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Segeberg Maisernte: Maschinen stecken fest
Lokales Segeberg Maisernte: Maschinen stecken fest
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09:49 18.10.2017
Leeres Fahrerhaus: Der Häcksler macht Pause auf dem Acker. Das Schneidwerkzeug liegt auf. Quelle: Fotos: Irene Burow
Negernbötel

Die Sonne steht noch tief und blinzelt rötlich durch den Morgennebel. Trockene Maispflanzen rascheln leise im Wind. Sie stehen Reihe für Reihe, und nur ganz wenige Blätter sind noch grün. Die meterhohen Gewächse schimmern inzwischen in gelben, orangefarbenen und braunen Tönen. „Sie trocknen, es ist die beste Zeit zum Ernten“, sagt Sönke Reiners, der mit zwei weiteren Kollegen die Felder bewirtschaftet und die Biogasanlage Heidkaten betreibt.

Sönke Reiners sieht schwarz. So schwarz, wie der Boden, in dem sein Mais steckt. Der Landwirt aus Negernbötel will mit seinen Kollegen die goldenen Früchte ernten. Denn die Pflanzen stehen wie eine Eins, aber der schlammige Untergrund macht ein Durchkommen fast unmöglich.

Seit zehn Tagen läuft die Mais- ernte. Die Pflanzen sind gut gewachsen, die Erträge wären optimal. 60 Tonnen werden pro Hektar etwa gewonnen, der Zähler zeigt dafür eine Trockensubstanz von 35 Prozent an. „Ein super Wert“, so der 41-Jährige. Wäre er geringer, würde Silagesickersaft entstehen. Doch diese aggressive Flüssigkeit, die sich durch Beton und Asphalt fressen kann, möchten Landwirte vermeiden. „Aber das nutzt alles nichts, wenn man nicht ernten kann“, sagt Reiners. Derweil rauscht Landmaschine für Landmaschine an ihm vorbei. Der Häcksler steht nämlich im Kornfeld – er hat sich festgefahren, schon ganz früh am Morgen. Das Schneidwerkzeug liegt auf dem Boden auf, die Räder sind zur Hälfte im Boden versunken. Nichts geht mehr. Eigentlich sollten die Messer jetzt im Akkord die Maispflanzen dicht über dem Boden abtrennen, sie samt Kolben zerkleinern und in die mitfahrenden Wagen befördern. Die Maiskörner müssen aufgeschlagen sein, und das möglichst fein, so bringen sie die meiste Energie.

Stattdessen kommen aber erst mal zwei weitere Traktoren vom Hof und ziehen die beiden Häckselwagen aus tiefen Furchen. Dann geht es an den Häcksler selbst. Noch ein drittes schweres Gerät ist nötig:

Der Waldschlepper, mit dem das Material an der Biogasanlage zusammengeschoben und somit verdichtet wird. Sönke Reiners geht auf Sicherheitsabstand: Drei Maschinen, bei denen die Reifen im moddrigen Untergrund durchdrehen – ganz ungefährlich ist das nicht. Doch selbst so viel Kraft reicht nicht aus, den 18,5-Tonner zu bergen. Der Waldschlepper fährt sich auch noch fest. Das Ernte-Team um Lohnunternehmer Jörg Schöttler ist zur Zwangskaffeepause auf dem Acker gezwungen. „Andere formen Schneebälle, ich forme Schlammbälle“, witzelt er, und presst einen kreisrunden Ball in seinen Händen zusammen. „Das bringt alles nichts. Wir fordern jetzt ein Spezialunternehmen an, das die Maschine per Seilwinde herausziehen muss“, erklärt Sönke Reiners. Und während sie warten, schmunzeln sie über Kollegen: Denn die schicken Fotos und Videos von anderen Feldern – mit gleichen Situationen. „Das sieht im ganzen Land so aus. Einige sind in der Kartoffelernte und haben die gleichen Probleme mit den feuchten Böden“, sagt Reiners.

Der Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Segeberg, Hans-Georg Otten, kann nur bestätigen: „Die Stürme haben einige Pflanzen abgeknickt. Das ist aber nicht so gravierend. Die Befahrbarkeit ist vielerorts nicht mehr gegeben.“ Teilweise hätte es Niederschlagsmengen von bis zu 150 Liter auf den Quadratmeter gegeben. Von den nächsten zehn Tagen hänge viel ab, so Otten. Sollte es wieder regnen, könnten womöglich einige Schläge nicht abgeerntet werden. Und das soll etwas heißen: Denn Mais bilde die größten landwirtschaftlichen Flächen im Kreis. Sönke Reiners ist skeptisch: Zum Wochenende ist wieder Regen angekündigt. Und er hat noch mehrere Dutzend Hektar, insgesamt sind es 230, vor sich.

Video: www.ln-online.de/Videos

 Von Irene Burow

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