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Segeberg Land unter bei Karl May: Als Manitu den Silbersee flutete
Lokales Segeberg Land unter bei Karl May: Als Manitu den Silbersee flutete
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22:06 27.06.2016
Innenminister Stefan Studt war mit Sohn Birger (15), Tochter Janneke (18) und ihrem Freund Thorben (18, v.l.) zur Karl-May-Premiere gekommen.

Das Beste daraus machen und sich die Laune nicht verderben lassen, hatte Ute Thienel, Geschäftsführerin der Kalkberg GmbH, in ihren Begrüßungsworten zur Premiere von „Der Schatz im Silbersee“ gesagt und damit auf das graue Wetter abgezielt. Dass trotz der Regenwolken so viele Besucher gekommen seien, sei schön, zumal dieses Jahr die 65. Spielzeit laufe. Da ahnte sie allerdings noch nicht, dass die Premiere später wegen der sintflutartigen Regengüsse abgebrochen werden musste. Auch eine Premiere.

In 65 Jahren musste am Sonnabend zum ersten Mal wegen starken Regens eine Premiere abgebrochen werden.

„Wir sind weit davon entfernt in Rente zu gehen, freuen wir uns doch jedes Jahr über einen großen Zuspruch“, hatte Thienel zuvor gesagt. Und auch Bürgermeister Dieter Schönfeld dankte den Besuchern für die unerschütterliche Treue. Viele der Gäste aus Politik und Wirtschaft hätten unpopuläre Entscheidung zu vertreten, da hoffe jeder auf einen Schatz im Silbersee. Bad Segeberg brauche ihn nicht mehr. „Die Karl-May-Spiele und die Fangemeinde sind unser Schatz“, so Schönfeld. Und erklärte, dass man die 65. Spiele zum Anlass genommen habe, wieder einmal einen Ehrenhäuptling auszuzeichnen. „Die Karl-May-Spiele verneigen sich vor einem Freund“, so Schönfeld und meinte damit Gojko Mitic. Er erhielt den Namen: „Der mit dem Herzen spricht“. Gerührt kam der langjährige Winnetou auf die Bühne und bedankte sich. „Ich freue mich, dass ich wieder bei meinen Freunden bin“, so der Ehrenhäuptling.

Aus einem Himmel von Wolken kann sich schnell ein heftiger Sturm entwickeln, hatte Winnetou prophezeit und so die Lacher auf seiner Seite. Nur kurze Zeit später verwandelte sich die Kalkberg-Arena in den Silbersee . . . Dabei hatte der Wettergott die ersten 50 Minuten mitgespielt. Als dann der Regen kam, nahmen Zuschauer und Akteure das noch gelassen hin. Wer konnte, packte seinen Plastikponcho aus, streifte die Regenhose über – und weiter ging es im Programm. Doch kurz vor der Pause regnete es immer mehr und immer heftiger. Erste Besucher, die sich auf die norddeutschen Wetterkapriolen nicht eingestellt hatten, verließen die Arena, der überwiegend größte Teil jedoch trotzte dem Nass und blieb sitzen. Als würde es den Regen gar nicht geben, wurde die Pause eingeläutet. Wer aufstand, um sich mit Getränken und Pommes zu versorgen, hatte verspielt, denn sein noch trockener Sitzplatz war danach auch pladdernass.

Die Spielfläche wurde mehr und mehr zum Silbersee, und eine Suchmeldung ließ die Besucher erstmals aufhorchen: Dieter Schönfeld, Aufsichtsratsvorsitzender der Kalkberg GmbH, wurde gesucht. Das konnte nur eines bedeuten: Abbruch der Premierenvorstellung. Kurz vor Pausenende kam um 22.20 Uhr dann die Durchsage: „Aus Sicherheitsgründen müssen wir die Vorstellung abbrechen.“ Wohl dem, der an Gummistiefel gedacht hatte, denn nicht nur auf der Spielfläche stand das Wasser, sondern auch zwischen den Sitzreihen. Mit durchweichten Schuhen suchte schließlich das Gros der Besucher das Weite.

Mit nassen Haaren und triefenden Regenjacken saßen hinterher die geladenen Gäste im Zelt der Premierenfeier, teilweise immer noch erstaunt darüber, was der Himmel in kurzer Zeit über sie ausgeschüttet hatte. „In meiner Zeit ist es die erste Premiere, die abgebrochen werden musste. Wir haben eine sehr gute Drainage, aber das war eindeutig zu viel“, sagte Ute Thienel, Geschäftsführerin der Kalkberg GmbH. In solchen Fällen sorgen Spezialfirmen dafür, die Arena trocken zu legen. Das sei sogar noch vor der Premierenvorstellung geschehen.

Dennoch: Die Stimmung auf der Premierenfeier war ausgesprochen gut. Es wurde gescherzt, selbst die nassgeregneten Schauspieler waren guter Dinge. „Das ist das Schöne an Karl May. Die Leute fühlen sich verbunden und machen das Beste daraus“, befand Ute Thienel. Für die Auftakt-Besucher hatte sie eine gute Nachricht: Sie können mit ihren Premieren-Tickets in der Preiskategorie II die Vorstellung an einem anderen Tag bei dann hoffentlich trockenem Wetter erneut ansehen.

 Silvie Domann und Petra Dreu

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