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Kupfer gegen Elektrosmog

Bad Segeberg Kupfer gegen Elektrosmog

Luftnot, Schlafstörungen – Familie Otto hat Funkturm in Verdacht und schirmt ihr Haus ab.

Bad Segeberg. . Als Familie Otto nach Bad Segeberg zog, störte sie der knapp 600 Meter Luftlinie entfernte Funkturm an der B 206 nicht sonderlich. Für den Umbau ihres neuen Hauses hatte Ilka Otto als Baubiologin auf ökologische Baumaterialien geachtet, auf Farben ohne Schadstoffe. „Wir hatten in der Wohnung davor in Kiel Allergien entwickelt“, sagt sie. Trotzdem wurde die Familie krank: „Bei mir fing es mit einem Kribbeln in den Fingern an“, sagt Ilka Otto. Dann kamen Schlafstörungen dazu. „Mein Mann bekam Luftnot.“ Von Elektrosensibilität hatte Otto bis dahin zwar schon gehört, aber nicht viel drauf gegeben. Bis sie anfing, die Hochfrequenzstrahlung im Haus zu messen: „Das waren saftige Werte.“ Nun hat die Familie das Hausdach Richtung Funkturm mit Kupfer abschirmen lassen.

Das feine Kupfergewebe ist unter den Dachpfannen lückenlos verarbeitet, entwickelt von Baubiologe Wolfgang Kessel, der sich seit über 20 Jahren mit dem Thema beschäftigt. „In den 90er Jahren kam das Thema Elektrosmog auf, da fing das an mit den Handys und Schnurlostelefonen“, erinnert er sich. Zahlreiche Bürgerinitiativen bildeten sich, die die Strahlung für gefährlich hielten. Damals vielfach belächelt, sei man heute sicher, dass Hochfrequenzstrahlung biologische Wirkungen hat. „Das heißt aber nicht, dass die Strahlung zwingend krank macht“, betont Kessel. Manche Menschen reagierten empfindlicher auf Elektrosmog. Bei anderen dauere es Jahre, bis sich Symptome herausbilden – etwa Kopfschmerzen. Und oft brächten Betroffene dies dann nicht unbedingt mit dem Router im Schlafzimmer oder dem Funkturm um die Ecke in Zusammenhang.

Ilka Otto ist inzwischen überzeugt davon, dass der Funkturm verantwortlich ist für ihre Schlaflosigkeit und die Luftnot bei ihrem Mann. Denn seit das Dach abgeschirmt sei, könne sie besser schlafen.

Dass die Strahlung im Haus stark abgenommen hat, ist messbar. Wolfgang Kessel ist aus Bargteheide zur Nachkontrolle nach Bad Segeberg gekommen. Mit einer Antenne misst er die Strahlung und ihre Intensität – allein im ehemaligen D-Netz (um 900 Megahertz) kann er auf dem Messgerät mehr als 20 „Peaks“ feststellen – jeder steht für einen Sendekanal.

Kessel deutet auf die Skala auf dem Bildschirm, die die Pegelleistung anzeigt. „-50 Dezibel Milliwatt (dBm) entspricht einer Leistung von unter einem Mikrowatt pro Quadratmeter“, erklärt der Umweltanalytiker. „Das wäre unbedenklich.“ Die höchsten Peaks aber schlagen bis -30 dBm aus, lägen also mit Faktor 100 höher, so Kessel. Schon ab 30 Mikrowatt aber fingen Zellen an zu reagieren.

Bei der gleichen Messung im Schlafzimmer unter dem abgeschirmten Dach schlagen die Peaks nur noch bis -60 dBm aus. „Das ist über 1000 Mal geringer als bei der ersten Messung.“ Das Kupfergewebe reflektiere die Hochfrequenzstrahlung und absorbiere sie, erklärt Kessel, der das Material seit 2001 in die ganze Welt vertreibt. Familie Otto sei kein Einzelfall im Bemühen um eine Abschirmung des Hauses gegen Hochfrequenzstrahlung.

Er wolle keine Angst machen, versichert Kessel. Doch er wirbt für einen sensibleren Umgang mit Hochfrequenzstrahlung – die nicht nur von Funktürmen ausgeht. Ein Handy verursache Strahlung mit einer Intensität von über 10000 Mikrowatt in unmittelbarer Nähe. Insbesondere bei der Verwendung von mobilen Daten rufe das Mobiltelefon über die Apps quasi dauernd neue Informationen ab und gibt dabei Strahlung ab, erklärt Kessel. „Das ist wie ein Dauertelefonat. Und dann liegt das Handy nachts womöglich unterm Kissen.“ Er empfiehlt dagegen, das Telefon öfter in den Flugmodus zu schalten. Es helfe auch schon, das Handy ins Nebenzimmer zu legen: „In einem Meter Abstand beträgt die Handystrahlung nur noch ein Viertel“, verdeutlicht Kessel. Er selbst trägt sein Mobilgerät in einer zum Körper hin abgeschirmten Hülle.

Eine unterschätzte Strahlenquelle seien auch WLan Router, die häufig unnötig stark strahlten, betont Kessel. Auch hier gebe es Möglichkeiten der Abschirmung – ohne die Internetleistung zu schmälern.

Am einfachsten sei es aber auch hier, die Geräte nachts einfach auszuschalten.

Das hat Familie Otto längst getan. Mit den ersten Ergebnissen der Dachabschirmung ist Ilka Otto zufrieden, nachdem eigene Versuche mit spezieller Farbe nicht den gewünschten Erfolg brachten. Nun will Ilka Otto beobachten, wie sich die Maßnahme weiterhin auswirkt. „Oder ob wir das ganze Haus abschirmen müssen.“

Nadine Materne

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