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Segeberg Lässt das Land Boostedt hängen?
Lokales Segeberg Lässt das Land Boostedt hängen?
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07:33 09.08.2018
Der Schriftzug "Rantzau-Kaserne" hängt am Eingang der Landesunterkunft für Flüchtlinge (LUK). Laut Bürgermeister König (CDU) würden die Zuwanderer dem Ort zunehmend Probleme bereiten. Quelle: Wolfram Hammer
Boostedt/Kiel

Die 4500-Einwohner-Gemeinde im Kreis Segeberg beherbergt seit 2015 in der ehemaligen Rantzau- Kaserne eine Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge. Auf dem Höhepunkt der Fluchtbewegung aus dem Nahen Osten waren dort 2500 Menschen untergebracht. Man habe dem Land geholfen, eine große Aufgabe zu bewältigen, sagt König gegenüber den Lübecker Nachrichten schon Anfang Juni – doch mit den Problemen lasse das Land die Kommune alleine.

Jetzt legte König noch einmal in den Kieler Nachrichten nach. Waren zu Anfang vor allem Familien aus Syrien in Boostedt untergebracht worden, die schnell zur Integration auf die Kreise weiterverteilt wurden, seien es jetzt vor allem Personen ohne Bleibeperspektive, etwa aus sogenannten „sicheren Herkunftsstaaten“ in Nordafrika, die auf ihre Rückführung warteten und daher in der Einrichtung zur Untätigkeit verdammt seien. Viele dieser neuen Flüchtlinge legten im Ort ein ungebührliches Benehmen an den Tag, kauften und tränken viel Alkohol, schmissen leere Bierflaschen auf den Sportplatz und hätten kein Interesse an Sprachkursen.

Kein Anstieg von Straftaten im Ort

Zwar meldet die Polizei weiterhin, dass es keinen Anstieg der Zahl der Straftaten im Ort gebe, allenfalls kleinere Diebstahlsdelikte. Dennoch konstatiert der Bürgermeister: „Unsere Gemeinde wird mit einer Klientel von Flüchtlingen belastet, mit der sich ein großer Teil der Bevölkerung nicht mehr identifizieren kann.“

Im Ort herrsche Frust. Auch viele ehrenamtliche Helfer hätten sich zurückgezogen, sagt König. Viele Flüchtlinge ließen sich nicht mehr helfen. Was etwa bringe Sprachunterricht, wenn die Menschen Deutschland wieder verlassen sollen „und daher gar nicht erst zum Sprachunterricht gehen?“ Und es laufe auch nicht mehr gut mit der Zusammenarbeit mit dem Land. In Boostedt seien derzeit über 1200 Menschen in der Einrichtung untergebracht, darunter 800 Flüchtlinge ohne Bleibeperspektive. Wo viele Menschen ohne irgendwelche Perspektiven seien, ohne etwas zu tun, herrsche „Explosionsgefahr“.

Klicken Sie hier, um Eindrücke aus der Flüchtlingsunterkunft in Boostedt zu sehen.

Königs Forderung sorgt in Kiel für Erstaunen

König fordert das Land auf, kleinere Unterkünfte für maximal 500 Menschen zu schaffen.

Vor allem diese Forderung Königs sorgt im Innenministerium in Kiel für Erstaunen – weil genau diese Reduzierung auf höchstens 500 Personen in der Erstaufnahmeeinrichtung längst festgeschrieben und der Gemeinde zugesichert worden ist. Die Belegung der Polizeistation in der Einrichtung wurde zudem auf 23 Beamte erhöht, weil es innerhalb der Einrichtung tatsächlich einige Male zu Streitereien unter den Bewohnern gekommen ist.

Außerdem werde nur eine befristete Nutzung der Erstaufnahme bis zum Jahr 2024 angestrebt, dann soll sie komplett nach Neumünster verlegt werden, heißt es. Gegen Fehlverhalten von Flüchtlingen schreite man, sobald es bekannt werde, ein. Im Ort seien dazu auch Mitarbeiter des DRK aktiv. Es gebe zudem etwa regelmäßige Müllsammelaktionen.

Kirchen widersprechen dem Bürgermeister offen

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Kommentar zum Thema: Die etwas andere Sicht auf die Lage in Boostedt

Hartmut David und Kerstin Todt vom Kirchengemeinderat widersprechen dem Bürgermeister offen. „Wenn ich mit dem Rad durchs Dorf fahre, frage ich mich: Wo soll denn dieser Krawall sein, von dem da die Rede ist“, sagt David. Seine Bilanz: „Es ist im Dorf nicht unruhiger als früher.“ Einige junge Flüchtlinge würden biertrinkend durch den Ort ziehen, „aber das tun deutsche Jugendliche auch“. Ihm seien im Gegenzug auch viele Flüchtlinge sehr freundlich begegnet.

Der Flüchtlingsbeauftragte des Landes Stefan Schmidt sieht sich in seiner Kritik an großen Flüchtlingsunterkünften und „Ankerzentren“ bestätigt. Sie würden in den Kommunen als Fremdkörper wahrgenommen werden. Das Land solle die Flüchtlinge dezentral unterbringen. In Boostedt zeige sich, dass große Unterkünfte Vorurteilen Vorschub liefern können.

Von Wolfram Hammer

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