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Segeberg Messerattacke: Asylbewerber stach zu
Lokales Segeberg Messerattacke: Asylbewerber stach zu
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00:00 13.10.2012
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Segeberg

R. gibt zu, dass er den 20-Jährigen mit einem Messer angegriffen hat. „Aber er bestreitet, mit Tötungsvorsatz und Heimtücke gegen ihn vorgegangen zu sein“, betont Pflichtverteidiger Volker Sprick (Bad Segeberg) gestern zum Auftakt. Weil alle drei – der Angeklagte, seine Ehefrau und das Opfer – kaum Deutsch sprechen, hat das Gericht eine Dolmetscherin bestellt, die die gesamte Verhandlung übersetzt. Die Asylbewerber sprechen Persisch. Denn der Angeklagte ist nur wenige Monate nach seiner Geburt mit Eltern und Geschwistern von Afghanistan aus in den Iran geflüchtet, dort aufgewachsen und acht Jahre zur Schule gegangen. Schlepper haben 2011 für ihn, seine Frau und seine Tochter die Ausreise nach Deutschland organisiert. Er sei mehrmals verhaftet und getrennt worden von seiner Frau, sagt er. Die beiden kamen bereits im August in Deutschland an, er erst im Dezember. Ende des Jahres stellt das Paar einen Asylbewerberantrag; zeitweise leben sie in der Schackendorfer Unterkunft. Zu jenem Zeitpunkt scheint die Beziehung noch intakt. Bis R.s Frau bei einem Sprachkursus den Iraner M. kennenlernt. Will man dem Angeklagten glauben, hat sich zwischen seiner Frau und M. offenbar eine Beziehung entwickelt. Er selbst sei von M. systematisch hinausgedrängt worden: aus dem Leben der Ehefrau und aus der späteren Wohnung in Trappenkamp. „Als ich alles fertiggemacht hatte, hat sie mich rausgeschmissen“, sagte er. Ihm sei auch der Schlüssel zur Wohnung weggenommen worden, dafür habe M. ihm seine Wohnung in Rickling zur Verfügung gestellt. R. schildert, zeitweise unter Tränen, dem Gericht den allmählichen Zerfall einer Familie, der am 19. April eskaliert. Eine ganz andere Geschichte breitet M. vor der Kammer aus, weitschweifig und ins Detail gehend. Nur ein Detail erwähnt er nicht. „Hatten Sie Sex mit der Ehefrau?“, fragt ihn Richter Jörg Bromman unverblümt. „Nein, niemals“, betont der Zeuge. Das Verhältnis sei brüderlich zu R. und schwesterlich zu dessen Frau gewesen. Mehrmals betont M., dass er stets nur habe helfen wollen. Er sei ja froh gewesen, dass er das Paar kennengelernt habe. Doch dann habe sich die Ehefrau von R. verändert, und R. selbst habe von Eheproblemen gesprochen, aber nicht thematisiert. Beide hätten sich kurz räumlich getrennt, R. lebte bei M. in Rickling. „Dort hat er irgendwann ein Messer genommen und sagte, er wolle sich umbringen“, schildert M. Es sei zu Auseinandersetzungen zwischen dem Ehepaar gekommen und er, M., habe sich sehr um die Frau gesorgt. Am Tattag sei er mit der Ehefrau Mittags von der Apotheke gekommen, beide hätten im Schlafzimmer auf dem Bett gesessen, sie am Kopf-, er am Fußende, beschäftigt mit seinem Laptop. R. kam ’rein, lehnte sich kurz an die Tür und verließ das Zimmer wieder. „Er ging in die Küche. Ich hörte, wie er eine Schublade öffnete“, sagt M. Plötzlich habe er, der halb mit dem Rücken zur Tür saß, einen schweren Schlag an der linken Schulter verspürt, realisiert erst später, dass es ein Messer war. Beide ringen auf dem Boden; M. gelingt es, das Messer zu nehmen und aus dem Haus zu laufen. Dort ergreift ein Nachbar die Initiative: er nimmt das Messer fort, beruhigt den schwerverletzten M. und R.s schreiende Ehefrau. R. selbst telefoniert mit dem Handy. „Mit seiner Schwiegermutter. Er hat gesagt, ,ich habe ihn getötet und gehe nun 20 Jahre in den Knast’“, sagt M. Die Verhandlung wird am Montag, 9 Uhr, Saal 232, fortgesetzt.

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