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Segeberg Managementplan für das Moor
Lokales Segeberg Managementplan für das Moor
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00:41 02.07.2016
Im Nienwohlder Moor wird noch extensive Beweidung betrieben. Das Naturschutzgebiet soll in den kommenden Jahren wieder in seinen Ursprungszustand zurückgeführt werden. Quelle: Fotos: Domann

Wassertropfen perlen vom Sonnentaublatt, Kraniche krächzen in der Ferne, eine Kreuzotter aalt sich in der Sonne. Seit 1982 ist das Nienwohlder Moor ein Naturschutzgebiet. Die 398 Hektar große Fläche liegt auf dem Gebiet der Kreise Segeberg und Stormarn. Teile des Moores werden beweidet, es wird gejagt und dient der Naherholung. Im Rahmen der Natura-2000-Gebiete ist man bemüht, die Schutzgebiete in ihren natürlichen Zustand zurückzuführen. Einen Vorentwurf dieses Managementplanes stellten nun Angelika Bretschneider und Ines Winkelmann vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume knapp 100 Besuchern im Bürgerhaus Nahe vor.

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Naturschutzgebiet Nienwohld soll wieder in seinen natürlichen Zustand zurückgeführt werden.

Moorexpertin Angelika Bretschneider ging auf den derzeitigen Zustand des Moores ein: Bis 1978 wurde es maschinell abgetorft, die Fläche habe sich gut entwickelt. Es gibt einen kleinen Bereich Hochmoor mit den typischen Torfmoosen, etwas Niedermoor und verschiedene große Bereiche mit Pfeifengras, Birken und Fichten, die nicht unbedingt erwünscht sind. Seltene Tiere wie Moorfrosch und Kreuzotter sowie Pflanzen wie Sonnentau und Moosbeere sind heimisch. Fauna und Flora müssten erhalten bleiben, denn es gilt das Verschlechterungsverbot. So sind Erhaltung, Renaturierung und Klimaschutz die großen Ziele. „Der Klimawandel macht sich auch im Moor bemerkbar, es wird dort wärmer und weniger Wasser ist vorhanden“, so Angelika Bretschneider. Torfmoose in einem intakten Moor binden Kohlendioxid, fallen die Moore trocken, wird CO2 auch wieder abgegeben. Einige Vernässungsmaßnahmen sind bereits erfolgt, auch hat man versucht, Birken zurückzuschneiden.

Da noch nicht die gesamte Moorfläche bodenkundlich hydrogeologisch kartiert ist, wird der Managementplan einen Auftrag für diese Untersuchungen beinhalten. Dazu kommen Maßnahmen wie Damm-Ausbesserungen, Waldzonen in Trockenrasen umwandeln, unter anderem müssen alle Fichtenschößlinge per Hand herausgezogen werden. Auch der Punkt Jagd ist im Managementplan vermerkt. Die Untere Naturschutzbehörde sollten sich mit den Verpächtern an einen Tisch setzen und ein Jagdkonzept erarbeiten, so Angelika Bretschneider.

Im Rahmen des Managementplanes wird ein öffentliches Beteiligungsverfahren durchgeführt. Der Entwurf des Planes ist im Internet unter http://umwelt.landsh.server. de/ herunterzuladen, die Schriftversion in den Ämtern Itzstedt und Bargteheide-Land einsehbar. Hinweise und Anregungen können bis zum 5. August beim Landesamt eingereicht werden.

Ein Augenmerk der Zuhörer lag auf einem Bohlenweg mit Aussichtsplattform im Moor. Eigentümer (etwa 200 Private, dazu kommen noch Gemeinden und Stiftung) von Moorflächen interessierte, was denn passiere, wenn der Eigentümer keine Maßnahme auf seinem Gebiet möchte. Es seien auch Vernässungen von Teilbereichen nötig, auch ein Ankauf von Flächen sei möglich, so die Antwort. Das sei auch ein Grund, die Kosten nicht einschätzen zu können. Der Managementplan und dessen Umsetzung würden einige Hunderttausend Euro kosten, wobei EU und Land Geldtöpfe dafür haben.

Die Zeit drängt

Natura 2000 ist das größte Schutzgebietsnetz weltweit. 25000 Gebiete gibt es in der EU, die entsprechen einer Fläche von 18 Prozent der Gesamt-EU-Fläche. 5000 Schutzgebiete befinden sich in Deutschland, die etwa 15 Prozent der Gesamtfläche belegen.

In Schleswig-Holstein stehen 311 Gebiete unter Schutz, darunter 271 FHH-Gebiete und 46 Vogelschutzgebiete. Der Anteil an der Gesamtfläche beträgt etwa neun Prozent. Das sind 156000 Hektar Landfläche und 765000 Hektar Meeresfläche.

Bis Ende 2017 müssen sogenannte Managementpläne für die Natura-2000-Gebiete abgeschlossen sein. Derzeit sind 279 Pläne fertig, an 141 wird noch gearbeitet. Die Differenz zu 311 liegt an einer Aufteilung einiger Schutzgebiete, sodass für jeden Teilbereich ein Managementplan erstellt werden muss. sd

 Silvie Domann

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