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Segeberg Kupferkabel gestohlen: Angeklagte waren nur Helfer
Lokales Segeberg Kupferkabel gestohlen: Angeklagte waren nur Helfer
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21:56 01.06.2016

„So ein wohlerzogener junger Mann“: Rechtsanwalt Volker Sprick kam aus dem Lobgesang auf seinen eigenen Mandanten gar nicht mehr heraus. Erst am Tag vor der Verhandlung hatte man ihn zum Pflichtverteidiger bestellt, weil das Gericht gar nicht damit gerechnet hatte, dass Illie F. (alle abgekürzten Namen von der Redaktion geändert) aus Rumänien überhaupt zur Verhandlung erscheinen würde. Das tat er aber: „Das muss ich, ich bin doch vorgeladen worden.“

„Meine Frau hat schon gedroht, mich zu verlassen, wenn ich nicht bald nach Rumänien zurückkehre.“ Dumitru G., Angeklagter

Der Tatvorwurf: Ein Quintett von fünf rumänischen Staatsbürgern hatte im Februar 2014 aus dem Hoch-Lagerhaus an der B 206 in Nähe der Bad Segeberger Feuerwache mehrere Meter Kupferkabel gestohlen und dabei einen Schaden von 8000 bis 10000 Euro angerichtet. Doch Illie F. wurde am Ende ebenso nur wegen Beihilfe zum Einbruchsdiebstahl verurteilt wie Dumitru G. (34), und letzterer stellte da schon ein ganz anderes Kaliber dar: Er wurde in Handschellen vorgeführt. Er sitzt in Untersuchungshaft, weil er sich nächsten Mittwoch vor dem Landgericht Lübeck wegen Raubes in Tateinheit mit Körperverletzung zu verantworten hat. Seit 2009 ist er in Deutschland immer wieder missliebig aufgefallen, hat schon wegen Diebstahls in 17 Fällen ein Jahr und zwei Monate und ein anderes Mal ein Jahr, fünf Monate wegen Raubes gesessen.

Doch auch ihm glaubte das Gericht, dass er die gestohlenen Kabel nur zum Wagen transportiert habe und nicht selbst im Lagerhaus gewesen sei. Dumitru G. kam mit einem halben Jahr Haft zur Bewährung davon – genau wie von Staatsanwältin Ina Nentwig beantragt. Verteidigerin Patricia Ott hatte zudem darauf verwiesen, dass Dumitru seine Frau und die Kinder (16 und 11) seit über zwei Jahren, dem Zeitpunkt seiner Festnahme, nicht mehr gesehen habe.

Ob aber das Landgericht nächste Woche so viel Milde walten lassen wird wie gestern in Bad Segeberg muss G. jetzt abwarten. Gestern stellte die Staatsanwaltschaft sogar noch ein zweites Verfahren gegen Dumitru G. ein, der in einem Henstedt-Ulzburger Keller eingebrochen sein soll, um dort zwei Pumpen, ein Warmluft-Heizsystem und andere Handwerksutensilien im Gesamtwert von 7100 Euro gestohlen zu haben.

Was den Bad Segeberger Kupferdiebstahl angeht, glaubte das Schöffengericht Dumitru G. jedenfalls die Helferrolle und dem tapfer zur Verhandlung erschienenen Illie F. ohnehin. Der soll nur den Wagen gefahren haben und habe nicht gewusst, dass es damit auf Diebestour ging. Seine Quittung: Eine Verwarnung mit Strafandrohung von 450 Euro, falls etwas während der Bewährungszeit passiert.

Bisher ist Illie F. nicht vorbestraft, jedenfalls nicht in Deutschland.

Festgenommen wurde das Quintett im Februar 2014, als Illie den gerade in Hamburg gekauften Chrysler mitten auf der B 206 wendete. Als die Beamten im Heck drei Männer auf Kabeln und Werkzeug hockend erblickten, war ihnen schon einiges klar.

 Lothar Hermann Kullack

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