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„Man muss als Lehrer Kinder mögen, sonst wird das nichts“

Bad Segeberg „Man muss als Lehrer Kinder mögen, sonst wird das nichts“

Bernd Falkenhagen zieht nach zwölf Jahren in der Schule am Burgfeld Bilanz – Nachfolger Rüdiger Nelson bekommt den größten Schlüssel.

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Entspannt geht Schulleiter Bernd Falkenhagen (r.) in den Ruhestand. Den Schlüssel gibt er an Nachfolger Rüdiger Nelson.

Bad Segeberg. Auf dem Büroschrank von Bernd Falkenhagen liegt ein riesiger, schmiedeeiserner Schlüssel, der garantiert in kein Türschloss der Gemeinschaftschule Am Burgfeld passen dürfte, es sei denn, es gäbe hier noch ein geheimes Kellerverlies. Trotzdem wird der symbolische Riesenschlüssel neben dem „normalen Schlüsselbund“ morgen von dem nun pensionierten Schulleiter Bernd Falkenhagen in die Hände des neuen Chefs Rüdiger Nelson gehen. Der Stellvertreter ist, wie berichtet, zum neuen Rektor gewählt worden. Bis Mittwoch werden sie Details der Übergabe besprechen. Vorab erzählten beide den LN Grundsätzliches über den Lehrerberuf, über ihre kategorische Ablehnung einer Skateranlage auf dem Schulhof und Auswirkungen der jüngsten Politik.

LN-Bild

Bernd Falkenhagen zieht nach zwölf Jahren in der Schule am Burgfeld Bilanz – Nachfolger Rüdiger Nelson bekommt den größten Schlüssel.

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„Ich empfinde es als völlig schräge Nummer, dass die Stadt für ein Grundstück, das ihr gar nicht gehört, einen Bauantrag stellt.Bernd Falkenhagen

Schulleiter i.R.

Ab Donnerstag will Falkenhagen es nach zwölf Jahren Schulleitung dann so machen wie der frühere US-Präsident Dwight D. Eisenhower im Ruhestand. „Ich werde erst einmal einen Schaukelstuhl auf die Veranda stellen. Darin werde ich sechs Monate lang ruhig sitzen. Und dann werde ich ganz langsam anfangen zu schaukeln“, zitierte Falkenhagen lachend Eisenhower. Nein, ganz so wird es nicht. „Ich werde jetzt erst einmal meinem Sohn beim Hausbau helfen. Außerdem muss ich mein Motorrad wieder flottmachen.“ Surfen gehen möchte er auch mal wieder. Und Gartenarbeit stehe auch an.

Warum nicht weiter unterrichten, wie es einige Kollegen vormachen? Falkenhagen ist Mathe- und Physiklehrer, die sind extrem begehrt. „Man soll nie nie sagen, aber das kann ich meinen Kollegen nicht antun. Das wäre schlechter Stil, wenn ich hier als Lehrkraft zurückkehre.“ Diese Phase habe er abgeschlossen.

Warum wird man Lehrer? Lehrer seien „ein bestimmter Typus von Menschen“, meinen der alte und der neue Schulleiter. Menschen, die nicht mit anderen Leuten täglich in Konfrontation gehen wollen, die nicht gerne auf andere Menschen zugehen – ja die werden auch nicht Lehrer. Leider habe es vereinzelt Fälle gegeben, dass sich diese Menschen in Klassenräume verirrten – zu ihrem Unglück und auch zum Leidwesen der Schüler. Eigentlich wollte Falkenhagen Ingenieur werden, aber da kannte er einen, der jahrelang einsam an einem neuen Benzintank konstruierte. So ein Schicksal wollte sich Falkenhagen lieber ersparen, „mit Menschen zu arbeiten, ist für mich besser“, sagt er sich. Und Nachfolger Rüdiger Nelson plante – seine Eltern waren beide Lehrer – eigentlich erst den Journalistenberuf und entdeckte dann bei Praktika, dass ihm der Unterricht Spaß bringt. „Ich gehe gerne mit Kindern um, Schule macht Spaß.“

„Man muss als Lehrer Kinder mögen. Sonst wird das nichts.“ Und sich und sein Handeln immer wieder in Frage stellen. Tue ich das Richtige, wenn ich den Schüler nicht in die zehnte Klasse nehme?, nennt Falkenhagen ein Beispiel. Für Nelson ist klar, dass es heute nicht mehr so geht wie vor 50 Jahren, als man Schülern einen auf die Finger gab, wenn sie nicht wollten. Heute habe sich die Pädagogik gewandelt. Das sei der Trick, Schüler für Inhalte zu begeistern. Nelson: „Wir beide haben eine ähnliche Sicht auf Schule.“ Die Schule am Burgfeld habe sich in den vergangenen Jahren hervorragend entwickelt. „Ich werde jetzt nicht alles auf links drehen, wenn, dann soll nur behutsam geändert werden.“

Schwache Schüler brauchen Orientierung nach oben, sie müssen von starken Schülern lernen. „Die vier besten Abiturienten seien quasi Eigengewächse aus der Gemeinschaftschule am Burgfeld. „Darauf bin ich stolz“, sagt Falkenhagen. „Die Rückläufer vom Gymnasium sind nie spitze bei uns gewesen.“

Ein anderes Thema: Die Skaterbahn hat noch keinen Standort gefunden. Die Stadt hätte sie gerne direkt neben der Gemeinschaftsschule aufgestellt, die Baugenehmigung vom Kreis liegt vor. Doch die Schulkonferenz sprach sich dagegen aus. Wird sich das mit neuer Schulleitung ändern? Klares Nein. Falkenhagen: „Ich empfinde es als völlig schräge Nummer, dass die Stadt Bad Segeberg für ein Grundstück, das ihr gar nicht gehört, einen Bauantrag stellt. Das ist hier das Gelände des Schulverbandes.“ Der Lärm einer Skateranlage würde die Klassen bei der Arbeit stören. Nelson: „Auch bei mir als Schulleiter wird sich an diesen Argumenten nichts ändern.“

Wird sich die Entscheidung der Landesregierung, an Gymnasien jetzt wieder G 9 einzuführen, auf die Gemeinschaftsschule auswirken? Falkenhagen findet die Entscheidung „schade“. Das werde teuer für das Land, „mehrere Hundert Millionen Euro“, so schätzt er, müssten allein für mehr Lehrer ausgegeben werden. Und für Nelson ist klar, „dass wir uns jetzt noch mehr von der Arbeitsweise an den Gymnasien unterscheiden müssen“.

Wolfgang Glombik

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