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Man nannte sie „hässliche Schwestern“

Bad Segeberg Man nannte sie „hässliche Schwestern“

Noch bis zum Jahre 2004 standen am Bad Segeberger Bahnhof zwei Silotürme. Heute zeigen Luftbilder dort eine eher zweckmäßige Karton-Architektur.

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In der Ausstellung im Bad Segeberger Rathaus neben vielen anderen Luftbildern vertreten: Die „Schuhkartons“ am Nordbahn-Haltepunkt.

Bad Segeberg. Seit über einem Jahr gibt es den Bahnhof Bad Segeberg am Nordbahn-Haltepunkt. Auf dem Luftbild in der LN-Ausstellung im Bad Segeberger Rathaus sind die „Schuhkartons“ als architektonischer Sündenfall für jeden Betrachter zu sehen. Doch was sich dort früher an dieser Stelle als Wahrzeichen der Stadt präsentierte, war auch nicht gerade von Schönheit und Urbanität geprägt. Man nannte sie die „hässlichen Schwestern“. Die beiden ausgedienten Silo-Türme dienten nur noch Schwärmen von Stadttauben als Unterschlupf, die sich von den restlichen Getreidekörnern in den Betonbunkern nährten.

LN-Bild

Noch bis zum Jahre 2004 standen am Bad Segeberger Bahnhof zwei Silotürme – Heute zeigen Luftbilder dort eine eher zweckmäßige Karton-Architektur.

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Im Frühjahr 2004 rückte der Riesen-Abrissbagger von Unternehmer Bernd Grabowski den „Schwestern“ auf die Pelle. Es dauerte unerwartet lange, ja Monate, bis beide Damen, vor allem die große, zerbröselt waren und die Stadt eine halbe Million Euro ausgegeben hatte. „Warum haben Sie die Türme damals nicht gesprengt?“, fragten die LN den Abbruchexperten Grabowski. „Das durften wir nicht, das hat die Bahn nicht genehmigt.“ Man stelle sich vor, die Türme wären auf die Gleise gefallen. Stattdessen wurden die „Schwestern“ wie ein Schokoladen-Weihnachtsmann von oben abgeknabbert.

Grabowski biss sich fast die Zähne aus. „Wir hatten nicht damit gerechnet, dass bis in die Höhe hinauf so viel Moniereisen eingebaut waren.“ Deshalb musste Baggerfahrer Gerd Höhn mit dem Longfront-Bagger, der 41 Meter „Reichhöhe“ hatte, solange schuften. „Wir haben wieder Zoff mit den Weibern. Wie im richtigen Leben“, pflegte Höhn damals mit seinem Chef zu flachsen, wenn die „Knabberarbeit“ an den „Schwestern“ wieder mal so fruchtlos erschien.

„Das ist schon deprimierend. Man arbeitet zehn Stunden und sieht abends nicht, ob man etwas geschafft hat“, erzählte Höhn damals den LN. Viele Türme habe er schon zerlegt: „Aber so einen hatte ich noch nie“. Vor allem die große Hässliche hielt stand. Die Silo-Bauherren hatten in den Sechzigern unzählige Stahlmatten in den Beton eingelassen, als wollte sie es für die Ewigkeit bauen, oder das Ding sollte den Segebergern als Bunker dienen. Es herrschte immerhin „Kalter Krieg“.

Ende Mai müssten die Schwestern „gekillt“ sein gab Chef Grabowski Höhns Betonschere als Ziel vor. Doch auch mit Zehn-Stunden-Tagen kam der nur langsam voran. Der Zeitplan hielt nicht. Erst im Frühsommer 2004 hatte der Baggerfahrer die „hässlichen Schwestern“, dem Erdboden gleichgemacht.

Nach Monaten der Schufterei sollte dort ein schöner Bahnhof mit Service-Center und Fast-Food-Kette entstehen. Doch Pustekuchen. Die 500 000 Euro Abrisskosten, die die Stadt über Kredite finanzieren musste, belasteten den städtischen Haushalt noch fast zehn weitere Jahre. Der damalige Bad Segeberger Bürgermeister Hans-Joachim Hampel hatte gehofft, dass das Grundstück durch den Abriss der Türme besser zu vermarkten sei. „Ich bin froh, dass das Provisorium am Bahnhof bald zu Ende ist“, sagte er damals. Doch das Provisorium mit Bahnhofscontainern und leeren Flächen blieb. Auf dem eingezäunten Gelände in scheinbar bester Verkehrslage wuchsen Kamille und andere Wildkräuter. Investoren kamen einige, doch sie scheiterte schon in der Planungsphase an den architektonischen Vorgaben. Bis der eine Investor mit den „Schuhkartons“ kam.

Quiz zur Ausstellung „Segeberg von ganz oben“

Was stand bis zum Jahre 2004 noch auf dem Bahnhofsgelände? Nach der Lektüre des obenstehenden Artikels wissen Sie es jetzt ganz sicher: Die „hässlichen Schwestern“. Die Lübecker Nachrichten begleiten die Luftbildausstellung im Bad Segeberger Rathaus mit einem Quiz, bei dem Antworten auf fünf Fragen zu Bad Segeberg und Umgebung gefordert sind. Der Bad Segeberger Bahnhof ist nur eines von zahlreichen Motiven, bei denen die Stadt unter dem Motto „Segeberg von ganz oben“ zu sehen ist. Die Ausstellung ist bis zum 28. Oktober im ersten Obergeschoss des Rathauses zu sehen.

Die Öffnungszeiten: Montag bis Mittwoch 8 bis 16 Uhr, Donnerstag 8 bis 18 Uhr und Freitag von 8 bis 12 Uhr. Mitmachkarten zum LN-Quiz mit Preisen gibt es im Rathaus, im Ausstellungsraum (1. Stock) oder in der neuen LN-Geschäftsstelle in der Kurhausstraße 14.

 Wolfgang Glombik

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