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Segeberg Managementplan unter Zeitdruck
Lokales Segeberg Managementplan unter Zeitdruck
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22:51 05.07.2018
„Ich bin gespannt, wie das hier durchgepaukt wird.Alfred Ortmann (Nabu)
Bad Segeberg

Es sollte Mittwoch im Bürgersaal der Startschuss der Managementplanung für das Flora-Fauna-Habitat Segeberger Kalkberghöhlen sein. Zusammen mit der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises will das Umweltministerium den von der EU geforderten Plan für die Höhlen im europaweiten Schutzgebietsnetzwerk „Natura 2000“ selbst erarbeiten, quasi zur Chefsache machen. Unabhängigkeit und Fledermaus-Fachwissen ist hier gefordert, schließlich geht es darum, vielfältige Schutz- und Nutzungsansprüche aufeinander abzustimmen. Erstaunlich war nur, dass die anwesenden Vertreter des Ministeriums als auch Axel Timmermann als Leiter der Unteren Naturschutzbehörde – der offenbar die Hauptarbeit leisten soll – unisono bekannten, kein Fachwissen über Fledermäuse zu haben.

Es geht um einen Lebensraum „mit herausragender Bedeutung“ – und die Hauptbetroffenen interessiert es offenbar nicht. Das Umweltministerium startete die Managementplanung für die Segeberger Kalkberghöhlen – und die Kreisstadt war als Eigentümerin nicht vertreten.

Extrem geschützt

Die Segeberger Kalkberghöhle ist Deutschlands nördlichste Karsthöhle und beherbergt das größte bekannte Fledermausvorkommen Deutschlands. Bei der Fransenfledermaus soll es europaweit das größte sein. Die Höhlen haben große Bedeutung für verschiedene Fledermausarten, die zu schützen sind. Besonders Bechstein-, Teichfledermaus und das Große Mausohr.

In nur einem halben Jahr soll der Managementplan für Deutschlands wichtigstes Winterquartier (30 000 Tiere) für Fledermäuse aufgestellt werden. Alfred Ortmann vom Naturschutzbund (Nabu) zu den LN:

„Ich bin gespannt, wie das durchgepaukt wird.“ Hans-Joachim Kaiser vom Umweltministerium bekannte: „Wir haben ein bisschen Zeitdruck.“ Denn die Bundesrepublik hat ein Vertragsverletzungsverfahren der EU am Hals, weil es die Managementpläne für die europaweit wichtigen FFH-Gebiete „nicht zeitgerecht“ umgesetzt habe, so Kaiser. Jetzt soll es die Zusage geben, spätestens im Jahr 2020 sämtliche Managementpläne für Deutschland abzuschließen. Und Schleswig-Holstein will es noch bis zum Ende dieses Jahres bei seinen verbliebenen zehn von insgesamt 311 Natura-2000-Gebieten noch schaffen. Das habe man schon zugesagt, betonte Kaiser. Das Umweltministerium habe diesen Plan für die Gipshöhlen übernommen, auch um das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) zu entlasten. Zu dem zu untersuchenden Gebiet gehören nicht nur die Höhlen, sondern auch der Kleine Segeberger See.

Es gehe jetzt nur darum , das Verfahren vorzustellen, teilte Kaiser mit. Man werde beim Managementplan mit den Nutzern und Fledermausschützern sprechen. Im Fokus bei der Planung sind vor allem die besonders seltenen Arten Bechsteinfledermaus, Teichfledermaus und Großes Mausohr. Auch der Höhlenkäfer – er lebt vom Fledermauskot – ist Bestandteil der Untersuchung.

Notwendige Erhaltungsmaßnahmen und Erhaltungsziele sind Themen. Die jetzige Nutzungen würden nicht als unverträglich eingestuft, als Ziel wird aber auch der Verzicht auf eine Intensvierung der touristischen Nutzung hervorgehoben, heißt es bei der Planung. Die Höhlen an sich seien geschützt.

Axel Timmermann, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde kündigte an, sich mit Stadt und Karl-May-Spielen zusammenzusetzen. Auch seien „Fledermausrunden“ mit örtlichen Experten geplant. Planung und Umsetzung sollen wenn möglich „gekoppelt“ werden. „Ich bin außerordentlich enttäuscht, dass weder Vertreter der Stadtverwaltung noch irgend ein Politiker bei Veranstaltung dabei war“, sagte Alfred Ortmann.

Stefan Lüders, beim Nabu zuständig für Fledermäuse, ist skeptisch, ob ein Managementplan ohne Datenbasis für jede Art, die am Kalkberg lebt, überhaupt aufgestellt werden kann. Zu der Erreichbarkeit der Höhlen gehöre auch die ganze Thematik Stadtentwicklung. Die wichtigsten Hauptrouten der Fledermäuse zum Berg gehörten in diesen EU-Plan hinein, fordert er. Es sei wichtig „Tabuzonen“ zu benennen und sie von Bebauung und Beleuchtung freizuhalten. Dazu müsste auch der Radius für den Untersuchungsraum festgelegt werden werden. Auch die Karl-May-Spiele seien bei dieser Untersuchung nicht unantastbar. Die Belastung durch Pyrotechnik müsste am Kalkberg untersucht werden. Es sei die Frage, was da alles an Feinstaub und Giftstoffen auf dem Naturdenkmal so niedergehe.

Gerade weil so viele Nutzungen involviert seien „ist es sinnvoll, unabhängige Fachleute heranzuziehen“.

Wolfgang Glombik

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