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Letzter Akt: Boostedts Soldaten holen die Bundesflagge ein

Boostedt Letzter Akt: Boostedts Soldaten holen die Bundesflagge ein

Nach 58 Jahren verlassen die letzten sieben Soldaten die Rantzau-Kaserne — Das Stabsgebäude wird nun zur Polizeistation für die Flüchtlingserstaufnahme.

Für die letzten Soldaten endete gestern der Dienst in Boostedt nach der Übergabe der Flagge an den Standortältesten Matthias Kähler (2.v.r.).

Quelle: Nadine Materne

Boostedt. Nur noch sieben Soldaten traten gestern zum Dienst in der Rantzau-Kaserne in Boostedt an. Und das eigentlich auch nur für einen letzten zeremoniellen Akt: Noch einmal holten gestern Soldaten in Boostedt die Bundesdienstflagge ein. Es ist das Ende der militärischen Nutzung nach 58 Jahren.

Viel übrig geblieben vom militärischen Gelände war zum Schluss eh nicht mehr. Bereits am Haupttor sind die Zäune zu sehen, die den Kaserneneingang und das Stabsgebäude G1 vom Rest des Geländes trennen, den das Landesamt für Ausländerangelegenheiten als Erstaufnahme für Flüchtlinge nutzt. Es ist eine von vier „militärischen Inseln“ — technische Bereiche, die nun von Zivilisten der Bundeswehr-Dienstleistungszentrale betrieben werden. Dazu gehören die Energiezentrale, Werkstätten und die landwirtschaftliche Gruppe zur Grünpflege.

Ohne großes Tamtam wurde die Bundesflagge gestern von den verbliebenen Soldaten eingeholt. Das Nachkommando des Logistikbataillons 162. Dessen Außerdienststellung war bereits im April. Sauber gefaltet übergab Hauptmann Michael Förster das schwarz-rot-goldene Tuch mit dem Bundesadler weiter an Kapitän zur See Matthias Kähler. Der Kommandant der Unteroffiziersschule der Marine in Plön ist Standortältester und damit zuständig für den verbliebenen Kasernenteil in Boostedt. Leider, so Kähler, habe er schon häufiger an diesen symbolischen Zeremonien teilgenommen.

„Das wird jetzt aber kein Tag der offenen Tür hier“, betonte Kasernenkommandant Volker Pietschmann. Er selbst wird als letzter Soldat am Abend des 22. die Kaserne verlassen. Doch solange die Bundeswehr das Gelände nutzt, werde die Bundesflagge täglich gehisst und eingeholt. Nur eben nicht so förmlich. Und von zivilen Mitarbeitern. Deren Wirkungsbereich wird sich weiter verkleinern. Denn das zuletzt als Stabsgebäude genutzte Haus G 1 werde an die Polizei übergeben, so Pietschmann. Nach einigen Umbauarbeiten soll dort die Polizeistation für die Erstaufnahme entstehen. Nach und nach werden fast alle Gebäude der alten Kaserne für die Flüchtlingsunterkunft reaktiviert: die aufgegebenen Sanitätsgebäude, die alte Truppenküche in Sichtweite zu G 1. Da ist es nur logisch, dieses mitzunutzen. „Die Boostedter Wache betrifft das aber nicht“, betont Pietschmann, selbst Boostedter. Er wechselt nun nach Kiel zum Landeskommando.

Die anderen sechs Soldaten haben die Kaserne heute schon verlassen. Förster, der zur Abwicklung des Standorts nach Boostedt zurückgeholt wurde, geht nun zur Bundeswehrfachschule Hamburg. Auch Michael Prahl war nur zur Kasernenauflösung nach Boostedt versetzt worden. „Es ist schade um den Standort“, findet der Rostocker, der nun jede Woche nach Husum fahren muss zu seinem neuen Dienstort. „Ändern kann man es nicht.“ Die Verbliebenen sehen es pragmatisch. Hauptbootsmann Tobias Wagner nutzt die Kasernenschließung für einen Neuanfang in Rheinbach bei Bonn. Es sei sein Wunsch gewesen, dorthin versetzt zu werden. In Plön wird Sascha Bals seine Dienstzeit beenden, Jorge Brodzinski und Thomas Hinrichsen bleiben in Boostedt — im Munitionslager. „Trotzdem ist es komisch“, sagt Brodzinski. Die Rantzau-Kaserne sei seine „soldatische Heimat“ gewesen, resümiert Hinrichsen. Seit 1982 sei er mehrfach hier stationiert gewesen.

Im dritten Quartal 2016, so die Planung, soll die Kaserne an die Bima, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, abgegeben werden. Vor dem Hintergrund der Flüchtlingssituation ist an eine Konversion derzeit aber kaum zu denken.

„Das wird jetzt aber nicht Tag der offenen Tür hier. Die Bundeswehrdienstleistungs- Zentrale bleibt noch hier.“
Oberstleutnant Volker Pietschmann

Nadine Materne

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