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Loch im Strumpf? Die Kunststopferin hilft

Henstedt-Ulzburg Loch im Strumpf? Die Kunststopferin hilft

Repassiererin Adelheid Maschmann übt das fast vergessene Handwerk weiterhin leidenschaftlich gerne aus.

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Repassiererin Adelheid Maschmann übt das fast vergessene Handwerk weiterhin leidenschaftlich gerne aus.

Quelle: Silvie Domann

Henstedt-Ulzburg. Leise surrt der Elektromotor der kleinen Repassiermaschine. Ein Gerät, das kaum noch jemand kennt. Das war in den Nachkriegsjahren anders, viele Frauen hatten solch eine Strumpf- Repariermaschine. Nylonstrümpfe waren ein Luxusgut und wurden bei einer Laufmasche nicht entsorgt, sondern repariert.

LN-Bild

Repassiererin Adelheid Maschmann übt das fast vergessene Handwerk weiterhin leidenschaftlich gerne aus.

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„Ich bin wie ein

Chirurg, es bleibt immer

eine Narbe.“  Adelheid Maschmann, Kunststopferin

Das macht auch Adelheid Maschmann gerade. Repassieren ist Französisch und heißt Laufmaschen aufnehmen, erklärt die Kunststopferin. Das Gerät erinnert an ein Bügeleisen; allerdings führt ein dünner Luftschlauch zu einer speziellen Nadel, der Repassiernadel. Mit ihr wird die Laufmasche aufgenommen. Per Hand eine langwierige Aufgabe, die viel Konzentration erfordert. Dagegen sind nur wenige Minuten nötig, wenn die Nadel vom Elektromotor angetrieben wird. „Die Bewegung ist in Fleisch und Blut übergegangen, ich kann dabei auch fernsehen“, sagt die 69-Jährige, schmunzelt und erzählt.

Kunststopferin hat sie gelernt, 1962 ihre Lehre in Lübeck bei Baustian in der Fleischhauerstraße begonnen. „Meine ältere Schwester Rita lernte dort bereits. Wir haben gemeinsam im Schaufenster gesessen und Strümpfe aufgenommen“, erinnert sich die Repassiererin. Diese Bezeichnung steht in ihrem Lehrvertrag. Doch nicht nur Strümpfe reparieren gehörte zu ihren Tätigkeiten, sämtliche Textilien, die Löcher hatten, wurden gestopft.

Ein Loch, drei Stunden

Über 15 Jahre hatte sie einen Laden mit Änderungsschneiderei — „Die Laufmasche“. Der Name ist geblieben, nun bietet sie die Fertigkeiten im Nebenerwerb bei sich zu Hause an. Sie könne alles reparieren, was zu reparieren sei — doch nicht alles sei unsichtbar. „Ich bin wie ein Chirurg, es bleibt immer eine Narbe“, erklärt sie. Voraussetzung beim Kunststopfen ist es, Fäden aus dem Saum oder den Nähten ziehen zu können. Mit diesen wird dann das Loch geschlossen. „Das funktioniert wie weben“, so Adelheid Maschmann. Je nach Gewebeart werden unterschiedliche Stopfstiche verwendet.

Zuerst werden die parallel nebeneinanderliegenden Kettfäden gezogen, dann die Stopfarbeit um 90 Grad gedreht und anschließend die Schussfäden dem Muster entsprechend gearbeitet. „Zum Schluss werden Anfang und Ende der Fäden auf die Innenseite des Kleidungsstücks gezogen, dort bleiben sie weiterhin sichtbar. Doch das Loch auf der Vorderseite ist gestopft“, erklärt die mehrfache Großmutter.

Kunststopfen erfordert vollste Konzentration, schließlich soll das Gestopfte nicht auffallen. Bis zu drei Stunden kann das Schließen eines Loches dauern.

Kunststopfen und Repassieren wird nur noch selten angeboten und wird wenig nachgefragt. Der Trend geht zum Wegwerfen. Billig hergestellte Kleidung zu reparieren, lohnt sich nicht. „Das ist bei teurer Kleidung anders, die kunstvoll zu reparieren, lohnt sich noch immer.“ Und so kommen Päckchen aus der gesamten Bundesrepublik und dem angrenzenden Ausland zu Adelheid Maschmann: die teure Anzugshose, ein Wollrock oder Kleid. Den Lieblingsteddy ihres Mannes hat sie ebenso geflickt wie ein Sofa oder Stuhlbezüge. Einziges Problem sind die immer feiner werdenden Stoffe. „Die sind empfindlicher und schneller kaputt. Doch man kann nicht so fein stopfen, wie der Stoff gewebt ist. Das ehemalige Loch erscheint dann wie ein Fleck.“ Baumwollkleidung und grobe Wollgewebe stopft Adelheid Maschmann auch mit der Nähmaschine. Und so zeigt sie schnell, wie sie das Loch in der Kinderstrumpfhose der Enkelin schließt, der große Zeh hatte durchgeschaut. Auch hier nutzt sie das Webverfahren.

Unterschiedliche Garne sind an der Wand aufgereiht. „Mein Bestand nimmt ab, es gibt kaum noch Hersteller von dünnen Nylon-Stopfgarnen“, sagt Adelheid Maschmann. Eine riesige Garnspule in schwarz hat sie vor sich stehen. „Das reicht noch für einige Leben", scherzt sie. Um das Garn, dünn wie Menschenhaar, handhaben zu können, wickelt sie es per Hand auf kleine Garnrollen. Viele hautfarbene Nylongarne hat sie, die braucht sie für das Repassieren von Strümpfen und Strumpfhosen. „Billigware stopfe ich nicht, doch teure Feinstrumpfhosen oder Kompressionsstrümpfe bekomme ich häufig.“ Auch Netzstrumpfhosen und sexy Beinkleider kommen ihr unter die Finger.

3000 Nadelstiche pro Minute

Über einen Metallzylinder hat sie eine Nylonstrumpfhose gespannt. Drei Laufmaschen fast über das gesamte Bein sind so eindeutig zu sehen. Den Riss hat sie bereits per Hand genäht, die sogenannte Raupe (ähnelt einem Webfehler) ist so entstanden. Hieran werden die aufgenommenen Laufmaschen im letzten Schritt genäht. Mit der Repassiernadel sticht sie in die letzte intakte Schlaufe vor der Laufmasche und tritt das Pedal. Der Elektromotor beginnt zu surren und die Nadel bewegt sich wie bei einer Nähmaschine auf und ab, bis zu 3000 Mal in der Minute. Kaum für das menschliche Auge sichtbar. Und so gleitet die Nadel über das Gewebe und nimmt die Laufmasche Reihe für Reihe auf. Der feine Luftstrom erleichtert das Greifen der einzelnen Reihen. Wie bei heruntergefallenen Maschen bei selbstgestrickter Kleidung, die mit einem Häkelhaken aufgenommen werden. „Strümpfe zu reparieren, geht schnell und macht Spaß. Ich wäre gern bereit, jemandem die Kunst des Repassierens beizubringen“, sagt Adelheid Maschmann. Denn es wäre schade, wenn diese Fertigkeit verloren ginge.

Wer Löcher zu stopfen oder Laufmaschen zu reparieren hat, kann sich an Adelheid Maschmann unter Telefon 04193/78525 oder E-Mail an die-laufmasche @web.de wenden.

Von Silvie Domann

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