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Segeberg Langfristige Facharzttermine sind passé
Lokales Segeberg Langfristige Facharzttermine sind passé
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20:21 13.01.2018
Sechs Monate Wartezeit auf einen Arzttermin ist nicht tragbar: Inzwischen können Gisela Bornhöft und Gertrud Holz (li.) wieder lachen. Quelle: Fotos: Petra Dreu/archiv
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Bad Segeberg

Es war im Mai letzten Jahres: Gisela Bornhöft (63), Pächterin des Vereinsheims der Segeberger Kegler, ging es nicht gut. Sie wollte nur noch nach Hause. Nach einem Telefongespräch mit ihrer Freundin Gertrud Holz schrillten bei dieser die Alarmglocken: „Ich habe gedacht, sie ist besoffen. Sie konnte gar nicht richtig sprechen. Da konnte was nicht stimmen.“ Gertrud Holz fuhr los, packte ihre Freundin ins Auto und fuhr mit ihr zum Arzt und anschließend zum Allgemeinen Krankenhaus. Die Diagnose: Schlaganfall. „Das war auch nicht der erste. Die Ärzte haben festgestellt, dass sie vorher schon drei Schlaganfälle gehabt haben muss“, verrät die Freundin.

Sechs Monate sollte Gisela Bornhöft (63) nach einem Schlaganfall auf einen Neurologentermin warten. Dass alles wesentlich schneller ging, hat sie der Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung zu verdanken, die in zwei Jahren bereits 13811 Patienten geholfen hat.

Zwei Wochen wurde Gisela Bornhöft stationär behandelt. Von dort aus wechselte sie für drei Wochen zur Reha nach Bad Bramstedt. Ganz wiederhergestellt war sie danach noch nicht. Sie bekam Krankengymnastik und sollte zu einem Neurologen zur Weiterbehandlung. „Ich habe versucht, einen Termin zu bekommen. Die Neurologen in der Umgebung hatten ein halbes Jahr Wartezeit“, denkt Gisela Bornhöft an die schwere Zeit zurück. Froh ist sie, dass ihre Tochter Alexandra im Vereinsheim der Kegler eingesprungen ist. Die lange Wartezeit bei einem Neurologen aber war ein Problem für sie. „Ich wusste nicht, was ich machen sollte. Ich hatte das Gefühl, keiner hilft mir“, erzählt sie.

Den rettenden Hinweis gab ihr schließlich eine Sprechstundenhilfe der angerufenen Praxen. „Sie gab mir den Rat, mir von meiner Hausärztin einen Code geben zu lassen und damit die Termin-Servicestelle (TSS) der Kassenärztlichen Vereinigung anzurufen. Das habe ich getan und hatte innerhalb einer Woche einen Termin bei einem Neurologen in Stockelsdorf“, ist Gisela Bornhöft heute noch dankbar. „Viel zu wenige Patienten wissen, dass es eine solche Stelle gibt“, ist sie überzeugt.

Über mangelnde Anrufe jedoch kann die TSS, die ihren Dienst am 25. Januar 2016 aufgenommen hat, nicht klagen. In den zwei Jahren hat sie 23 458 Anrufe entgegengenommen. 13811 Anrufer erfüllten die Voraussetzungen. Seit April 2017 kamen weitere 4800 Vermittlungen für ein Erstgespräch bei einem Psychotherapeuten hinzu.

Es reicht nicht, schneller einen Termin bekommen zu wollen. „Unsere Servicestelle kann erst dann tätig werden, wenn der Patient von seinem Hausarzt eine Überweisung an einen Facharzt erhalten hat.

Wenn eigene Bemühungen keinen Erfolg gebracht haben, muss er sich ebenfalls von seinem Hausarzt einen Code geben lassen, ihn der TSS mitteilen und mit der genannten Praxis selbst einen Termin vereinbaren“, erläutert Marco Dethlefsen, Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung. Dass Gisela Bornhöft keinen zeitnahen Termin finden konnte, glaubt er sofort. „Neurologen und Psychotherapeuten haben bei uns die längsten Wartezeiten“, weiß er.

Welche Praxis an der Reihe ist, einen Patienten einzuschieben, sei gerecht verteilt. „Jeder ist mal dran“, so Dethlefsen.

Gisela Bornhöft habe mit dem Neurologen-Termin innerhalb einer Woche Glück gehabt. Der Pressesprecher: „Die Vorgaben sind, dass innerhalb einer Woche eine Terminvereinbarung gewesen sein muss. Der Termin selbst muss innerhalb von vier Wochen erfolgen.“ Da die Ärzte gesetzlich verpflichtet sind, innerhalb dieser Frist einen Termin zu ermöglichen, liegt die Erfolgsquote der TSS bei 100 Prozent.

Sollte es doch mal nicht klappen, kann der Versicherte einen Termin in einem Krankenhaus beanspruchen.

Service für Patienten

Die Terminservicestelle soll dafür sorgen, dass Kassenpatienten innerhalb von vier Wochen einen Termin bei einem Facharzt bekommen. Zu erreichen ist sie montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr sowie montags, dienstags und donnerstags von 13 bis 17 Uhr unter Tel. 04 551 30 40 49 31. Infos gibt es unter www.kvsh.de.

 Petra Dreu

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