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Segeberg Leichte Sprache? Keine leichte Sache!
Lokales Segeberg Leichte Sprache? Keine leichte Sache!
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22:16 29.08.2013

Wer an Barrieren im Alltag denkt, dem kommen hohe Bordsteinkanten, unüberwindliche Treppenstufen oder viel zu schmale Türen in den Sinn. Wahlstedts erst kürzlich bestellte Behindertenbeauftragte Gabriele Bornheimer, die selbst im Rollstuhl sitzt, hat nun angefangen, eine ganz andere Hürde abzutragen: die Barriere Sprache.

Rechtzeitig vor der Bundestagwahl am 22. September hat sie sich die politische Landschaft unter dem Aspekt der Barrierefreiheit ganz genau angesehen. Denn nicht jeder weiß, was Partei X vor hat, wenn sie in ihrem Wahlprogramm beispielsweise den Abbau der kalten Progression verspricht. Auch die Beteuerung von Partei Y, dass der Einspeisevorrang für erneuerbare Energien weiterhin erhalten bleiben soll, begreift nicht jeder. Immer wieder tauchen schwer verständliche Inhalte, komplizierter Satzbau und komplexe Texte auf, die nicht nur für Leute mit Leseschwäche, sondern auch für ältere, gehörlose oder Menschen mit anderen Einschränkungen unverständlich sind. Helfen würde einfache Sprache.

Gefunden hat Wahlstedts Behindertenbeauftragte sechs von 34 Parteien, die zur Bundestagswahl antreten, die Wahlprogramme in sogenannter leichter Sprache aufgelegt haben. Und genau die können auf Initiative und mit Unterstützung der Stadt und dem Netzwerk Inklusion, dem Wahlstedt angehört, bei der Bücherei gelesen und entliehen werden. Zusammen mit Broschüren zum Thema Politik. Auch sie sind in leichter Sprache verfasst. Der Bezeichnung liegen von Fachleuten erarbeitete Richtlinien zu Grunde: Kurze Sätze, kurze Worte, keine Fremdwörter, schwarze Schrift auf hellem Grund. Bilder ergänzen Texte. Statt langer Worte Bindestrich, etwa bei Atom-Kraft. Auch wird der Konjunktiv vermieden. Es gibt sogar ein Gütesiegel, das vom Verein „Inclusion Europe“ verliehen wird.

„Viel Unterstützung habe ich vom SPD-Bundestagsabgeordneten Franz Thönnes bekommen, der sich sehr für Inklusion stark macht“, so Gabriele Bornheimer. Das Leicht-lese-Wahl-Programm der Sozialdemokraten und der Grünen sei besonders gelungen, wie auch das der Piraten. „Bei den Christdemokraten fehlen lediglich die begleitenden Bilder, dafür biete sie ihr Programm auf der Homepage sogar in Gebärdensprache an“, so die Behindertenbeauftragte. Anders bei der FDP, wo schon die Nachfrage schwierig wurde: „Die sehr nette Dame wusste gar nicht, was ich wollte. Außerdem findet man das nicht so gelungene Papier im Internet unter Kurzprogramm in fremder Sprache.“

Die Stadtbücherei Wahlstedt ist eine der wenigen, die diese Offerte macht. Selbst in Norderstedt war dieses Angebot bisher kein Thema. „Eine tolle Idee, die wir aufgreifen sollten“, lobt Bad Segebergs Stadtbücherei-Leiterin Friederike Sablowski.

Heike Hiltrop

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