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Segeberg Lärmschutz am Südstadtpark: Ein toller Spielort wird zur Qual
Lokales Segeberg Lärmschutz am Südstadtpark: Ein toller Spielort wird zur Qual
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22:39 11.07.2018
Gefangen im Dauerlärm: Anlieger Peter Doroszenko ist für eine Lärmschutzwand, verbunden mit weiteren lärmdämmenden Maßnahmen. Quelle: Wolfgang Glombik
Bad Segeberg

Die ersehnte Empfehlung des Südstadtbeirats dazu gab es am Dienstag zwar noch nicht, offene Fragen zum Thema sollen jetzt in einer gemeinsamen Sitzung von Beirat und Bauausschuss mit dem Lärmgutachter geklärt werden. Wie die LN bereits berichteten, steht eine vier Meter hohe Lärmschutzwand zur Debatte, die an drei Seiten des Multifunktionsfeldes den Lärm für die Nachbarn minimieren soll. Es gibt aber die Einschränkung des Gutachters, der ausgerechnet hat, dass trotz des schallschluckenden Ungetüms im Park die Lärmrichtwerte in den Ruhezeiten werktags von 20 bis 22 Uhr und sonntagnachmittags während der Nutzungszeit für die Anlage nicht eingehalten werden können. Das lässt Bad Segebergs Stadtplanerin Ute Held Leal nicht gerade ruhig schlafen, denn Anlieger könnten später trotz einer teuren Wand auf dem Gerichtsweg versuchen, das Spielen von Heranwachsenden dort zu unterbinden.

Anette Quast von der zuständigen Entwicklungsgesellschaft „Tollerort“ für das Projekt Soziale Stadt stellte als Alternative vor, den Multifunktionsplatz nur noch für Kinder (bis 14 Jahre) offenzuhalten. Dann blieben aber Jugendliche ausgesperrt. Auch der Gedanke, das Spielfeld auf eine andere Seite des Parkgeländes zu verlagern, wurde im gutbesuchten Südstadtbeirat gar nicht erst vertieft.

Kurzum: Das ist zwar ein „toller Ort“ für Jugendliche und Kinder, aber ein „schrecklicher Ort“ für die Anlieger. „Sie können sich nicht vorstellen, was wir ertragen müssen“, sagt eine ältere Anwohnerin. Und Nachbarin Gabriele Abel, sie wohnt etwa zwölf Meter vom Multifunktionsplatz entfernt, beteuert: „Wir haben nacheinander sieben Sonntage erlebt, an denen es von 12 Uhr mittags bis in die Nachtstunden hoch her ging.“ Es sei so laut geworden, dass „wir uns alle zu Ausflügen verkrümelt haben“. Auch Peter Doroszenko stellt klar, dass der Aufprall der Bälle auf die Ballfangbretter, das Prellen der Bälle, die harten Schüsse an die scheppernden Ballfanggitter, das laute Rufen beim Spielen den letzten Nerv raube, wenn es zur Dauerbelastung werde. Auch wenn er es selbst gut finde, dass Kinder sich bewegen und der Platz so gut angenommen werde. „Aber Fußball ohne lautes Rufen, ohne Lärm geht nicht. Wir haben hier eine multiple Beschallung.“ Im Vergleich zu früher, als es dort nur einen Basketballplatz gab, sei der Lärmpegel um ein Vielfaches höher.

Eine Lärmschutzwand wäre über das Ministerium förderfähig, erklärte Ute Heldt Leal. Doch genau so eine Lärmschutzwand ist für Beiratsmitglied Ulrike Schaffer eine schlimme Vorstellung.

„Es gibt sicher andere technische Möglichkeiten – wie gummierte Prallwände, Fußball-Netze am Spielfeldrand oder gummierte Gitter, bevor man da so eine dämliche Wand hinsetzt. So knastet man diesen Platz ein, ohne über Alternativen nachzudenken“, warf sie unter dem Protest der Anlieger ein. Die möchten eine möglichst hohe Lärmschutzwand, und zwar zügig. Doch das braucht Zeit, denn vorher muss die Politik entscheiden und ein Fachplaner Vorschläge für die Vier-Meter-Wand entwickeln. Auch eine Baugenehmigung sei notwendig, stellte Heldt Leal klar. Victor Kuhrt vom Kinder- und Jugendbeirat spielt selbst gerne auf den Platz Basketball, wenn es dort nicht gerade lautstarke Streitigkeiten gebe, ob die Fußballer Vorrang haben oder die Korbballfreunde. Noch eine Lärmquelle mehr also.

Damit nicht genug: Die Stadt hat als „Sofortmaßnahme“ mehrere große Schilder mit der Bitte um Rücksicht auf die Anwohner an den Außengittern des Bolzplatzes angebracht. Gut gemeint, aber mit gegenteiligem Effekt: Anlieger Peter Doroszenko demonstriert das mit einem Ball, den er sich bei den Kindern ausleiht. Tatsächlich: Knallt der Fußball genau auf die Schilder, scheppert’s noch mehr.

„Warum hat man hinters Blech nicht schalldämmende Matten geschraubt“, fragt er. Aber guter Wille zähle ja auch.

Von Wolfgang Glombik

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