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Segeberg Mehr Stromtankstellen für wenig E-Autos
Lokales Segeberg Mehr Stromtankstellen für wenig E-Autos
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14:13 13.03.2016
Anfangs war Evelyn Krauß skeptisch wegen der Reichweite des Autos. „Aber das ist kein Problem. Es gibt so viele Ladestationen.“  Quelle: Materne

Ein leises Fiepen ertönt, wenn Eberhard Krauß im Carport seinen Elektrowagen an den Strom anschließt. „Naturstrom“, betont er. Ein Teil davon kommt von der hauseigenen Photovoltaikanlage. „Wenn das Kohlestrom wäre, bringt das ja nichts mit der CO2-Einsparung.“ Niedrigenergiehaus, Elektroauto — der 70-Jährige aus Kayhude und seine Frau Evelyn sind „Überzeugungstäter“. Und eine Minderheit. Das Ziel der Bundesregierung, bis 2020 eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen zu haben, scheint weit weg. 25500 sind es derzeit bundesweit. Im Kreis Segeberg sind zum Stichtag 31. Dezember 2015 gerade einmal 103 Elektroautos gemeldet. Dabei wächst die Infrastruktur für die E-Mobilität stetig im Kreis.

Derzeit überlegt die Gemeinde Schmalensee an der B 430 eine Ladesäule aufzustellen. Gefördert vom Kreis, wie Klimamanager Heiko Birnbaum bestätigt. Die Bundesstraße zwischen Plön und Neumünster sei stark frequentiert, ein günstiger Standort. 4000 Euro stellt der Kreis für den Ausbau des Ladenetzwerkes in diesem Jahr zur Verfügung. 2015 waren es 10000 Euro. Die Summe sei auch nahezu komplett verbraucht worden. So wird demnächst am Erlebniswald Trappenkamp eine Stromtankstelle aufgestellt. Außerdem in Hartenholm, Nahe, Stuvenborn und eine weitere in Norderstedt, zählt Birnbaum auf. 17 gebe es im Kreis, In Bad Segeberg sind es drei. Vor einem Jahr wurde die öffentliche Ladesäule vor dem Kreishaus in Betrieb genommen. „Seither haben wir über 100 Ladevorgänge registriert“, betont Birnbaum. Mehr als erwartet. Das Kontingent, das mit der EWS als Sponsor vereinbart wurde, sei bereits um mehr als 20 Prozent überschritten worden.

Einer, der hier sein Auto auflädt, ist Eberhard Krauß, Mitglied der Grünen im Kreistag. Er fährt einen Renault Zoe und schwärmt vom Fahrgefühl: „Wie der abgeht.“ Und so leise. Damit Fußgänger den Wagen bei langsamen Geschwindigkeiten bis 30 Stundenkilometern überhaupt hören, macht sich das Auto mit einem surrenden Geräusch bemerkbar.

Vor knapp fünf Jahren begann bei Krauß die Idee zu reifen, ein Elektroauto anzuschaffen. Als Teil einer Gesamtlösung mit Niedrigenergiehaus und eigener Energieversorgung. Das Haus wurde 2014 fertig in Kayhude. Dank Erdwärme und Sonnenenergie sei man zumindest zu 85 Prozent Stromunabhängig, so Krauß. Fehlte nur noch das Elektroauto. „Im Januar 2015 begann ich, alle meine Fahrten mit dem Benziner zu notieren“, erinnert sich Krauß. Das Ergebnis nach sechs Monaten: „Das hätte ich alles mit dem Elektroauto fahren können.“ Die meisten Fahrten bewegten sich zwischen 40 und 50 Kilometern Länge.

Doch selbst die weiteren Touren zum Oberverwaltungsgericht in Schleswig, wo Krauß ab und zu als ehrenamtlicher Richter im Einsatz ist, seien möglich. Dank E-Tankstelle vor Ort. „150 Kilometer schafft man im Sommer“, so Krauß. „Wenn es darüber hinaus geht, muss man aber planen.“

„Das ist aber kein Problem“, betont Evelyn Krauß. Sie sei zu Beginn die Skeptikerin gewesen. Ihre Sorge: Was wird aus den beliebten Fahrten an Nord- und Ostsee? „Aber es gibt wirklich so viele Ladesäulen“, sagt die 69-Jährige heute. Und wenn das Auto auf halber Strecke an der Steckdose hängt, gehe man halt einen Kaffee trinken. Das verlängert die Reisezeit natürlich um einiges, räumt Krauß

ein. Als Zweitwagen für Paare und Familien lohne sich ein Elektroauto aber allemal. Auch wirtschaftlich. Das E-Auto sei kaum teurer als ein neuer Kleinwagen. Zudem sei es die ersten zehn Jahre von der Kfz-Steuer befreit und viele Stromtankstellen seien kostenlos. Allerdings fällt bei Krauß‘ Auto eine monatliche Akkumiete von über 80 Euro an. Und in der Regel brauche man schon eine eigene Steckdose mit Starkstromanschluss zu Hause. „Das muss man sich schon leisten können“, weiß Kraus. Bei Verrechnung aller Ausgaben sei das Elektroauto vergleichbar mit einem kleinen Mittelklassewagen.

„Zehn Prozent der Deutschen könnten sich das mit Sicherheit leisten“, sagt er. Da sollte die Zielmarke von einer Million E-Autos eigentlich machbar sein.

Von Nadine Materne

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