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Segeberg Melanie - Segebergs einzige „Müllfrau“
Lokales Segeberg Melanie - Segebergs einzige „Müllfrau“
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14:29 06.08.2016
Seit April geht die 21-jährige Melanie Hauck aus Stuvenborn Müll sammeln und ist damit eine echte Exotin. „Eine Müllfrau hatte ich vorher auch noch nicht gesehen.“ Ein Grund für die ungewöhnliche Berufswahl. Pro Tag kippt sie etwa 500 Restmüll-Tonnen. Kein leichter Job. Quelle: Fotos: Materne

Groß, schlank, blonder, langer Pferdeschwanz. Melanie Hauck ist schon ein Hingucker. Doch nicht nur deshalb drehen sich in letzter Zeit oft die Menschen nach der 21-Jährigen um. Vielmehr, weil sie auf einem speziellen Fahrzeug durch Segeberg fährt: einem Müllfahrzeug.

 

"Meine Freunde dachten, ich mache Witze. Aber das ist ein wichtiger Beruf.“ Melanie Hauck, Müllwerkerin

„Wer ist denn die hübsche Praktikantin auf dem Müllwagen?“, fragte jüngst ein Anrufer in der WZV-Zentrale. Dass eine junge Frau diesen Job freiwillig macht, kann sich offenbar kaum jemand vorstellen. Kein Wunder: Die Stuvenbornerin ist die erste Müllwerkerin beim Wege-Zweckverband. „Vor vielen Jahren gab es mal eine Azubine, die hat aber nach ganz kurzer Zeit aufgegeben“, sagt Julia Büttner vom WZV. Melanie Hauck ist nun seit drei Monaten dabei. Und die Arbeit bringt ihr richtig Spaß, sagt sie. „Das war eine ganz spontane Idee.“ Bis zum Studium im Oktober wollte sie noch einmal was ganz Neues ausprobieren. Kurz zuvor war sie von einem Neuseeland-Aufenthalt zurückgekommen. „Ich wollte ganz bewusst in eine Männerdomäne, aber auf dem Bau hätten mich die Jungs wohl nicht so richtig angenommen. Und ich habe noch nie eine Müllfrau gesehen.“

Die Wahl war getroffen, sie bewarb sich beim WZV – und durfte bald loslegen. „Ich habe versucht, möglichst ohne Vorurteile an den Job heranzugehen“, erinnert sich Melanie Hauck. Am meisten Sorgen habe ihr der Geruch der Mülltonnen gemacht. „Aber das ist gar nicht so schlimm“, weiß sie jetzt.

Freunde reagierten auf die Nachricht über die Wahl des Ferienjobs oft skeptisch. „Die dachten, ich mache Witze.“ Doch die Segebergerin meinte es ernst. „Immerhin haben wir ja auch täglich mit Müll zu tun“, sagt sie. Der Job des Müllwerkers sei zwar nicht so angesehen, dabei sei er sehr wichtig. „Ohne sie würden wie im Müll versinken.“ Doch Bilder von überquellenden Mülltonnen und verdreckten Straßen kennt der Deutsche in der Regel nur aus dem Fernsehen – aus Slums der dritten Welt oder aus Neapel, wo die Entsorgung nicht richtig funktioniert.

Die Müllmengen jedenfalls werden auch im Kreis Segeberg produziert. Allein 34548 Tonnen Restmüll kamen 2015 im Kreis Segeberg zusammen. Im Schnitt sammelt ein Müll-Team – ein Fahrer, zwei Müllwerker – 16 Tonnen Restmüll pro Tag. „Das sind im Schnitt 1000 Mülltonnen“, sagt Melanie Hauck. Die Standardvariante, 120 Liter. „Davon kippe ich die Hälfte.“ In acht Stunden täglich. Morgens um 6 Uhr rollt das Müll-Fahrzeug vom Hof. Wagen 42. Im wöchentlichen Rhythmus sammelt sie hauptsächlich Restmüll in Bad Segeberg und im Bereich Fahrenkrug, Wahlstedt, Bornhöved. Freitags geht es Richtung Leezen und die Dörfer.

Und das ist anstrengender, als man denkt. „Am Anfang war ich sehr, sehr fertig“, erinnert sich die junge Frau, die regelmäßig ihre Fitness trainiert. „Inzwischen bin ich nur noch sehr fertig“, sagt sie und lacht. Das viele Laufen neben dem Fahrzeug mache ihr nichts aus. „Das kenne ich von Neuseeland, da war ich stundenlang zu Fuß unterwegs.“ Aber die Tonnen seien manchmal doch wirklich schwer.

„Insbesondere Bio-Schnitt ist mitunter richtig schwer.“ Gerade, wenn es vorher geregnet hat. Die frische Luft tue dann ihr übriges.

Die Männer verfielen dann gerade anfangs oft in eine Gentleman-Rolle, berichtet Melanie Hauck. „Sie wollten mir dann die Tonne abnehmen. Doch ich will ja die gleiche Arbeit machen, wie sie auch.“ Bis Oktober zum Studienbeginn. Vielleicht zieht sie sich aber in den Semesterferien wieder ihren orangefarbenen Overall an und geht Müll sammeln.

Damit Segeberg nicht im Müll versinkt. . .

100 Beschäftigte sind beim WZV in der Müllabfuhr beschäftigt – sie fahren die Fahrzeuge und kippen die Mülltonnen. Eine echte Männerdomäne:

Die 21-jährige Melanie Hauck ist die einzige Frau.

16 Tonnen Restmüll kommen im Schnitt auf einer Tour zusammen. Das sind zwei Container, die zwischendurch getauscht werden. 2015 fielen im Kreis Segeberg 34548 Tonnen Restmüll an, dazu 21796 Tonnen Bioabfall und 14069 Tonnen Papier.

 Nadine Materne

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