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Segeberg Licht aus: Jetzt wird im Dunkeln diniert
Lokales Segeberg Licht aus: Jetzt wird im Dunkeln diniert
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21:14 26.08.2016
Annette Bathe, Manfred Zeitz und Jürgen Pagor (von links) sind gespannt auf die Reaktionen der Gäste. Quelle: Fotos: Petra Dreu

Wie ist es ohne Augenlicht, wenn noch nicht einmal Schattierungen erkennbar sind, wenn es nur eine einzige Farbe gibt – schwarz? Wie ist es, wenn man nicht sieht, wohin man tritt oder greift, wenn man nur erahnen kann, was sich auf der Gabel befindet, die man gerade zum Mund führen will? Trifft man überhaupt oder landet mehr auf dem Boden als im Mund?

Sascha Lang ist blind. Er wird den Gästen das Essen servieren.

Was Besucher fühlen, wenn sie sich in der Hamburger Ausstellung „Dialog im Dunkeln“ in eine Welt ohne Licht und Farben begeben und essen, ohne zu sehen, was sie essen, können demnächst auch die Segeberger in ihren Erfahrungsschatz einreihen. Eine Gelegenheit dazu gibt es vom 16. bis 18. September in der Teestube „Blattlese“, die sich zusammen mit der Buchhandlung „Wortwerke“ in eine dunkle Welt begibt, die trotzdem oder gerade deshalb Raum zum Genießen bietet. Auf die Besucher nämlich wartet ein exquisites „Dinner in the Dark“.

Sascha Lang weiß, was die Besucher erwartet. Das, was für die Dinner-Gäste absolut neu sein wird, ist für ihn noch nie anders gewesen. Er hat nie gesehen, wie Lebensmittel aussehen. Aber er kann sie schmecken und er kann sie genießen und servieren. Zwei weitere blinde Kollegen werden ihn bei seiner Aufgabe als Kellner unterstützen. Sie reisen dafür sogar extra aus Frankfurt an.

Die Idee, ein Essen in völliger Dunkelheit zu veranstalten, hatte Sascha Lang bereits in seinem Heimatland Luxemburg umgesetzt. Aber auch bei den Gästen von „Blattlese“ und „Wortwerke“ kam der Gedanke an. Lediglich ein Zettel an der Wand wies auf das Vorhaben hin. Innerhalb von drei Wochen waren in der Teestube fast alle Sitzplätze ausgebucht. „Damit hatten wir überhaupt nicht gerechnet“, sagt Jürgen Pagor, der zusammen mit Annette Bathe die Teestube betreibt, für die es inzwischen sogar eine Speisekarte in Blindenschrift gibt.

Aus einem Termin wurden inzwischen drei und die ursprünglich 32 Sitzplätze an Vierertischen wurden auf 28 Plätze reduziert. Darum gebeten hatte Sascha Lang, der sich zusammen mit seinen blinden Kellner-Kollegen mehr Zeit für die Gäste nehmen möchte. Einzige Bedingung sei es, damit einverstanden zu sein, sämtliche Lichtquellen, sei es das Feuerzeug oder die Taschenlampen-App am Smartphone, auszulassen.

Auf die Gäste wartet nicht nur Dunkelheit, sondern auch ein dreigängiges Menü mit frischen Zutaten. „Auch wenn niemand sieht, was er ist, kann sich jeder sicher sein, dass nur erstklassige Zutaten verwendet werden“, sagt Jürgen Pagor, der für das Mahl als Küchenchef den Hut aufhaben wird. Was es genau gibt, verrät er nicht. Nur so viel: Als Vorspeise serviert er Fingerfood. Anschießend gibt es eine Hauptspeise und einen Nachtisch. Aussuchen können sich die Gäste lediglich, ob sie Fisch, Fleisch oder lieber vegetarisch speisen möchten.

Bis aus der „Blattlese“ ein völlig dunkler Raum geworden ist, sind noch ein paar Vorbereitungen notwendig. „Die Fenster werden mit Teichfolie abgeklebt. Zusätzlich richten wir eine Schleuse ein, damit auch beim Öffnen der Tür kein Licht in die Teestube fällt“, erläutert Jürgen Pagor, der gespannt auf die Reaktion seiner Gäste ist. Er kann sich noch weitere Veranstaltungen mit einem besonderen Touch vorstellen. Pagor: „Wer weiß, vielleicht machen wir irgendwann ein Konzert im Dunkeln.“

Das Dinner in the Dark

Wer sich für das „Dinner in the Dark“ in der „Blattlese“, Hamburger Straße 39, interessiert, hat am Wochenende 16., 17. und 18. September Gelegenheit, in eine dunkle Welt einzutauchen.

Wählen können die Gäste zwischen Fisch, Fleisch und einem vegetarischen Hauptgericht, zu dem eine Vorspeise und ein Dessert gehören. Für das dreigängige Menü inklusive Wasser, Tischwein, Tee oder Kaffee zahlen die Gäste 40 Euro. Nähere Informationen zum Dinner gibt es in der Teestube „Blattlese“ vor Ort, auf Facebook oder unter der Telefonnummer 04551/9409033. pd

Petra Dreu

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