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Segeberg Medien-Training für Viertklässler
Lokales Segeberg Medien-Training für Viertklässler
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21:59 04.07.2017
Die Neuengörser Grundschüler aus der 4a wissen bereits viel über Smartphones und Tablets, fast jeder besitzt eines. Bevor sie nun die Schule wechseln, durften sie in der Jugendakademie an einem zweitätigen Workshop rund um den Umgang mit Medien teilnehmen. Quelle: Foto: Materne
Bad Segeberg/Neuengörs

Bereits in der Grundschule besitzt der Großteil der Kinder ein Handy oder Smartphone. 71 Prozent sind es bei den Zehn- bis Elfjährigen laut der KIM-Studie 2016 (Kindheit, Internet, Medien) zur Mediennutzung Sechs- bis 13-Jähriger. „Inzwischen haben fast alle Schüler eines“, bestätigt Alexandra Schmidt aus ihrer Klasse der 4a der Grundschule Neuengörs.

Der Großteil besitzt bereits ein Smartphone – Grundschule Neuengörs ist Vorreiter.

„Inzwischen haben fast alle Kinder ein Smartphone. Deshalb schulen wir die Kinder schon jetzt. Ein Training erst in der fünften Klasse ist zu spät.

Alexandra Schmidt

Klassenlehrerin 4a der Grundschule Neuengörs

Medienkompetenz-Training, das in der Regel erst in der fünften und siebten Klasse angeboten werde, komme zu spät, meint die Schule – und schickt ihre Viertklässler als erste Grundschule im Kreis zum Medienkompetenzseminar an die Jugendakademie.

WhatsApp, Clash Royal, Snapchat, Youtube, Instagram. . . auf einem Plakat haben die Zehn- und Elfjährigen eine Vielzahl von Programmen zusammengetragen, die sie kennen oder auch nutzen auf ihrem Handy oder dem Tablet PC. „Medien sind absolut omnipräsent“, sagt Jonathan Gleichmann, einer von vier Teamern für Kinder- und Jugendbildung, die die beiden vierten Klassen der Grundschule zwei Tage lang im Umgang mit Smartphone und Co. schulen. Selbst die Kleinsten seien heute in der Lage, die Smartphones ihrer Eltern zu entsperren und durch die Bildergalerie zu scrollen. „Das ist faszinierend, so viele Seiten hat kein Bilderbuch“, erklärt Medienpädagoge Christoph Maibaum.

In der Arbeit mit den Schülern sollen Medien aber nicht verteufelt werden. „Sie bringen uns auch etwas, machen Spaß“, so Maibaum. Man kann mit Freunden in Kontakt stehen, egal wo man gerade ist, oder den Eltern im Notfall Bescheid geben – wie die Kinder herausgearbeitet haben. „Wir wollen den Kindern auf spielerische Weise erklären, auf was sie achten müssen“, verdeutlicht Alvina Kindler: Mit wem werden Nachrichten, Fotos und Videos geteilt – gerade in Bezug auf soziale Netzwerke und Messenger-Dienste; was gebe ich von mir preis – Bilder im Netz sind nie mehr vollständig zu löschen; eigene Daten und Passwörter sollten nicht weitergegeben werden.

Ein anderes Beispiel: Youtube. Ein Drittel der Sechs- bis 13-Jährigen nutzt die Videoplattform regelmäßig, 17 Prozent sogar fast täglich. „Youtube-Stars sind Vorbilder für die Kinder“, sagt Ina Mommsen. Den Video-Kanal Bibis Beauty-Palace etwa kennen mehrere Mädchen der Neuengörser Grundschule – ebenso den Duschschaum, den „Bibi“ nebenbei in ihre Webcam hält, verdeutlicht Mommsen. Auch Schleichwerbung ist Thema im Workshop mit den Kindern.

Oder Videospiele für das Handy, die besonders Jungs interessieren: Sie wirken oft kostenlos. „Um schneller voranzukommen, kann man sich mit echtem Geld Vorteile im Spiel erkaufen“, nennt Maibaum einen weiteren Fallstrick, wenn aus Versehen Geld dafür ausgegeben wird. Hier müssten auch die Eltern aufpassen, dass die Einstellungen im App-Store passen.

Es seien die Eltern gewesen, die sich das Medien-Training für ihre Kinder gewünscht haben, schildert Klassenlehrerin Schmidt. Einstimmig sei die Abstimmung gewesen. Manche Eltern fühlten sich mit dem Thema überfordert. Zumindest gibt es jede Menge Gesprächsbedarf bei den Eltern: „Wir hatten einen Infoabend im Vorfeld“, berichtet Maibaum. „Der war auf eine Stunde angesetzt, daraus geworden sind drei.“ Die vier Pädagogen finden es richtig, schon mit Grundschülern über das Thema Medien zu sprechen. „Dann können wir wirklich präventiv arbeiten“, sagt Alvina Kindler. Bevor die Kinder unangenehme Erfahrungen mit Smartphone und Internet machen.

So nutzen Kinder ihr Handy

Handys und Smartphones sind fester Bestandteil im Alltag von Kindern. Bereits im Alter von sechs und sieben Jahren besitzen 12 Prozent der Kinder ein eigenes laut KIM-Studie 2016 (Kindheit, Internet, Medien) vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest, der 1229 Kinder zwischen sechs und 13 Jahren zu ihrem Medienverhalten befragt hat. Bei den Acht- und Neunjährigen sind es 38, bei den Zehn- und Elfjährigen schon 71 Prozent, 80 Prozent bei den 12- bis 13-Jährigen.

59 Prozent der Kinder betrachten das Smartphone als regelmäßige Freizeitaktivität, 38 Prozent verschicken täglich Nachrichten, die Hälfte spielt regelmäßig Spiele damit und macht Fotos oder Videos. Auf Youtube sind 33 Prozent der Kinder unterwegs. Der Konsum steigt mit dem Alter, bei den 12- und 13-Jährigen sind es bereits 66 Prozent.

 Nadine Materne

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