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Segeberg Naturschutz: Wohlfühlraum für Otter und Co.
Lokales Segeberg Naturschutz: Wohlfühlraum für Otter und Co.
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23:12 12.02.2019
Victor Reinhold (29) vom Otterzentrum Hankensbüll (Niedersachsen), Dr. Björn Schulz (45, Stiftung Naturschutz) und Amphibienexperte Wolfgang Lenschow (53, v. l.) von der dänischen Firma Amphiconsult auf dem Gelände nahe der Brandsau. Quelle: Heike Hiltrop
Negernbötel/Hamdorf

 Ein paar sanfte Hügel, Sandlinsen, prägen die Landschaft zwischen der Autobahn 21 und Hamdorf. Die Brandsau fließt hier entlang. Ein großer Teil der Flächen hier wird landwirtschaftlich intensiv genutzt. Auf sechs Hektar nahe der sogenannten Hamdorfer Binnendüne, einem bereits bestehenden Naturschutzgebiet, soll das nach jahrelanger optimierter Grasproduktion nun anders werden. In einem gemeinsamen Projekt mit dem Otterzentrum Hankensbüll und unter Mitarbeit der dänischen Firma Amphiconsult will die Stiftung Naturschutz neuen Lebensraum für Amphibien und Fischotter, deren Nahrungsgrundlage sie sind, schaffen. Knapp 100 000 Euro investiert die Stiftung dafür.

Mehr als 100 Quadratmeter hat ein Bagger schon von der Grasnarbe abgeschoben mitten auf dem im vergangenen Jahr gekauften Gelände. Nach kurzem Graben war man an dieser Stelle bei Tests auf mageren Sand und Grundwasser gestoßen. Ein idealer Platz, um hier ein flaches Gewässer anzulegen. Das mag die Kreuzkröte besonders, denn der erwärmt sich schnell. Einen kurzen Spaziergang weiter sind Kleingewässer und Flutmulden geplant. Denn Knoblauchkröte, Moorfrosch und andere seltene Amphibien, die auf der Speisekarte des Fischotters stehen, sollen hier wieder heimisch werden. Sind sie da, fühlt sich auch der Wassermarder wohl, so das Kalkül der Naturschützer.

Weide wird amphibienfreundliches Areal

„Wenn die ganzen Leckerbissen da sind, ist auch der Fischotter da. Es gibt ihn hier schon, aber wir wollen ihn dauerhaft. Der Otter-Tunnel unter der A 21 ist nicht weit. Dort haben wir seinen Kot gefunden. Ganz selten geht auch einer mal in eine Fotofalle“, sagt Projektleiter Dr. Björn Schulz von der Stiftung Naturschutz und watet in Gummistiefeln durch tiefe Grundwasserpfützen, die sich bereits gebildet haben. Einst war hier mooriges Gebiet, das Wasser der Brandsau konnte sich bei Überflutung ausdehnen. Doch Drainagen und Entwässerungsgräben haben das Gelände für die wirtschaftliche Ausbeutung trocken gelegt. „Es gibt Landwirte, die können sich noch daran erinnern, dass der Hügel da hinten nicht da war.“ Schulz erklärt, wie stark die Veränderungen durch menschliches Eingreifen waren. Die Torfschicht sei so stark geschrumpft und abgesenkt worden, dass sandige Flächen hervorgetreten sind. Außerdem habe dadurch nicht nur die Artenvielfalt hier gelitten, sonder es seien auch Mengen von Kohlenstoffdioxid (CO2) freigesetzt worden, ergänzt Amphibienexperte Wolfgang Lenschow. Er hat sich das Areal genau angesehen und ausgearbeitet, was zu tun ist. „Wir arbeiten für die Natur, machen nur das, was ihr guttut“, betont er. So wird alles, was Entwässerung bringt, zurückgebaut. Für einen feuchten Boden, neuen Lebensraum und weniger CO2-Emission.

Fischotter in Schleswig-Holstein

Seit einiger Zeit ist der Fischotter, der zu den stark gefährdeten Arten im Land zählt, wieder in Schleswig-Holstein heimisch. Die Stiftung Naturschutz schätzt, dass es hier mittlerweile eine Population im dreistelligen Bereich gibt – knapp 200 waren es 2016. Leider werden die Wassermarder auch Opfer im Straßenverkehr. Zehn hat das Landesamt für Straßenbau laut Naturschützern bereits in diesem Jahr tot von Norddeutschlands Straßen gesammelt.

Schon seit Jahren arbeitet die Stiftung Naturschutz an einem gut vernetzten Biotop-Verbund in Schleswig-Holstein. Dafür kauft die Stiftung landwirtschaftliche Flächen auf, die ihr angeboten werden. „Mit Zwang und Eile wird das nichts, auch wenn mit Blick auf das Artensterben Eile geboten ist“, sagt Björn Schulz. Der Landwirt aus Hamdorf hatte sein Gelände angeboten, weil er es nicht mehr intensiv nutzen konnte. Aus dem Aushub für die Gewässer werden Knicks angelegt, auentypische Gehölze sollen gepflanzt werden. Die Weiden sollen extensiv bewirtschaftet werden. Das heißt vielleicht ein oder zwei Schnitte im Jahr und das erst ab dem Sommer. Wichtig sei auch, dass keine Rohrkolben im Uferbereich der Gewässer wachsen. „Die sehen zwar für Menschen gut aus, aber die Tiere finden das nicht“, macht Björn Schulz klar, dass Kröten lieber freie Sicht mögen.

Heike Hiltrop

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