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Segeberg Eine Buchpreisträgerin gibt Einblicke
Lokales Segeberg Eine Buchpreisträgerin gibt Einblicke
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19:45 26.11.2018
Zahlreiche Segeberger ließen sich ihre Bücher von der Erfolgsschriftstellerin Inger-Maria Mahlke signieren. Quelle: GLOMBIK
Bad Segeberg

Für ihr Buch „Archipel“ hat sie den Deutschen Buchpreis erhalten. Und nun sitzt Inger-Maria Mahlke in Bad Segebergs kleiner Buchhandlung „Druckwerk“ liest, erzählt, plaudert und gibt Einblick in ihr Persönliches. Fast 60 Besucher sind gekommen, sind neugierig auf die prominente Schriftstellerin, die sich traute, einen Familienroman „rückwärts“ zu erzählen – genauer - Lebensgeschichten gegen die Macht der Zeit zu erzählen. Es ist für die Zuhörer spannend, wenn sie erst Felipe Bernadotte anfangs als 53-Jährigen mit dem Whiskyglas darstellt, dann als Jungen, der gerade seine Mutter verloren hat. Die Mama ist tot, liegt im Bad vor der Toilette und der Junge fokussiert eine Tischplatte und ein Astloch, kaum zu erkennen unter der rötlichen braunen Politur des Tisches.

Sie unterbricht den Lesefluss ihrer leisen aber eindringlichen Stimme und stellt sich den Zuhörern. Es gebe Dinge, „die sich in existenziellen Momenten einprägen“, wenn zum Beispiel ein naher Verwandter stirbt. Es seien dann oft die kleinen Dinge, an die man sich dann später erinnere. Die Zuhörer, darunter vieler Lehrer, fragen nach Details, warum sie zum Beispiel alles in Präsens schreibe. „Ich wollte so dicht wie möglich an den Figuren bleiben“, berichtet sie. Verfasse sie denn ihre Werke bei einem Glas Wein, gemütlich und entspannt? Das seien „Autoren-Klischee“ meint sie. Autorin sei ein „ganz normaler Beruf wie jeder andere auch“, wenn sie wie der normale Arbeitnehmer bis Feierabend am Schreibtisch sitze. Einige Stellen im Roman, die für sie problematisch seien, spare sie sich auf, arbeite dann besonders konzentriert, wenn der Abgabetermin für das Manuskript näher rücke.   

Nein, sie möchte den Leser nicht an die Hand nehmen, protestiert sie fast, als ein Leser das anmerkt. „Auch im wirklichen Leben gibt es keine Stimme aus dem Off.“ Sie glaube an den „emanzipierten Leser“, der keine Hilfe benötige, um ihre Bücher zu verstehen. Der Leser solle selbst seine Schlüsse ziehen. Und: ihr Buch sei „nicht niedrigschwellig“. Tatsächlich sind die Verwicklungen und Verstrickungen der Bernadottes und all der anderen Familien im Roman durch die Epochen der wechselnden spanischen Geschichte auf Teneriffa von 2015 bis 1919 nur für konzentrierte Leser geeignet. Auch der ständige Perspektiv-Wechsel setzt eine sehr aufmerksame Lektüre voraus.

Warum sie diese Familiengeschichte ausgerechnet auf Teneriffa ansiedelt, liegt auch an ihrer persönlichen Lebensgeschichte: Inger-Maria Mahlke wuchs in Lübeck und auf Teneriffa auf, ein Teil ihrer Familie war spanisch. Damit war ihr Umfeld mehr als widersprüchlich: In ihrer Heimatstadt Lübeck habe sie als Kind ein Kaninchen gehabt, das oft zum Tierarzt getragen wurde. „König Artur“ – so hieß das Tier – war deshalb ein langes Leben beschieden. Doch auf Teneriffa, wo Inger-Maria mit ihrer Familie die Ferien verbrachte, landeten die Kaninchen regelmäßig auf dem Tisch. „Als Kind musste ich das alles zusammenbringen.“

Wie habe sie die Verleihung des Deutschen Buchpreises erlebt? Das sei so ein bisschen wie bei der Oscar-Verleihung gewesen, jedenfalls sehr aufregend, erzählt sie. Verarbeitet habe sie das alles auch jetzt noch nicht. „Ich versuche nur dieser Rolle gerecht zu werden.“ Erst nachts im Bett werde ihr bewusst, was eigentlich passiert sei, dann freue sie sich.

Wolfgang Glombik

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