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Mehr Geld, weniger Arbeitszeit beim WZV: Ver.di reicht das nicht

Bad Segeberg Mehr Geld, weniger Arbeitszeit beim WZV: Ver.di reicht das nicht

Gewerkschafter beharren auf eine Gleichstellung der Privat-Beschäftigten mit dem öffentlichen Dienst / WZV-Entsorgungs GmbH schließt sich dem Flächentarif an.

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Sie hoffen auf Betriebsfrieden mit den „Profis in Orange“: WZV-Chef Jens Kretschmer, die Vorsitzende der Verbandsversammlung Dr. Beatrix Klüver und Beiratsvorsitzender Gerd Lentföhr.

Quelle: Glombik

Bad Segeberg. Die Gewerkschaft Ver.di spricht von einem „Schlag ins Gesicht der Beschäftigten“, die Wege-Zweckverband Entsorgungs GmbH und Co. KG, das Tochterunternehmen des öffentlich rechtlichen WZV, hingegen von einem „Spagat zwischen Wirtschaftlichkeit und Mitarbeiterinteressen“. Es sei eine Kompromisslösung, dem Tarifvertrag der privaten Entsorgungswirtschaft beizutreten. Normalerweise jubeln Gewerkschafter, wenn Unternehmen dem Flächentarif beitreten, doch Ver.di hat vom Segeberger Entsorgungsunternehmen wesentlich mehr gefordert. Nicht mehr und nicht weniger als die Gleichstellung mit dem öffentlichen Dienst wegen der ohnehin bestehenden „Verzahnung“ zwischen öffentlich-rechtlichen Bereich (125 Mitarbeiter) und dem privaten Sektor des WZV (175).

„Das ist für unsere Kunden nicht zumutbar.“ Jens Kretschmer, WZV

Ihre Forderung auf den Punkt gebracht: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit.

Rund 1,4 Millionen Euro würde das pro Jahr an Mehrkosten verursachen. „Das ist für unsere Kunden nicht zumutbar“, sagte WZV-Chef Jens Kretschmer gestern. Dem WZV würden so zahlreiche Aufträge wegbrechen, und auch die privaten Haushalte als Abfallkunden hätten wohl kaum Verständnis für massive Entgelt-Erhöhungen, erklärte er in einer eilends einberufenen Pressekonferenz. Für Kretschmer würde das in der Konsequenz auch Arbeitsplätze kosten. Daher habe die Gesellschafterversammlung sich dafür entschieden, Mitglied im Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft (BDE) zu werden. Das kleinere Übel. Jahrelang habe man sich an deren Tarifvertragabschlüsse „angelehnt“, jetzt gelte für die Beschäftigten der normale Flächentarifvertrag. Mit Vorteilen: Für die etwa 175 Mitarbeiter gilt nun eine 38-Stunden-Woche statt der bisherigen 40-Stunden. Es gibt mehr Urlaub, Gehaltssteigerungen werden auf insgesamt über 200 000 Euro beziffert.

WZV-Justitiar Nis Nissen sprach von einer „erheblichen Verbesserung“. Keiner werde schlechter gestellt, versicherte er.

Ob die Müllgebühren durch die Personalkostensteigerung zulegen werden, konnte Kretschmer noch nicht sagen. Da gingen noch andere Faktoren mit ein. Grund für den plötzlichen Anschluss an den BDE-Tarifvertrag seien Streikdrohungen der Gewerkschaft in den Verhandlungen gewesen. Ver.di habe sich beim Bundesvorstand die Freigabe für Arbeitskampfmaßnahmen geholt. Nissen: „Unsere Haustarifverhandlungen sind damit heute beendet. Jetzt gilt der Flächentarifvertrag.“ Die nächste Tarifrunde soll schon im März zwischen BDE und Ver.di starten.

Doch die Gewerkschafter wollen nicht locker lassen. Fachbereichssekretär Andreas Wübben spricht zwar von einem Teilerfolg, aber: „Wir fühlen uns verarscht! Erst hat es Tarifverhandlungen gegeben, dann schließt sich der WZV plötzlich dem BDE an.“ Das hätte man so schon vor Jahren machen können, „dann wäre die Situation jetzt nicht so angespannt“. Wübben („So ein Modell gibt es in ganz Norddeutschland nicht“) findet es „rechtlich fragwürdig“, wenn Mitarbeiter mal für den WZV, mal für dessen Tochter-GmbH arbeiteten. Ver.di werde rechtlich prüfen lassen, ob es sich hier um Arbeitsverhältnisse handele, die schon lange beim Wege-Zweckverband angesiedelt sein müssten. WZV-Verbandsvorsteher Jens Kretschmer wies darauf hin, dass man an einer neuen Organisationsstruktur arbeite. An dem System werde etwas geändert, unter anderem das europäische Beihilferecht zwinge dazu, hier umzudenken, betonte er.

Von Wolfgang Glombik

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