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Segeberg Kunsthaus für viel kreative Energie
Lokales Segeberg Kunsthaus für viel kreative Energie
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21:31 12.07.2018
Mit dem Bezug des 2,7-Millionen-Gebäudes hat auch die erste Ausstellung im Foyer ihren Platz gefunden. Cissi Joe (32) und ihr Bild ohne Titel. Quelle: Fotos: Hiltrop
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Rickling

Kennen Sie Cissi Joe, Peter Scharmer oder Eve? Sie gehören zur Malergruppe im Psychiatrischen Zentrum, und ihre Werke sind, wie die der anderen Künstler, wahrlich ausdrucksstark. Zu sehen sind sie derzeit im Kunsthaus auf dem Gelände des Landesvereins. Mit den Bildern und den Künstlern hinter den Leinwänden ist das Kunsthaus offiziell und mit viel Lokalprominenz am Donnerstag offiziell seiner Bestimmung übergeben worden. Den Segen erteilte Landesbischof Gerhard Ulrich.

Bereits 2007 hätten die Planungen begonnen, führte Claus von See, Geschäftsführer des Landesvereins, aus. Viele Ideen der künftigen Nutzer seien dabei eingeflossen. Denn im Mittelpunkt stehe nicht das Gebäude, sondern es seien die Menschen. So ist ein lichtdurchfluteter Bau entstanden, dessen Foyer von sechseckigen Raumelementen mit jeweils 30 Quadratmetern umgeben ist. Die teure Unterkellerung für ein Archiv war einer der Wünsche der Künstler und des hier arbeitenden Teams. Auch das Klavier hat einen Platz bekommen – auf Drängen der Männer und Frauen. Der Entwurf stammt noch vom 2009 verstorbenen Architekten Czeslaw Mrozek, der nahezu 40 Jahre freiberuflich für den Landesverein gearbeitet hat.

Klicken Sie hier, um weitere Eindrücke von der Einweihung und der ersten Ausstellung des neuen Kunsthauses in Rickling zu sehen!

Auf 2,7 Millionen Euro belaufen sich die Kosten. Ein Teil, 135000 Euro, ist aus Spenden finanziert. Von See: „Wir sind froh, über die Jahre Freunde gewonnen zu haben.“ Den großen Batzen der Kosten trägt der Landesverein, auch über Kredite. „Es ist ein Projekt des Psychiatrischen Zentrums. Öffentliche Mittel gab es keine.“

Noch wirkt alles sehr steril. Weiße Wände, zweckmäßiger, pflegeleichter Boden. Aber die bunten Farbspritzer und mit ihnen das Leben werden kommen. Nach und nach wird das Maleratelier umziehen, werden Ergo- und Kunsttherapie hier untergebracht. Eine Bündelung von positiver, kreativer Energie, umschreibt es Nikolas Kahlke, Leitender Chefarzt des Psychiatrischen Zentrums.

Mehr als 2000 Menschen aus dem stationären Bereich und noch einmal so viele aus dem ambulanten Bereich werden künftig jedes Jahr den Bereich durchlaufen. Aber das Kunsthaus ist im offenen Atelier auch therapiefreier Raum. Patienten und Bewohner bekommen hier die Möglichkeit, ihren Gefühlen gestalterisch Ausdruck zu verleihen. So fänden sie zu mehr Selbstwertgefühl – eingeschlafene Kreativität werde wieder geweckt, Talente entdeckt, ist sich auch der frühere Leiter Hans-Joachim Schwarz sicher: „Kunst kann helfen, wieder leben zu lernen.“

Künstlerin Cissi Joe gibt ihm Recht: „Malen, das ist Ruhe finden, abschalten. Und es ist der Transport meiner Gefühle auf die Leinwand, um mehr atmen zu können, frei zu sein.“

Kunst taugt zudem bestens, um Hemmschwellen abzubauen, denn nach wie vor, sagt Claus von See, seien psychische Erkrankungen in der Gesellschaft längst nicht so vom Stigma befreit, wie man es sich wünschen würde. Darum werde es künftig mehr Gelegenheit für den Austausch auch mit anderen Künstlern geben – und es sei geplant, eine Art Kunstverleih anzubieten.

Von Heike Hiltrop

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