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Segeberg Mehr Unfälle: Sind Handys Schuld?
Lokales Segeberg Mehr Unfälle: Sind Handys Schuld?
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21:24 08.03.2018
Auf der B 205 bei Rickling waren am 18. Dezember 2017 zwei Autos frontal zusammengestoßen. Drei Menschen wurden schwer verletzt. Quelle: Foto: Ln-Archiv
Bad Segeberg

Nach stetig steigenden Zahlen in den Vorjahren haben die Verkehrsunfälle im Kreis Segeberg ein neues Zehn-Jahres-Hoch erreicht. Wurden im Jahr 2008 noch 5912 Unfälle registriert, waren es 7817 im vergangenen Jahr – eine Steigerung um 32 Prozent in zehn Jahren. Zum einen liege das sicher an der höheren Zahl zugelassener Fahrzeuge, erklärt Kai Sievers von der Verkehrsunfallstelle der Polizeidirektion Bad Segeberg. Knapp 197000 waren es 2017 (2013: 182000). „Wir gehen aber auch davon aus, dass die größere Unfallhäufigkeit vor allem mit der Ablenkung durch Smartphones zu tun hat“, sagt Sievers. Die gute Nachricht dabei: Die steigenden Fallzahlen lägen in erster Linie an den kleineren Unfällen mit Sachschaden. Unfälle mit Personenschaden gingen von 1134 (2016) auf jetzt 1095 sogar leicht zurück.

196663 Fahrzeuge waren Ende 2017 im Kreis Segeberg zugelassen. Ende 2013 waren es laut Statistik des Kreises noch fast 15 000 weniger (181966).

Ablenkung wird in der Statistik der Unfallursachen wegen fehlender bundeseinheitlicher Regelungen zwar noch immer nicht erfasst. Sievers zufolge bleibt das für die Polizei aber „ein großes Thema“.

Immer häufiger würden die Kollegen zum Beispiel zu Unfällen gerufen, deren Zustandekommen mitunter kaum logisch nachzuvollziehen sei. „Dass ein Auto ,einfach so‘ in den Gegenverkehr gerät, ist jedenfalls schwer vorstellbar“, sagt Sievers. Aber natürlich würden Verursacher oder Verursacherin im Anschluss nicht zugeben, dass sie wegen einer WhatsApp-Nachricht oder dergleichen abgelenkt waren. Denn das könnte neben einer höheren Strafe auch das Erlöschen des Versicherungsschutzes bedeuten. So bleibe es allzu häufig bei der „ungeklärten Ursache“. Lediglich bei sehr schweren Unfällen würden Smartphones gerichtlich ausgewertet.

Die Bad Segeberger Polizeidirektion will den Kontrolldruck auf Handy-Sünder 2018 deshalb weiter hoch halten, kündigt auch Direktionsleiter Andreas Görs an. 2017 konnte die Polizei im Kreis bereits 1181 Anzeigen wegen Smartphone-Nutzung am Steuer schreiben. 2016 waren es mit 666 Anzeigen noch deutlich weniger.

Mehr Getötete im Straßenverkehr

Keine guten Nachrichten hält die Statistik bei den Unfallopfern bereit: 13 Menschen verloren 2017 auf den Segeberger Straßen ihr Leben – mehr als doppelt so viele wie 2016 (6). Im Zehn-Jahres-Vergleich war aber auch das nur der vierthöchste Wert. Der Negativ-Rekord wurde mit 19 Toten im Jahr 2012 verzeichnet. Bei den im Jahr 2017 Getöteten handelte es sich um sieben Autofahrer oder Beifahrer, zwei Fußgänger, zwei Motorradfahrer sowie jeweils einen Fahrrad- und Pedelec-Fahrer. Kinder zählten nicht zu den Todesopfern, jedoch wurden 124 unter 15-Jährige im Straßenverkehr verletzt, die Hälfte (62) von ihnen bei Fahrradunfällen. Insgesamt sank die Zahl der Schwerverletzten zwar leicht gegenüber dem Vorjahr – von 197 auf 183. In der Zehn-Jahres-Statistik war es aber noch immer der zweithöchste Wert. Leichtverletzte wurden 1260 gezählt (2016: 1289), der zweitniedrigste Wert innerhalb von zehn Jahren.

Ältere Fahrer verursachen

mehr Unfälle

Auffälliger werden in der Unfallstatistik Verkehrsteilnehmer über 65 Jahre. 357 Mal waren sie 2017 Unfallverursacher, bei steigender Tendenz (siehe Grafik). Die lange Zeit als Problemgruppe geltenden jungen Fahrer zwischen 18 und 25 nehmen sich beim Unfallgeschehen dagegen etwas zurück. 263 Unfälle gingen 2017 auf die Kappe der Jungen, wobei der Trend nach unten weist. Unfallstatistiker Kai Sievers hält das gleichwohl nicht für eine Aussage über ein verbessertes oder verschlechtertes Fahrverhalten bei Alten und Jungen, sondern eher für einen demografischen Effekt: „Auf den Straßen sind heute eben deutlich mehr ältere Verkehrsteilnehmer auch als Autofahrer unterwegs.“ Ein Führerschein sei bei Menschen jenseits der 65 heute eher die Regel als die Ausnahme.

Die Unfallstatistik im Netz:

http://bit.ly/2Hi7NU0

Oliver Vogt

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