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Deutschstunden, Alltagsbegleitung, Arbeitssuche: Der Helferkreis um Mechthild Bening betreut 70 Flüchtlinge.

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Die B1-Zuwanderungsprüfung hat Lamiya Sülejmanova aus Aserbaidschan bestanden — geholfen hat ihr beim Lernen Patricia Polzin (l.).

Leezen. Hilfe zur Selbsthilfe lautet Mechthild Benings Ansatz in der Flüchtlingshilfe. Und dazu gehören die Vorbereitung und die Suche nach Jobs. „Die meisten Flüchtlinge wollen eine Arbeit und einen eigenen Verdienst.“ Als ehemalige Leiterin einer Zeitarbeitfirma mit 500 Mitarbeitern sei es ihr Job gewesen, die Qualifikationen von Menschen herauszuarbeiten und Beschäftigung zu vermitteln. Vor knapp einem Jahr hat Bening den Helferkreis Leezen quasi als Außenstelle des Vereins „alleineinboot“ mitgegründet. Inzwischen kümmern sich knapp 20 Aktive um 70 Flüchtlinge im Amtsbereich.

Stolz berichtet Mechthild Bening von einem Ukrainer, der inzwischen bei einem Installateur in Leezen arbeite. Und von zwei Syrern, die sie in „Schmidts Tivoli“ unterbringen konnte. Einer helfe in der Küche aus, der andere arbeite in der Saalbeschickung, sagt sie. Inzwischen lebten beide in Hamburg. „Sie sollen ihren Weg suchen und finden“, sagt Bening. Um die Qualifikationen der Neuankömmlinge abzufragen, hat sie einen Fragebogen entworfen. Der Syrer Hikmat etwa ist seit knapp drei Monaten in Leezen. Der junge Mann kommt aus Aleppo, hat dort drei Semester Biologie studiert. Daran ist nicht mehr zu denken durch den Krieg. Vor seiner Flucht hat er noch in einem Flüchtlingscamp der UNO und des DRK geholfen und mit traumatisierten Kindern gearbeitet, berichtet er auf Englisch, zeigt Bilder auf seinem Smartphone. Er wolle weiterstudieren und wieder in die Flüchtlingsarbeit mit dem Roten Kreuz gehen. „That‘s my mission“, sagt er. Derzeit hilft Hikmat bei der „Tafel“ aus, zu der auch viele Asylbewerber gehen. Dort übersetzt er, verteilt Lebensmittel, kann auf kulturelle Besonderheiten eingehen, Dinge erklären. Zum Beispiel, dass die Tafel kein „staatlicher Discounter“ sei, sagt Bening. Hikmats Vorteil sei, dass er Originalzeugnisse seiner Qualifikation habe, die inzwischen auch beglaubigt und übersetzt seien. Das nehme sonst sehr viel Arbeit und Behördengänge in Anspruch.

Beim monatlichen Flüchtlingscafé im Pastorat kommen Helfer und Flüchtlinge zusammen zum Austausch. Jeder hier sei nach persönlichen Stärken und Fähigkeiten eingesetzt, berichtet Bening. Einer der Helfer bringe zum Beispiel alte Laptops auf Vordermann, damit die Flüchtlinge darauf schreiben lernen können. „Ich will auch, dass jeder von ihnen einen Lebenslauf anfertigt“, sagt sie. Dann ist da Martina Ahlers vom DRK, die den Flüchtlingen Kenntnisse in Erster Hilfe vermittelt. Auch ein Schwimmkursus sei bereits organisiert worden — und eine Fahrradbörse.

Den richtigen Blick für Kleidung hat Karla Dohrin. Sie kommt aus der Branche. In ihrem Haus sichtet und sammelt sie Kleiderspenden für die Flüchtlinge. Oder Manfred Neumann. Er ist pensionierter Lehrer und hat vielen Flüchtlingen in Leezen die ersten deutschen Worte beigebracht. Darunter dem Syrer Hajar, der inzwischen als Flüchtling anerkannt ist und damit seine Ehefrau und den Sohn nach Deutschland holen durfte. „Es ist schön, wenn man Fortschritte sehen kann“, sagt Neumann. Er sei selbst einmal Flüchtling gewesen, berichtet der 72-Jährige, der nach dem Krieg aus der Tschecheslowakei geflüchtet war.

Aus Japan geflüchtet war nach dem Weltkrieg Freya Eckhard. Mit offenen Armen sei sie damals nicht empfangen worden. Deshalb wollte sie sich engagieren, ist seit Mitte November dabei und hat auch schon eine große Familie aus Syrien unter ihre Fittiche genommen, die mit mehreren Kindern und einer Hochschwangeren über das Mittelmeer nach Europa gekommen sei. Eckhard half bei der Wohnungseinrichtung, Behörden- und Arztbesuchen. Bei der Geburt der Fadya sei sie selbst mit im Kreißsaal gewesen.

Durch die derzeit dringende Flüchtlingssituation sind auch „Altfälle“ ins Hilfsnetz der Leezener gefallen. Lamiya Sülejmanova ist bereits seit 14 Jahren in Leezen, doch erst durch die Flüchtlingssituation sei man auf die Aserbaidschanerin aufmerksam geworden, berichtet Bening. Lamiya ist Diplom-Metallingenieurin. Um die Übersetzung und Beglaubigung ihres Zeugnisses kümmerte sich der Helferkreis nun in diesem Jahr. Und den Nachweis der Sprachkenntnisse. Helferin Patricia Polzin hat sich intensiv mit ihr hingesetzt zur B1-Prüfungsvorbereitung. Mit Erfolg. Das Zertifikat sei Voraussetzung für die Einbürgerung, erklärt Bening, die ursprünglich die Idee hatte, sich allein bei „alleineinboot“ in Bad Segeberg einzubringen — aber nun mit einer ganzen Gruppe viel mehr leisten kann.

HILFE IM ADVENT
Liebe Leserinnen und Leser,

in diesen Zeiten suchen viele Menschen bei uns eine sichere Zuflucht vor Krieg, Terror und Verfolgung. Diese Menschen benötigen unsere Hilfe, nicht nur materieller Art, sondern vor allem auch, um ihnen in dieser fremden Welt Orientierung und Halt zu geben. Dafür engagiert sich der Verein „alleineinboot“.
Bitte helfen Sie mit und spenden Sie auf folgendes Konto:


Verein alleineinboot e. V.

Spende Hilfe im Advent
IBAN DE47 2305 1030 0510 5204 30
Sparkasse Südholstein
Namen der Spender werden in den LN veröffentlicht. Wer anonym bleiben will, trägt im Verwendungszweck „bitte anonym“ ein.
DANKESCHÖN

13640 Euro haben Sie, liebe Leserinnen und Leser, für die LN-Aktion „Hilfe im Advent“ in diesem Jahr bisher gespendet. Für diese überwältigende Spendenbereitschaft ganz herzlichen Dank!
Gespendet haben: Bernd Jacobi 100 Euro, Anonym 100 Euro, Anonym 50 Euro, Jutta Hamann 50 Euro, Katharina Jaacks 25 Euro, Anonym 50 Euro, Familie Bartholomaeus/Schuermeyer 300,00 Euro, Bernhard und Reinhild Burrichter 50 Euro, Joachim Westerhaus 100 Euro, Gudrun Pauch 50 Euro, Stephan und Ingrid Kühn 50 Euro, Anonym 50 Euro, Jutta Lietsch 50 Euro.
Ich mache mit bei „alleineinboot“
Ghulam Karimi (24) kam vor zwei Jahren über viele Umwege aus der afghanischen Provinzhauptstadt Herat nach Segeberg. Und als er 2014 vom Verein „alleineinboot“ als Flüchtling in die Mischbar eingeladen wurde, fühlte er sich gleich sehr wohl: „Die Atmosphäre ist sehr gut, ich bekam Hilfe“, erinnert sich der Mann, der in seiner Heimat als Bankkaufmann gearbeitet hat und gerade dabei ist, seinen Realschulabschluss in Bad Segeberg zu machen. Die offenen, fröhlichen Leute, das Miteinander im Verein habe ihm so gut gefallen, dass er früh Mitglied wurde: „Ich bin jung, ich bin kräftig, ich kann auch helfen“, sagt er zu seinen Beweggründen. Seither packt er in der Mischbar an, übersetzt für Flüchtlinge und ist derzeit montags im Internetcafé „Netzzeit“ aktiv. „Wir überlegen, ob wir das ein bisschen größer machen, vielleicht Computerunterricht geben“, so der junge Moslem.
Im Verein „alleineinboot“ fühle er sich zu Hause, sagt Ghulam Karimi — der Ehrenamtler, der mit dem Verein Bürgerpreisträger wurde und selbst als Flüchtling Hilfe findet. Die Mitglieder seien für ihn wie eine Familie geworden. Ein gutes Gefühl, das auch hilft, die Sorge um seine eigentliche Familie zu meistern, denn von seiner Mutter und seiner Schwester, die ebenfalls geflüchtet sind, weiß er nicht, wo sie sich aufhalten. Seit über zwei Monaten ist der Kontakt abgebrochen. Foto/Text: hil

Nadine Materne

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