Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Segeberg Lange Haftstrafe für Tankstellen-Räuber
Lokales Segeberg Lange Haftstrafe für Tankstellen-Räuber
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:50 26.08.2016
Die Star-Tankstelle in Bad Segeberg wurde 2014 überfallen. Nun sprach das Gericht sein Urteil. Quelle: Dreu
Anzeige
Bad Segeberg

900 Euro Beute gegen drei Jahre und neun Monate Freiheitsstrafe – das war kein guter Tausch für Kevin L. (Name geändert). Das Schöffengericht Bad Segeberg sah es als erwiesen an, dass der heute 27-Jährige den Überfall auf die Star-Tankstelle im Februar 2014 begangen hat. Er wurde deshalb gestern wegen schwerer räuberischer Erpressung verurteilt. Drei Monate gelten als verbüßt.

Bei der Urteilsverkündung in Saal zwei des Amtsgerichtes bricht Kevin L. in Tränen aus. „Ich war es wirklich nicht“, hatte er in seinen letzten Worten vor der Urteilsberatung gesagt. Doch das Gericht glaubte ihm nicht. Denn während der Ermittlungen hat Kevin L. bei der Polizei ein umfangreiches und detailliertes Geständnis abgegeben. „31 Seiten lang“, so Richterin Sabine Roggendorf. „Warum erzählen sie so eine lange Geschichte?“, hatte sie den Angeklagten noch zu Beginn des siebten Verhandlungstages gefragt – ohne eine aufschlussreiche Antwort zu erhalten. Zur vermeintlichen Spielzeugwaffe, der Kleidung des Täters, insbesondere zu den ausgefallenen Handschuhen hatte L. bei der Polizei umfangreiche Angaben gemacht. Sogar in welchem Laden er sie gekauft habe. Eine Nachfrage beim Konzern hatte ergeben, dass die Handschuhe tatsächlich in Bad Segeberg verkauft wurden. Den Fluchtweg hat L. mit den Beamten im Anschluss an eine Hausdurchsuchung und Vernehmung sogar noch rekonstruiert. Seine Angaben decken sich mit Bildern mehrerer Überwachungskameras.

„Die Aussage offenbart Täterwissen“, befand Staatsanwalt Matthias Daxenberger in seinem Plädoyer. Insbesondere die Warteposition des Täters vor dem Überfall auf der anderen Straßenseite könne ihm niemand erzählt haben – L.’s Halbbruder war damals bei der Tankstelle beschäftigt. Auch der Theorie der Verteidigung, L. könnte zum Geständnis gedrängt worden sein, erteilte Daxenberger eine Absage. Zum Zeitpunkt als L. sein Geständnis abgab, habe es keinen anderen Tatverdächtigen gegeben. „Das ist nicht logisch“, meinte Daxenberger. Er beantragte eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und zehn Monaten.

L. selbst gab vor Gericht an, er habe sich unter Druck gesetzt gefühlt – ohne dies aber näher zu erläutern. Richterin Roggendorf verlas mehrere Stellen aus L.’s Vernehmungsprotokoll, in denen Pausen für den Angeklagten dokumentiert wurden – zum Rauchen und Kaffee trinken. Mehrfach seien ihm die Rechte verlesen worden. Einen Anwalt habe L. abgelehnt. Jede Seite sei von ihm unterschrieben. Die Fotos von der Fluchtwegbegehung zeigten einen entspannten L., so Roggendorf. Und in puncto Befragungen bei der Polizei sei er „routiniert ohne Ende“. Denn L. ist vielfach vorbestraft, hat zusammengezählt bereits 4,5 Jahre in Jugendarrest und Haft gesessen.

Auf den Überwachungsbändern konnte L. nicht identifiziert werden, hatte dagegen Verteidiger Volker Sprick betont: „Das Geständnis könnte falsch sein.“ Er bat das Gericht um einen „zurückhaltenden Spruch“.

„Unter dreieinhalb Jahren konnten wir nicht bleiben“, machte Roggendorf deutlich – drei Monate der Strafe sollen wegen der langen Verfahrensdauer als verbüßt gelten. Das Opfer des Raubs habe die Waffe für echt gehalten, sei monatelang in psychologischer Behandlung gewesen. Der Tankstellenkassierer war es auch, der L. identifiziert hatte: Nachdem L. das erste Mal als Zeuge bei der Polizei gewesen war, konfrontierte er den jungen Mann, der in L. darauf den Täter wiedererkannte. „Sie haben das ins Rollen gebracht“, so die Richterin zu L. Auch dessen Halbbruder und ein Freund meinten, diesen auf den Bildern der Überwachungskamera zu erkennen. Für das Gericht eine klare Sache.

Zu Gunsten L.s wurden die weiteren Vorwürfe wegen Körperverletzung und Beteiligung an einer zweiten Raubtat eingestellt. Auch, um unter dem maximalen Strafrahmen des Gerichts von vier Jahren zu bleiben. Gegen das Urteil können Rechtsmittel eingelegt werden.

Nadine Materne

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige