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Segeberg Landrat mit preußischen Tugenden
Lokales Segeberg Landrat mit preußischen Tugenden
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20:10 18.07.2015
Der Garten bleibt auch mit 90 Jahren seine Leidenschaft: Anton Graf Schwerin von Krosigk sind die 90 Jahre, die er am Dienstag vollendet, kaum anzumerken. Gartenarbeit ist für ihn nicht Last, sondern Entspannung. Quelle: Lothar Kullack
Bad Segeberg

Vor zehn Jahren, zu seinem 80. Geburtstag, gab es keinen großen Empfang. Anton Graf Schwerin von Krosigk, Landrat des Kreises Segeberg von 1966 bis 1990, feierte seinen Ehrentag in Berlin, wo drei seiner vier Kinder leben. Doch nun, zum 90. Geburtstag, wird es am Dienstag einen Empfang geben — ganz wie vor zehn Jahren versprochen.

Graf Schwerin von Krosigk freut sich auf seine Verwandten und engsten Bekannten, auf die RotaryFreunde. Aber auch auf die ehemaligen Abteilungsleiter und Menschen seines persönlichen Umfelds. Und da kommt einiges zusammen bei einem Mann, der dem Kreis Segeberg genau 8888 Tage als Landrat diente. Ja, diente. Denn preußische Pflichterfüllung hat der Sohn des letzten Reichsfinanzministers (bis zur Dönitz-Regierung) Johann Ludwig Graf Schwerin von Krosigk in die Wiege gelegt bekommen. Ein 900 Jahre altes Adelsgeschlecht, voller Juristen, Diplomaten, Militärs.

Geboren wurde Anton Graf Schwerin von Krosigk am 21. Juli 1925 im westfälischen Heeren. Nach dem Abitur 1943 wurde von Krosigk mit 18 Jahren zum Kriegsdienst eingezogen und 1945 aus russischer Gefangenschaft entlassen. Nach seinem Jurastudium ging er zunächst zur Deutschen Treuhandgesellschaft, wechselte dann als Volljurist ins Bundesinnenministerium und war danach zwei Jahre lang juristische Hilfskraft beim Bundesverwaltungsgericht, das damals noch nicht in Leipzig, sondern in Berlin saß.

Nach Stationen in den Verwaltungen von Husum und Stormarn wurde von Krosigk am 18. Januar 1966 zum Segeberger Landrat gewählt. Einer Partei gehörte er nie an, gewählt wurde er damals mit den Stimmen von SPD, FDP und einigen CDU-Abgeordneten, deren Fraktion sich eigentlich für einen anderen Bewerber entschieden hatte. Zweimal wurde Graf Schwerin von Krosigk wiedergewählt, so dass er es auf eine der längsten Landrat-Dienstzeiten in Schleswig-Holstein brachte.

„Natürlich war damals alles besser, ist doch klar“, sagt er auf die Frage nach einem Vergleich zu heute und lacht dabei. Er verfolgt die Kreispolitik bis ins Detail, lässt sich auch bei wichtigen Ereignissen sehen, verweigert es aber, etwa politische Urteile über seine Nachfolger abzugeben. Das war vor zehn Jahren, beim 80. Geburtstag, noch anders: Da fragte er angesichts der damals sehr hohen Schuldenlast des Kreises, wozu denn Kreistage überhaupt noch da seien. Politisch gestalten könne man mangels Masse doch gar nicht. Seinen damaligen Nachfolger Georg Gorrissen, als Landrat ebenfalls zweimal wiedergewählt, nahm von Krosigk in dieser Debatte ausdrücklich in Schutz: Gorrissen gelte nicht nur im Land, sondern bundesweit als „höchst beschlagen“. Die Fehler, die zu den Schulden geführt hätten, seien auf politischer Ebene gemacht worden, sagte der Ex-Landrat damals.

Nichts von dieser Kritik heute: „Ich werde mich hüten, irgendwelche Urteile abzugeben“, sagt der 90-Jährige, der in seiner Agilität durchaus noch dem 80-Jährigen von vor zehn Jahren gleicht. Auch den Garten versorgt er gemeinsam mit seiner Frau Hildegard noch überwiegend selbst. „Aber das wird nicht so bleiben“, sagt Anton Graf Schwerin von Krosigk staubtrocken und realistisch. So die eine Seite seines Wesens, die preußisch-sachliche. Die andere Seite, die mit dem feinsinnigen Humor, wird er sicher seinen Gästen am Dienstag offenbaren.

Kreispräsident Zylka würdigt von Krosigk
Im Namen des Kreises Segeberg gratuliert Kreispräsident Winfried Zylka dem Jubilar, den er als junger Kreistagsabgeordneter über ein Jahrzehnt begleiten konnte:



„In die Amtszeit von Anton Graf Schwerin von Krosigk fiel die Kreisreform 1970, die den Kreis Segeberg um die damals neu gegründete Stadt Norderstedt vergrößerte. Aber auch sonst profitierte der Kreis von seiner Attraktivität. Dies zeigte sich in einem regelmäßigen Bevölkerungswachstum, das überwiegend durch Zuzüge hervorgerufen wurde. 1966 hatte der Kreis 106000 Einwohner; 1990 waren es 215000 und heute sind es 265000 Einwohner.
Graf Schwerin von Krosigk gehörte keiner Partei an. Seine parteipolitische Neutralität war eines seiner Markenzeichen. Als „seine Fraktion“ bezeichnete er gern die Runde der Bürgermeister der kreisangehörigen Gemeinden. Graf Schwerin hatte einen breiten Überblick über die vielen Fachgebiete der Kreisverwaltung und paarte sein Wissen mit politischem Gespür. Er suchte stets zu unterscheiden zwischen kurzzeitigen politischen „Modetrends“ und wirklichen Zukunftsentwicklungen. Sein besonderes Augenmerk galt den Kreisfinanzen. Er sorgte für ausgeglichene Haushalte und hinterließ keine Schulden. Ein weiterer Schwerpunkt war die Sportförderung, die bis heute hin im Lande als vorbildlich gilt. Das enge Netz an Sportplätzen und —hallen im Kreis Segeberg ist auch sein Verdienst.
Für die Mitarbeiter der Kreisverwaltung war er ein strenger Vorgesetzter. Er führte die Verwaltung „an straffer Leine“, wurde aber gerade dafür auch respektiert.
Insgesamt bleibt festzuhalten, dass der Kreis in der Amtszeit Graf Schwerin von Krosigks auch wirtschaftlich eine gute Entwicklung zu verzeichnen hatte.
Der Kreis Segeberg gratuliert und dankt dem früheren Landrat für eine lange und erfolgreiche Amtszeit. Wir freuen uns, dass er sich auch 25 Jahre nach seinem Ausscheiden aus dem Amt guter Gesundheit erfreut und weiter sichtbar am öffentlichen Leben Anteil nimmt.“
„Natürlich war damals alles besser.
Das ist doch klar.“
Anton Graf Schwerin von Krosigk,
Segeberger Landrat von 1966 bis 1990

Lothar Hermann Kullack

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