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Segeberg Mehr Abiturienten: Neue Schlupflöcher zur Oberstufe
Lokales Segeberg Mehr Abiturienten: Neue Schlupflöcher zur Oberstufe
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20:16 08.07.2017
„Mit einer Ehrenrunde versuchen Schüler einen besseren Abschluss zu bekommen.“Jürgen Hübner Schulrat

Wie entwickelt sich die Schullandschaft im Kreis Segeberg? Welche Bildungsgänge an allgemeinbildenden Schulen sind im Aufwind, welche auf dem absteigenden Ast? Das ganze Zahlenwerk untersucht der Kreis jetzt vor möglichen neuen Umwälzungen, wenn aus G8- demnächst G9-Gymnasien werden sollten. Diese Möglichkeit sieht der „Jamaika“-Koalitionsvertrag der neuen Landesregierung so vor. Laut Moritz Lorenzen vom Kreis-Bildungsmanagement, der die Zahlen kürzlich der Kreispolitik vorstellte, wird deutlich, dass die Anmeldezahlen an Gemeinschaftsschulen mit Oberstufen zurzeit noch steigen, sich aber die Gemeinschaftsschulen, ohne die Möglichkeit hier das Abitur zu machen, eher im Sinkflug befindet.

Der Anteil der Gymnasiasten an den Schülern im Kreis lag im Schuljahr 2016/17 bei 44,1 Prozent. Bei Analyse der Statistiken wird deutlich, dass der Trend immer mehr dahin geht, länger an der Schule zu bleiben, um dort einen höheren Bildungsabschluss anzustreben. Tatsächlich ist der Weg zum Abi leichter geworden. Wer beim mittleren Bildungsabschluss überall „Dreier“ hat und nur eine Note vier – zum Beispiel im Fach Musik – darf zur Oberstufe. Dennoch liegen hier noch Welten zwischen Hamburg und dem Umland. Im Kreis Segeberg lag der Anteil der Abiturienten 2016 immer noch ein Prozent unter dem Landesdurchschnitt bei 32,7 Prozent. Nebenan in Hamburg lag die Quote im vergangenen Jahr bei 58,4 (!) Prozent.

Fast jeder kann eine schöne Geschichte beisteuern, wie ein vermeintlicher Schulversager, in diversen Bundesländern gescheitert, in Hamburg plötzlich ein brillantes Abitur hinlegt. Aber um das Reifezeugnis zu bekommen, wird auch im Kreis getrickst – aber legal. Segebergs Schulrat Jürgen Hübner: „Es ist leider festzustellen, dass viele Schüler bei uns die Besonderheiten der Gemeinschaftsschulordnung nutzen und versuchen mit einer Ehrenrunde im zehnten Schuljahr einen besseren mittleren Bildungsabschluss zu bekommen.“ Die zehnten Klassen werden also nicht so schnell leer, wie man denkt. Hier werden Schlupflöcher genutzt, um einen guten Abschluss zu bekommen. So fallen Schüler auch mal durch die Prüfung, um bei der Wiederholung einen besseren Schulabschluss zu bekommen. Das reize natürlich, so Hübner. So erreichten jetzt wesentlich mehr Schüler den Weg zum Abitur. Politisch ist das übrigens auch gewollt. Nur sprengt das jeden Stellenplan bei den Lehrkräften. Erleichtert ist Hübner darüber, dass es stabile Übergangzeiten von Klassenstufe vier nach fünf gibt. Da gebe es nur wenige Schüler, die auf Antrag der Eltern die vierte Klasse wiederholten.

In manchen Fächer seien kaum noch Lehrkräfte auf dem Markt. In Grundschulklassen werden schon Bachelorabsolventen, also Lehramtsstudenten, verschärft als Aushilfen eingesetzt. Gerade im Grundschulbereich gebe es großen Lehrermangel. Hübner: „Heute suchen sich die Lehrer ihre Schule aus, nicht umgekehrt.“ Hübner glaubt übrigens nicht, dass jetzt bei Einführung von G9 an den Gymnasien die jetzt noch aufstrebende Gemeinschaftsschule mit Oberstufe ins Hintertreffen geraten könnte. Die seien jetzt „gut verankert“ – auch wenn es bei vielen Eltern den Hang zum Gymnasium gebe. Auch sei längst nicht abgemacht, dass überall Gymnasien mit Turbo-Abi zu G9 wechseln. Hübner ist sicher: „Die Eltern wünschen sich nur eins: Schulfrieden und Stabilität.“

Wolfgang Glombik

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