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Kunst steckt auch in Gully- und in Schacht-Deckeln

Bad Segeberg Kunst steckt auch in Gully- und in Schacht-Deckeln

Im Bad Segeberger Rathaus stellt Christopher Coltzau seine und die Arbeiten von Schülern des Städtischen Gymnasiums aus. Ein Spiel mit dem Alltag und dem Zufall.

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Mit Schülerinnen und Schülern des 11. und 12. Jahrgangs schuf Christopher Coltzau die Streetprint-Arbeiten (im Hintergrund).

Quelle: Kullack

Bad Segeberg. Kunst ist jedem zugänglich und vieles, das gar nicht als Kunst gedacht war, kann dazu verwandelt werden. Das könnte eine Lehre aus „Streetprint“ sein, der aktuellen Ausstellung im Bad Segeberger Rathaus — geschaffen vom freischaffenden Künstler Christopher Coltzau und von Jungen und Mädchen des 11. und 12. Jahrgangs am Städtischen Gymnasium.

Streetprint — das sind im Kern die Abbilder von Gully- und Schachtdeckeln. Gestern Nachmittag, bei der Ausstellungseröffnung im Rathaus, erinnerte sich Coltzau, wie er in seiner neuen Heimat Wahlstedt über einem Gullydeckel thronte, als ein Mann in Jogginghose samt Pitbull auf ihn zutrat: „Was machste denn da?“ „Ich drucke den Gullydeckel ab, ich bin Künstler.“ Antwort des Pitbull-Besitzers: „Das ist doch auch nur ne‘ Zwangsneurose.“ An dieser Neurose nahm dann auch schließlich der Kunstkursus des 11. und 12. Jahrgangs des Städtischen Gymnasiums teil. Mit ihrer Kunsterzieherin Antje Wilkening hatten die Schüler gerade die Kunstrichtungen des Surrealismus und der metaphysischen Malerei („Pittura metafisica“) kennen gelernt und bereits eigene kleinere praktische Arbeiten dazu gefertigt. Auf die Vermittlung des damaligen Segeberger Kulturbeauftragten Heiko Beckmann kam nun Coltzau ins Spiel. Der freischaffende Künstler und Druckgrafiker — bekannt etwa durch den 20 Meter langen „Segeberger Totentanz“ oder das Abdrucken von Betonpfählen der ehemaligen Wahlstedter Munitionsfabrik — verarbeitete mit den Schülern die oberen Abschlüsse der Bad Segeberger Unterwelt und andere Alltagsgegenstände zu Linolschnitten.

Bei der vom Trio Daniel Schierhorn, Paula Niemann und Friederike Dreessen musikalisch begleiteten Vernissage, konnten sich Besucher ein Bild machen, wie viel Kunst im Alltag stecken kann, wenn man sie nur herauszuarbeiten weiß.

Streetprint“ — Die Ausstellung ist noch bis Ende November im zweiten Stock des Bad Segeberger Rathauses zu den üblichen Öffnungs-

zeiten zu sehen.

Lothar Hermann Kullack

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