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Segeberg Levo-Park: Besuchstag in Segebergs jüngster Gemeinde
Lokales Segeberg Levo-Park: Besuchstag in Segebergs jüngster Gemeinde
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22:37 11.08.2016
Innenstaatssekretärin Manuela Söller-Winkler beim Rundgang durch das Containerdorf. An ihrer Seite die drei Bürgermeister der umliegenden Kommunen: Dieter Schönfeld (Bad Segeberg, r.), Rolf Peter Mohr (Fahrenkrug, 2. v. l.) und Matthias Bonse (Wahlstedt, l.). Quelle: Fotos: Oliver Vogt

Schule, Kindergarten, Krankenhaus, Polizeiwache, Kleiderkammer, Freizeitmöglichkeiten – eigentlich ist fast alles an Infrastruktur vorhanden, was zu einem anständigen Gemeindeleben gehört.

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Viele Würdenträger und etwa 150 Segeberger nutzen gestern den Einblick in die neue Flüchtlingsunterkunft.

„Die Einrichtung ist ein Beispiel für die gute Kooperation von Hamburg und Schleswig-Holstein.“Staatssekretärin Manuela Söller-Winkler

Nur Bewohner sind eben noch nicht so viele da. Etwa 60 sind es seit Mittwochnachmittag. Interessiert – und vielleicht auch etwas irritiert – sehen einige von Weitem aus zu, wie ihr neues Heim zunächst einmal von anderen in Beschlag genommen wird. Amtsträger aus Politik, Verwaltung, Feuerwehr, Polizei und Rettungsdiensten schreiten die Reihen der Wohncontainer ab. Zwischen ihnen etwa 150 mit Regenschirmen bewaffnete Segeberger, die sich mit eigenen Augen ansehen wollen, was da hintern den Zäunen der alten Lettow-Vorbeck-Kaserne in den vergangenen Monaten so passiert ist.

Einiges. Das Land Schleswig-Holstein will mit seiner einzigen Flüchtlingsunterkunft, die es nicht selbst nutzt, sondern an die Hansestadt Hamburg vermietet, offenbar einen guten Eindruck machen.

Angefangen von der modern ausgestatteten Polizeistation über das kleine Krankenhaus bis hin zu den zweckmäßig, aber freundlich eingerichteten Wohncontainern scheint alles durchdacht und auf dem aktuellen Stand der Zeit zu sein. Entsprechend angetan zeigt sich auch der Hamburger Innenstaatsrat Bernd Krösser, der sich gemeinsam mit seiner Kieler Amtskollegin Manuela Söller-Winkler über das Gelände führen lässt. Artig tauschen beide gegenseitige Worte des Dankes für die „unkomplizierte Nachbarschaftshilfe“ aus und loben das „gute Beispiel für die Kooperation beider Länder“.

Nur über Geld wird nicht so gerne gesprochen. Fragen nach den Kosten der Anlage und ob Schleswig-Holstein nicht doch ein schlechtes Geschäft gemacht hat, als es auf Bitten des südlichen Nachbarn Platz für 1500 Menschen bereitstellte, Hamburg jetzt tatsächlich aber nur 600 Plätze benötigt, werden ausweichend beantwortet. Die Anlage hätte wegen bestehender Verträge ohnehin errichtet werden müssen, erklärt Söller-Winkler dazu. Dass nun Hamburg Platzbedarf habe und auf diese Weise zumindest einen Teil der Kosten übernimmt, sei „für alle Seiten ein Gewinn“, sagt die Staatssekretärin. Wie hoch der Betrag sein wird, den Hamburg für jeden Flüchtling zahle, sei bisher aber noch nicht vereinbart.

Bad Segebergs Bürgermeister Dieter Schönfeld, der sich gemeinsam mit seinen Amtskollegen Matthias Bonse aus Wahlstedt und Rolf-Peter Mohr aus Fahrenkrug auf dem Gelände umsieht, lobt: „Das entspricht hier alles sehr guten Standards.“ Unter dieser Voraussetzung wäre es aus seiner Sicht auch möglich gewesen, 1500 Menschen unterzubringen. „So lange die Strukturen stimmen, kommt es auf die Zahl der Bewohner nicht genau an“, urteilt er.

„Etwas bedrückend“ findet es dagegen Thomas Reimer aus Fahrenkrug, der zusammen mit Lebensgefährtin Sandra Grimm das Angebot zum „Tag der offenen Tür“ genutzt hat und sich zwischen den Wohncontainern umsieht. „Das Ganze wirkt auf mich sehr spartanisch“, sagt der 48-Jährige. Zu beneiden seien die Bewohner, die hier bis zu einem halben Jahr leben und auf den Ausgang ihres Asylverfahrens warten sollen, wahrlich nicht, finden beide.

Laut Innenstaatsrat Bernd Krösser sollen wöchentlich weitere Flüchtlinge aus dem Ankunftszentrum Hamburg-Rahlstedt nach Bad Segeberg gebracht werden. Eine Auswahl nach Herkunftsstaaten gebe es dabei nicht. „So, wie sie eben kommen.“

 Oliver Vogt

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