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Segeberg Letzte Videothek im Kreis hat geschlossen
Lokales Segeberg Letzte Videothek im Kreis hat geschlossen
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21:43 10.08.2017
Nach über 15 Jahren zum letzten Mal abgeschlossen hat Robert Wilkens (51) nun die Videothek „Centaurus“. Quelle: Fotos: Kullack/hil*

Zentaur: das stolze und angriffslustige Mischwesen aus Pferd und Mensch aus der griechischen Mythologie. Centaurus A: eine strahlenkräftige Radio-Galaxie aus dem Sternbild Zentaur. „Centaurus“ – eine einst sehr beliebte Videothek am Segeberger Landratspark. Inhaber Robert Wilkens musste sie dieser Tage schließen. Es war die letzte noch verbliebene Videothek im Kreis.

Robert Wilkens musste „Centaurus“ aufgeben – Die Jugend streamt lieber.

„An unseren treuen Stammkunden hat es jedenfalls nicht gelegen. Denen

danke ich ausdrücklich.Robert Wilkens

Betreiber „Centaurus“

„An den Stammkunden lag es jedenfalls nicht. Denen möchte ich ausdrücklich für ihre Treue über all die Jahre herzlich danken“, sagt Wilkens. Dieser Tage hat er den Schlüssel abgegeben. Was nun aus dem leeren Ladenlokal – nebenan betreibt sein Bruder Alexander ein Sonnenstudio – wird, das steht noch nicht fest. Und was wird nun aus all den schönen Filmen? Zu Spitzenzeiten hatte Wilkens mehr als 2000 DVDs und Blue Rays sowie über 1700 Videofilme in den Regalen. „Das Meiste ist schon in den vergangenen Wochen an Stammkunden verkauft worden“, sagt er. „Den Rest habe ich eingelagert. Ich weiß noch nicht, was wir damit machen.“

Das Internet ist seit sechs, sieben Jahren bundesweit der Tod der Videotheken. Gab es 2015 noch 1186 davon in Deutschland, so sank die Zahl nach Angaben des Interessenverbandes des Video- und Medienfachhandels (IVD) 2016 mit 914 erstmals unter die 1000er-Grenze. In Schleswig-Holstein fiel die Zahl über 81 (2013) auf 74 im Folgejahr, dann nur noch 50 im Jahr 2015 und schließlich 42 im Vorjahr.

Im vergangenen Jahr musste Wilkens schon seine Videothek in Bad Oldesloe schließen. Gestartet hatte er im Jahr 2000 in Stockelsdorf mit einer Videothek, die auch schon „Centaurus“ hieß und die dann nach Bad Segeberg umzog. Damals eine Branche, die einer Goldgrube gleichkam. Bald folgte die Erweiterung nach Bad Oldesloe.

Doch das Internet setzte sich ab 2011 immer stärker durch. Im Kreis Segeberg hatte sich lange noch „Empire“ gehalten – eine Videothek, die zur Ledick-Kette gehört. Nach der Schließung 2016 in Norderstedt gibt es „Empire“ im Norden nur noch ein Mal in Neumünster und drei Mal in Hamburg.

Im Internet werden solche Schließungen, speziell jetzt die von „Centaurus“, allseits bedauert. „Selbst in Flensburg schließt gerade die letzte (Videothek), und mit 100000 Einwohner ist Flensburg noch um einiges größer als Segeberg“, schreibt etwa Anne-Christin R. auf Facebook. Und Thorsten P. bedauert: „Das Internet hat mal wieder ein Stück Jugend kaputt gemacht.“ Mia W. gibt zu bedenken: „Naja und ganz ehrlich, ich hab’ gerne mal ein Game oder sogar ’ne Konsole geliehen, um zu testen, ob sich ein Kauf lohnen würde.“

Neben den Streaming-Diensten wie Netflix oder Maxdome sind es auch die Festverträge fürs Streamen, die den Garaus der Videotheken bedeuten. „Die jungen Leute haben andere Interessen – der Zeitgeist lässt sich nicht aufhalten“, sagt Robert Wilkens. Er persönlich will sich nun mehr auf das Restaurant „B 432 – Diner“ konzentrieren, das er zusammen mit seinem Bruder betreibt. „Vielleicht kommt noch eine neue Geschäftsidee hinzu“, sagt er. Videothek aber – das war ein Film ohne Happy End.

 Lothar Hermann Kullack

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