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Segeberg Marlis Kerschbaumer: Seit drei Jahrzehnten im Oersdorfer Atelier
Lokales Segeberg Marlis Kerschbaumer: Seit drei Jahrzehnten im Oersdorfer Atelier
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13:26 10.07.2016
Marlis Kerschbaumer stellt ihre Staffelei auch schon mal in den Oersdorfer Garten. Quelle: Fotos: Kullack (2)

Die beiden Töchter sind längst aus dem Haus, die Bäume ringsherum erheblich gewachsen – ja, auch an solchen Dingen merkt man, wie die Zeit ins Land gegangen ist. Aber Malerin Marlis Kerschbaumer kann kaum glauben, was ihr in diesem Sommer widerfährt: Ihr Atelier in Oersdorf geht ins 30. Jahr. Gut, da ist Zeit vergangen – die Schaffenskraft der nun bald 75-jährigen Künstlerin, die ursprünglich aus Hamburg stammt, ist dagegen ungebrochen.

Zum dritten Mal beteiligt sich die Malerin an den SE-Kulturtagen – Für den aktuellen Zustand unserer Welt ist für sie eher das Abstrakte da.

„Auf der Welt geschieht so viel Verdrehtes – das ist

nicht die Zeit für Blumen-Aquarelle.“ Marlis Kerschbaumer

„Triumvirate“ sind ihr Markenzeichen: Jeweils drei Rötelkreide-Porträts von Prominenten auf einem Blatt. Gerade ist ein neues fertig geworden, Marlis Kerschbaumer nennt es „Die Architekten der Bundesrepublik“: Konrad Adenauer führt das „Triumvirat“ an, der erste Nachkriegskanzler und Vater der Aussöhnung mit dem Westen. Unten dann Willy Brandt, der die Wälle zwischen Ost und West zerbröseln ließ bis, anderthalb Jahrzehnte nach seiner Kanzlerschaft, das zusammenwachsen konnte, was zusammengehört. Dazwischen Richard von Weizsäcker, neben Theodor Heuss der einzige Bundespräsident mit zwei vollständigen Amtszeiten und zuvor Regierender Bürgermeister von Berlin.

Die „Triumvirate“ begleiten Marlis Kerschbaumer seit 1990. Erfinder und Entdecker waren dabei wie das Blatt mit Leonardo da Vinci, Columbus und Einstein. Menschenrechtler und Humanisten mit Albert Schweitzer, Mahatma Gandhi und Mutter Teresa. Oder die Maler Pablo Picasso, Paula Moderson-Becker und Horst Janssen.

Mit den „Drei Waisenkindern aus Malawi“ startete sie 2003 eine erfolgreiche Unicef-Aktion, und im November 2015, als Altkanzler Helmut Schmidt starb, präsentierte Marlis Kerschbaumer in den LN ihr Porträt des großen Hamburgers – von ihm persönlich signiert.

Doch auch wenn die Rötel-Porträts den Großteil ihrer Auftragsarbeiten ausmachen („Vor allem Kinder“) legt Kerschbaumer Wert darauf, auch drei andere Techniken ständig am Leben zu erhalten: lavierte Federzeichnungen für filigrane Arbeiten, Tempera für alle möglichen Motive und das schnell zu verarbeitende Acryl, das die Oersdorferin vor allem für abstrakte Bilder einsetzt. Und mit ihrer abstrakten Sicht auf die Dinge („Oft sehe ich meine Umwelt abstrakt und möchte sie dann malen“) skizziert sie auch das Kritische an unserem Planeten, der sich nicht immer so entwickelt wie es humanistische Ideale vorgeben: „Bewegte Welt 1 und 2“ heißen zwei neue Acrylbilder dieser Art. Kurse bietet die 75-jährige Malerin nicht mehr regelmäßig an, aber zum dritten Mal bietet sie bei den SE-Kulturtagen (17. September bis 9. Oktober) ihr offenes Atelier an. „Da wird es Bilder aller meiner Stilrichtungen geben“, verspricht die Malerin.

Offenes Atelier im Rahmen der SE-Kulturtage am Sonnabend, 24. September, von 10 bis 22 Uhr in Oersdorf, Lerchenweg 3. Mehr unter www.atelier-kerschbaumer.de

Ausstellungen auch in Warschau und München

Marlis Kerschbaumer

1941 geboren in Hamburg.

1958 Kaufmännische Ausbildung, Tätigkeit als Sekretärin und Büroleiterin.

1970 – 71 Studien beim Hamburger Kunstmaler Erich Wessel, später fortgesetzt bei Walter und Erdmute Heindorf (Bildhauerin).

seit 1988 regelmäßige Studien an der Akademie Sankelmark und auf dem Scheersberg.

1995 - 99 Dozentin der Volkshochschule Kaltenkirchen. Ab 1997 monatliche Kurse im eigenen Atelier, ab 2006 Dozentin von Malseminaren auf dem Scheersberg.

seit 1980 zahlreiche Einzelausstellungen und -beteiligungen, unter anderem in der Galerie Mensch und im Jahreszeiten-Verlag, Hamburg.

2002 Vier Städte-Ausstellung in Drawsko Pomorski.

2005 Ausstellung Goethe-Institut Warschau und München.

 Lothar Hermann Kullack

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