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Segeberg Ja zur Lärmschutzwand am Südstadtpark
Lokales Segeberg Ja zur Lärmschutzwand am Südstadtpark
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20:06 26.09.2018
Klare Mehrheit für eine Lärmschutzwand: Der Südstadtbeirat tagte in der Versöhnerkirche. Quelle: GLOMBIK
Bad Segeberg

Versöhnen statt spalten: Es sieht ganz so aus, als wurde am Dienstag in der Versöhnerkirche ein großer Streitpunkt in der Bad Segeberger Südstadt behoben. Der neu gestaltete Südstadtpark soll nachträglich eine vier Meter hohe Lärmschutzwand bekommen, die an drei Seiten des neuen Multifunktionsfeldes den Lärm für die Nachbarn minimieren soll. Das empfahl mit großer Mehrheit bei nur zwei Gegenstimmen der Südstadtbeirat. Mit dem Thema müssen sich nun die Stadtpolitiker befassen. In der Kirche war es so kühl, dass es gar nicht erst zu erhitzten Debatten kam.

Der kombinierte Sportplatz im Südstadtpark wird eifrig von Kindern und Jugendlichen genutzt. Quelle: GLOMBIK

Der „Knackpunkt“ sei letztlich die intensive Nutzung des Platzes und die Geräusche von den Nutzern vor Ort, erklärte Lärmgutachter Mirco Bachmeier. Die Lärmbelästigung sei so stark, dass sie nur mit „einer handfesten Maßnahme“, sprich einer Lärmschutzwand behoben werden könne. Diese sei alternativlos, weil sie in ihrer lärmmindernden Wirkung so durchschlagend sei. Alle anderen von Bürgern vorgebrachten Vorschläge wie gummierte Prallwände an den Seiten des Spielfeldes, Fußball-Netze oder gummierte Gitter würden nichts bringen. Die Dezibel blieben zu hoch.

Die Sprecherin der Anwohner-Initiative, Gabriele Abel – sie selbst wohnt zwölf Meter von dem kombinierten Basketball-Platz/Bolzplatz entfernt – beschwerte sich, dass die Anwohner nun schon seit zwei Jahren die Zustände ertragen müssten. „Wir möchten, dass zeitnah für Abhilfe gesorgt wird. Es gibt Tage, da ist das so unerträglich laut, dass wir uns auf das Fahrrad setzen und abhauen. Dieser Lärm macht uns krank, die Emissionswerte sind deutlich zu hoch.“

Verbot für Ältere nicht die Lösung

Die Anlieger aus dem Klaus-Groth-Weg beschweren sich schon seit Juli 2017 über die Lärmentwicklung im Südstadtpark. Die Anlage war im Rahmen des Projektes „Soziale Stadt“ für eine halbe Million Euro zu einer sehr attraktiven Grünanlage mit Spielgeräten umgestaltet worden.

Die Attraktion, der neue Multifunktionsplatz, wurde zum großen Anziehungspunkt nicht nur für Kinder, sondern auch für lautstarke junge Erwachsene. Der große Erfolg der neuen Anlage wurde zum Problem der Bewohner, meist ältere Menschen in der Umgebung. Die wünschen sich eine Lärmschutzwand. Eine Möglichkeit sei es, den Platz zur Nutzung nur für Kinder bis 14 Jahren freizugeben. Kinderlärm wird nicht als Lärmbelästigung eingestuft, ist von Anliegern laut Gesetz zu ertragen. Einen Spielplatz entsprechend mit Schildern zu kennzeichnen, ginge hier einfach. Nur bleibt das Problem, ein derartiges Verbot gegenüber Älteren durchzusetzen. Auch gibt es in Bad Segeberg für Jugendliche und Heranwachsende ansonsten kaum Aktionsflächen.

Mauer-Skeptiker Detlef Dreessen empfahl, vor einem Bau der Mauer mithilfe eines Gerüsts den Eindruck zu vermitteln, „wie das später aussehen wird“. Das bringe wohl nichts, meinte der Gutachter. So „ganz ohne“ sei eine Vier-Meter-Mauer optisch nicht, sie umschließe die Spielfläche auf drei Seiten. Und trotz des schallschluckenden Ungetüms werde man die Lärmrichtwerte zu den Ruhezeiten, zum Beispiel abends von 20 bis 22 Uhr oder sonntags von 13 bis 15 Uhr, nicht einhalten können. Das wären fünf bis sechs Dezibel zu viel. Die Schallwerte werden heutzutage übrigens nicht vor Ort gemessen, sondern rechnerisch am Computer simuliert. Berechnungsgrundlage sei ein Bolzplatz, auf dem mit mehreren schreienden Personen lautstark Fußball gespielt wird.

Anlieger Peter Doroszenko ist es viel zu laut, wenn der Platz genutzt wird. Quelle: GLOMBIK

Luzian Roth (CDU) hakte nach, ob der Gutachter diesen Standort für den Bolzplatz der Stadt empfohlen habe. Klares Nein. Er hätte der Stadt geraten, den Platz weiter weg von der Wohnbebauung zu bauen, bekannte Mirco Bachmeier. Aber auch dann wäre vielleicht eine Wand nötig gewesen. Es werde häufig versäumt, die zu erwartende Lärmentwicklung vorher zu ermitteln. Der Gutachter machte den Segebergern die Rechtslage klar: „Wenn die Lärmschutzmauer nicht kommt, können Sie den Platz abbauen, weil er dann nicht rechtskonform ist.“ Eine Verlegung des kompletten Spielplatzes würde 60 000 bis 70 000 Euro kosten. Der Bau einer Mauer belaste das Stadtsäckel mit bis zu 50 000 Euro. „Ihr Bau ist leider nicht förderfähig“, berichtete Bauamtsleiterin Antje Langethal.

Den lärmgeplagten Anwohnern scheint indes nach zwei extrem lauten Sommern alles egal zu sein. Die Mauer wird kein schöner Blickfang sein, wenn sie aus ihren Häusern kommen. Und es wird befürchtet, dass sich hinter der Mauer Müll sammelt, gar Dealer im Sichtschutz der Anlage ihre Geschäfte machen – nur nicht mehr diesen Lärm!

Wolfgang Glombik

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