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Kulturhilfe aus Trappenkamp für Kinder in der Südsee

Trappenkamp Kulturhilfe aus Trappenkamp für Kinder in der Südsee

Barbara Bull lebte neun Monate auf den Cookinseln im Südpazifik und arbeitete mit Heranwachsenden. In Kürze öffnet ihre Ausstellung im Völkerkundemuseum in Hamburg.

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„Es wurde zu den Themen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gearbeitet.“ Barbara Bull (62)

Trappenkamp. Weißer Sand, Südseehütten, Kokospalmen und Korallenriffe, dazwischen Zeichen des christlichen Glaubens. Wie leben Kinder und Jugendliche der Cookinseln, welche Gedanken und Ängste bewegen sie, was fühlen und wünschen sie sich? Fragen, die die Ausstellung „Kia Orana“ ab dem 3. September im Hamburger Museum für Völkerkunde beantwortet.

„Kia Orana ist eine Begrüßung, es ist Cook Island Maori und bedeutet ,Mögest Du lange leben‘“, erklärt Barbara Bull. Bis zu ihrer Pension 2013 war die Kunsterzieherin und Künstlerin an der Bad Segeberger Gemeinschaftsschule im Schulzentrum tätig. Kurz darauf hat sie ihre Koffer gepackt und ist für neun Monate auf die Cookinseln im Südpazifik geflogen. Doch nicht, um Urlaub zu machen, sondern um mit 450 Kindern und Jugendlichen von vier bis 18 Jahren zu zeichnen und zu malen. Eine Projektarbeit, die vom Auswärtigen Amt, dem Bildungsministerium der Cookinseln und dem Neuseeland Hilfsprogramm (NZAID) unterstützt wurde. „Ich hatte die Idee, mit den Kindern über die Themen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu arbeiten“, erzählt die 62-jährige Trappenkamperin, die 1998/1999 ein Sabbatjahr gemacht hat und dabei die Cookinseln entdeckte. Sie war so fasziniert von Kultur und Menschen, dass sie zehn Jahre später wieder hinflog und noch begeisterter zurückkam. Langsam entstand die Idee, nach der Pensionierung noch etwas Bleibendes zu tun. Kunst, Kinder, fremde Kulturen und ein Ort, an dem sie sich wohlfühlen könne, waren wichtig für sie. Also ein Malprojekt mit Schülern der Cookinseln. Der Umgang mit den Ahnen interessierte sie ebenso wie die Zukunftswünsche der jungen Insulaner.

Ihr Malprojekt hatte Barbara Bull ein Jahr zuvor beim Bildungsministerium der Cookinseln vorgestellt. Dies war angetan, fördere sie doch Projekte, die Kinder und Jugendliche wieder näher an ihre Wurzeln heranbringen. Denn der Bezug zur eigenen Kultur ginge immer mehr verloren, so Barbara Bull. „In der Grundschule lernen Kinder noch beide Sprachen, Cook Island Maori und Englisch. Um bessere Zukunftschancen zu haben, sprechen viele nur noch Englisch“, so Barbara Bull. Gerade einmal 9000 Menschen leben auf den Cookinseln, 80000 der Inselbewohner dagegen in Neuseeland und 30000 in Australien. Eltern arbeiten im Ausland, häufig bleiben die Kinder bei den Großeltern auf der Insel. „Da die Flüge teuer sind, ist ein jährlicher Besuch selten möglich“, sagt die Künstlerin. So haben auch einige der Kinder als Wunsch aufgeschrieben, mal wieder die Eltern sehen zu wollen. Denn die Kinder haben nicht nur ihre Lebens- und Gefühlswelt gemalt, sie haben auch Geschichten dazu geschrieben.

600 Bilder (53 Kilogramm Übergepäck) hat Barbara Bull von den Cookinseln mitgebracht. Aus diesen hat sie 80 Werke ausgewählt, die in den nächsten Wochen im Völkerkundemuseum aufgehängt werden. „Für das Projekt musste ich Interessenten in Deutschland finden, das Völkerkundemuseum hat sofort großes Interesse gezeigt, egal wie die Qualität der Bilder ausfällt“, sagt Bull und fügt hinzu, dass sie die Ausstellung privat finanziere und deshalb Sponsoren suche. Das Museum sei bereit, zweckgebundene Spendenbescheinigungen auszustellen.

Da sich die Künstlerin noch mehr Nachhaltigkeit wünscht, hat sie ein zweisprachiges Buch (Deutsch/Englisch) aus etwa 100 Arbeiten und Geschichten zusammengestellt. Außerdem sind weitere Texte und Fotos über die Inseln enthalten. „Für mich ist das Tolle, dass Ausstellung und Buch einen völlig unverstellten und unzensierten Blick auf die Sichtweise der jungen Leute geben.“ So erhalte man einen ehrlichen Eindruck von den Cookinseln. Die Bilder sind eine Leihgabe der Schüler, also nicht verkäuflich. Sie werden wieder zurückgebracht. Weitere Projekte plant Bull derzeit nicht, jedoch kann sie sich eine Aktion in Trappenkamp mit Flüchtlingen vorstellen.

Die Ausstellung eröffnet am Donnerstag, 3. September, um 18 Uhr im Museum für Völkerkunde Hamburg. Voraussichtlich bis zum 7. Februar werden die Zeichnungen und Bilder der Schüler dort zu sehen sein.

Das Buch „Kia Orana“ mit 144 Seiten kostet 19,95 Euro.

Spenden: Museum für Völkerkunde Hamburg. Stichwort „Ausstellung Kia Orana“; Hamburger Sparkasse, IBAN: DE71 2005 0550 1238 1188 79.

Silvie Domann

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