsorensuche noch andere Finanzquellen aufzutun. Entsprechend wird der Wunsch auf Bezuschussung für 2018 auf 13 500 Euro gesenkt. Um vielen Kindern einen bezahlbaren Zugang zur Schwimmausbildung zu ermöglichen, möchte man beim MTV Segeberg ein Spendenschwimmen zu Gunsten der Kinder ermöglichen. Doch bis klar ist, wie viele Spenden zusammenkommen werden, bat der Verein die Politiker für 2018 einer Kürzung des Zuschusses von lediglich 25 Prozent, statt der geplanten 50 Prozent zuzustimmen. Den Politikern war es wichtig, ein Zeichen zu setzen. Einstimmig wurde der Zuschuss empfohlen.

Wolfgang Glombik

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