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Segeberg Kulturelles Zentrum mit einem Karl-May-Bücherschatz
Lokales Segeberg Kulturelles Zentrum mit einem Karl-May-Bücherschatz
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14:32 27.05.2016
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Bad Segeberg

Zurzeit wird kräftig geräumt in der ehemaligen Gaststätte am Kalkberg. Am Mittwoch, 1. Juni, soll es losgehen, von 10 bis 18 Uhr ist Eröffnung bei einem Glas Sekt: Der Name „Berghalle“ soll bleiben, nur die Zielgruppe ist eine andere. Nicht mehr der Thekenbruder, sondern der Literaturinteressierte wird jetzt angesprochen. Die seit März 2012 geschlossene Traditions-Gaststätte an der Oldesloer Straße nahe am Kalkberg wird ein Novum in Bad Segeberg anbieten.

Endlich wieder Leben in der Berghalle am Kalkberg. Ab Juni eröffnet Familie Bartsch hier ein gut sortiertes Antiquariat.

Ein umfangreiches, gut sortiertes Antiquariat mit Schwerpunkt Karl May, Indianerbüchern und Märchenliteratur. Dazu wird ein Lesecafé eingerichtet, in dem jeder gemütlich beim Tässchen Kaffee oder Tee in Büchern schmökern kann. Die Laufkundschaft dafür könnte sich auch aus dem Strom der vielen Tausend Besucher speisen, die den „Schatz im Silbersee“ ansehen und an der Berghalle vorbeigehen. „Da ist der Standort hier ideal“, weiß Ekkehard Bartsch. Der Karl-May-Literatur-Experte betreibt seit Jahren zur Karl-May-Saison in einem Blockhaus am Kalkberg, direkt neben dem Indian Village, quasi als „Karl-May-Gewissen“ der Spiele eine Info-Ausstellung. Die Karl-May-Spiele gehen ja meist sehr frei mit dem Erbe des Schriftstellers um, müssen den Stoff publikumswirksam mit Gags auf die Bühne bringen. Bartsch hingegen gilt als Kenner des Karl-May-Werks, als ein Hüter der reinen Lehre um den renommierten Schriftsteller, als Ansprechpartner für die May-Leseratten. Den Anlaufpunkt möchte er vorerst erhalten.

Der 73-Jährige fühlt sich aber für das neue Antiquariat-Abenteuer an der Oldesloer Straße zu alt. Nun möchte seine Tochter Marion Stolze zusammen mit ihrem Bruder Christian Bartsch in der Berghalle das Haus eröffnen. Helfen wird dabei Mutter Ingelore Bartsch. Ekkehard Bartsch glaubt fest daran, dass sich die Berghalle als Spezial-Antiquariat deutschlandweit für Indianerliteratur etablieren kann. Bücher aus zweiter Hand haben wieder Konjunktur, weiß der Experte. „Ich selbst habe ein Riesen-Bücherlager“, auch hier in der großen Berghalle könne er nur ein Bruchteil zeigen. So hat er Karl-May-Erstausgaben von 1890 – wahre Schätze – oder uralte Lederstrumpf-Werke.

Die Nachfrage sei da. Bartsch: „Viele Besucher der Spiele kommen schon vormittags, die wollen dann wissen, wo sie sich hinsetzen können, wo sie sich vor dem Besuch der Vorstellung bei Indianer-Flair einstimmen können. Da ist so etwas wie hier in der Berghalle ideal.“ Denn hier können auch Familien bei Cola und Brause Karl-May-Bücher lesen, billige Taschenbücher kaufen. Außerhalb der Karl-May-Saison möchte Tochter Marion Stolze „spezielle Themenwochen“ anbieten. Sie selbst ist ausgebildete Märchenerzählerin, möchte hier für Kindergärten und Schulen Erzählstunden, aber auch Workshops und Märchenabende anbieten. Ihr liebstes Märchenbuch heißt „Regenbogenschlange“, ein indianisches Märchen. Das sei richtig „Kopfkino“. Damit nicht genug: Gerade außerhalb der Festival-Saison soll die Berghalle ein Zentrum für Segebergs reichhaltige Lokalgeschichte werden. Hier könnten zum Beispiel im Saal – für bis zu 100 Gäste – Vorträge oder auch Ausstellungen präsentiert werden. Marion Stolze: „Wir haben viele Ideen, die müssen wir auf Machbarkeit prüfen.“

Lange Tradition

Die ersten Fotos von der Berghalle entstanden schon um 1900. Die Berghalle war eine Bauernstelle mit Gastwirtschaft, erzählt Heimatforscher Hans-Werner Baurycza. Das Foto unten zeigt die Berghalle um 1935. Familie Geerdes soll das Lokal schon in den 40er Jahren übernommen haben. Wirt Marko Geerdes sei eine „Bad Segeberger Institution“ gewesen. Später wurde das Lokal von Sohn Gerhard Geerdes übernommen und 2012 geschlossen, als dieser in den Ruhestand ging.

Die Berghalle war Stammlokal für viele Vereine, auch die SPD traf sich hier zu ihren Veranstaltungen bei leckerer Currywurst mit roter Soße. Berühmt sei das Lokal als Ausrichter für Familienfeiern gewesen, das sei „fantastisch“ gewesen, so Baurycza. Er sei froh, dass die Berghalle nicht mehr leersteht und Marion Stolze hier ein Antiquariat eröffnet. Foto:

Kalkbergarchiv

 Wolfgang Glombik

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